" Der Mauerfall hat mir zur Karriere verholfen ", sagt Monika Zimmermann – ohne Zögern und ohne Vorsicht, gar nicht in Erwägung ziehend, man könnte sie für einen jener " Wendegewinnler " halten, die nach dem Mauerfall in den Osten einfielen, um hier endlich das zu erreichen, wofür es im Westen nicht gereicht hatte : Geld, Karriere, Einfluss. Nein, in diesen Verdacht kann Monika Zimmermann gar nicht geraten. Sie war schon im Osten, als die Mauer fiel.

" Als ich an einem kalten Wintertag des Jahres 1987 mit einem Möbelwagen von Frankfurt am Main nach Ost-Berlin umzog, konnte ich nicht ahnen, dass ich hier zwei Jahre später von einem historischen Moment in den nächsten taumeln würde ", sagt Monika Zimmermann. Die damals 38 Jahre alte Feuilleton-Redakteurin der " Frankfurter Allgemeinen Zeitung " ( FAZ ) war nicht als Korrespondentin in die DDR gegangen, um über deren nahendes Ende zu berichten. " Das zeichnete sich auch nicht ab. "

Nach einer Dienstreise in die DDR in Sachen Denkmalschutz war sie entschlossen, hierher zu ziehen. Dieses andere deutsche Land, so nah und doch so fern, erschien ihr journalistisch gesehen " als ungehobener Schatz ", eine Region voller Geschichte und Geschichten.

Monika Zimmermann hatte in Göttingen studiert, nicht weit von der Grenze. Dahinter war Niemandsland, das Ende der Welt. " Ich hatte das Bild von einem grauen Nichts ", schildert sie ihre Erinnerungen. Doch dieses Nichts überraschte sie : " Da lebten ja Menschen, nicht nur Funktionäre. Menschen, die interessiert waren, die dankbar waren, dass man sich für sie interessierte. " Sie war überrascht, dass es Leute gab, die reiten konnten und ein Pferd hatten. Dass es mehr kulturelle Freiheiten gab, als sie vermutet hatte, und auch mehr Käse ( siehe Seite 3 – " Eine glatte Fehlinvestition ").

Drei Jahre lang beschrieb Monika Zimmermann das normale Leben in der DDR, unverstellt, ohne ideologische Scheuklappen, mit großer Sympathie für die Menschen, die hier lebten – und hier leben wollten, mit viel Verständnis dafür, dass sie sich in diesem System eingerichtet haben und nicht jeden Tag dagegen kämpfen wollten.

Unter der grauen Schale ein Schatz

Fast täglich erschien ein Beitrag in der " FAZ ". Einen Teil davon hat sie jetzt ausgewählt und – unverändert – in dem Reportageband " Honecker bläst zur Hasenjagd " veröffentlicht. Der Titel ist viel reißerischer als der Inhalt. Aber wenn er dazu beiträgt, dass jeder, der wissen will, wie man in diesem unbekannten Land lebte, das Buch zur Hand nimmt, dann hat der Titel seinen Zweck erfüllt. Denn : Ein authentischeres Bild, wie die DDR wirklich war, muss man lange suchen.

Als sich Ende 1989 die Ereignisse überschlugen, hatte Monika Zimmermann ein Heimspiel. " Wenn man nicht in der DDR gelebt hat, versteht man sie nicht ", sagt sie. Der Westen habe vom Osten gar nichts gewusst und der Osten vom Westen nur das, was er im Fernsehen sah. Eine Quelle der Missverständnisse auf beiden Seiten.

Monika Zimmermann, die in die DDR gegangen war, als man dafür von seinen West-Kollegen noch bedauert wurde, verfügte plötzlich über ein Kompetenzfeld wie kaum ein anderer Journalist. Sie hatte Ost-West-Erfahrung – und wurde 1990 Chefredakteurin einer Ostzeitung. 15 Jahre bekleidete sie diese Position in verschiedenen Zeitungen, zuletzt bei der " Mitteldeutschen Zeitung " in Halle.

Seit 2006 ist Dr. Monika Zimmermann Sachsen-Anhalts Regierungssprecherin und sie wünscht sich 20 Jahre nach dem Mauerfall, " dass der Osten selbstbewusster wird ". Es sei so viel geschehen in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten. Die Städte seien wieder wunderbar hergerichtet, und unter der grauen Schale sei ein Schatz zum Vorschein gekommen.