Vieles hat sich für die Ostdeutschen zum Positiven verändert. Enttäuschend ist jedoch, dass dieser Glücksfall der Geschichte nicht besser genutzt wurde. Es gab nämlich keine echte Wiedervereinigung, sondern den Anschluss bzw. den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der BRD. Dadurch wurde die Chance für einen echten Neubeginn und mehr Gerechtigkeit in einem wiedervereinigten Gesamtdeutschland vertan. Für einen Teil der Deutschen änderte sich faktisch nichts, für die Ostdeutschen dagegen alles und manches davon nicht zum Besseren.

Meine persönliche Bilanz ist durchaus positiv. Unmittelbar nach der Wende wurden mir Leitungsposten übertragen, die ich in der DDR als Parteiloser, der dem Regime kritisch gegenüberstand, nie erreicht hätte. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben geht es mir heute besser, als es mir in der DDR jemals gegangen wäre. Bedrückend ist allerdings die auf allen Gebieten ständig zunehmende Ungerechtigkeit, wovon auch die Rentner betroffen sind.

Eine Erkenntnis hat sich für mich bestätigt. Nach der Diktatur einer allmächtigen Partei erleben wir nun die Diktatur des Kapitals mit seiner ganzen Brutalität. Daran kann auch die Demokratie nichts ändern.

Werner Tampe, Magdeburg

Nach dem Mauerfall, den ich wie damals die Mehrheit der Deutschen begrüßt und gefeiert habe, dachte ich, dass nun endlich Demokratie und Gerechtigkeit Einzug gehalten hätten. Weit gefehlt.

Mein Antrag auf berufliche Rehabilitierung wurde mit abenteuerlichen Gründen abgelehnt. Eine berufliche, gesundheitliche und finanzielle Schädigung ist keine Beeinträchtigung. Eine politische Einflussnahme der DDR ist nicht erkennbar ! Es folgen weitere unsachliche Einlassungen.

Mein Ziel war und ist es zu erreichen, dass Behörden auch ohne Klage Bürgeranliegen so bearbeiten, dass die tatsächlichen Begebenheiten berücksichtigt werden. Aber das wird sicher Wunschtraum bleiben.

Martin Ecke, Barby

Zu DDR-Zeiten war ich in einem großen Elektrobetrieb als Projektierungsingenieur in Magdeburg tätig. Um dem technischen Fortschritt zu folgen, habe ich zweimal studiert, was mir nach der Wende zugute kam. Da ich, wie viele andere, über Jahre Einblick in das starre Wirtschaftssystem der DDR hatte, war mir klar, dass dieses System zum Scheitern verurteilt war.

Nach der Wende wurde ich Projektleiter für Großbauten in Magdeburg bei der Siemens AG. Meine Frau und ich sind also Gewinner der Deutschen Einheit und waren bis zum offiziellen Rentenalter in Arbeit und Brot.

Hilmar O. E. Thiele, Magdeburg

Bis heute erkundeten wir die " Westseite " Deutschlands. Wir fuhren oft in den Urlaub an die Nordseeküste. Zum Beispiel nach Cuxhaven oder nach Helgoland. In diese Insel hatten wir uns irgendwie verliebt. Vielleicht klappt es irgendwann noch einmal mit einer Reise nach Irland oder Schottland, meinen Traumreisezielen.

Mein Vater bekam glücklicherweise eine Stelle als Bauleiter in Braunschweig, sodass der Arbeitsplatz gesichert war, nachdem es die KWV in Dedeleben nicht mehr gab. Erst kürzlich sagte er, dass er mit den Kollegen immer gut zurechtkam und es keine Vorurteile hinsichtlich der " Ossis " gab. Sicher war das nicht überall so, aber was ist schon perfekt ?

Henry Schrader, Dedeleben