Wie sich der Aufbruch anfühlte, ist noch sehr lebendig in mir : Als Studentin an der Pädagogischen Hochschule nutzte ich die Zeit neben meiner Ausbildung, um erste politische Erfahrungen zu machen. Schließlich sollte ja alles demokratischer werden, neue Parteien waren plötzlich erlaubt und die Mitwirkung Andersdenkender sogar erwünscht. So kam es, dass ich dabei war, als die Grüne Partei im damaligen Kreis Burg gegründet wurde und als deren stellvertretende Kreisvorsitzende bald mit am Runden Tisch saß.

Dass diese mit viel Hoffnung begonnene Arbeit dann bald wieder in den Hintergrund trat, hatte vor allem zwei Gründe : Einerseits das Studium und andererseits meine Enttäuschung über die Machtkämpfe, die sehr schnell auf allen Ebenen ausbrachen, begonnen beim ersten richtigen Wahlkampf und gekrönt durch Streit unter Menschen, die nach meiner Vorstellung zusammenarbeiten sollten ( und es inzwischen ja auch tun : " Bündnis 90 / Die Grünen ").

Nach dem Studium folgte für mich eine lange Zeit, in der die Familie im Vordergrund stand, verbunden mit einem Umzug von Magdeburg nach Hohenwarsleben. Ich habe fünf Kinder, bin verheiratet und arbeite seit 1994 im eigenen naturwissenschaftlichen Verlag Westarp Wissenschaften mit. Gemeinsam verlegen wir u. a. die schon 1949 in der DDR begonnene Naturbuchreihe " Die Neue Brehm-Bücherei ".

Wichtige Ereignisse dieser Zeit sind für mich die Rettung der Dorfkirche in Hohenwarsleben und deren heutige Nutzung auch als Autobahnkirche, die ich über zehn Jahre als Vorsitzende des Fördervereins begleitete, die Wahl meines Mannes zum Bürgermeister unseres Dorfes, der er nun schon fast zwölf Jahre ist, und eine achtjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Schöffin am Amtsgericht in Wolmirstedt.

Inzwischen habe ich erfolgreich eine Ausbildung zur Mediatorin abgeschlossen. Dieser relativ neue Beruf hat das Thema Konflikt und Konfliktbewältigung mit kommunikativen Mitteln zum Inhalt. In meiner viele Jahre dauernden Beschäftigung mit dem Thema Konflikt und Streit habe ich die Gesprächsbereitschaft als wichtigsten Faktor erkannt.

In diesen Wochen scheint sich für mich ein Kreis zu schließen, was mich auch dazu bewogen hat, diese Zeilen zu schreiben : Im Zuge der Zusammenführung der ( meisten ) Gemeinden der VG Hohe Börde kandidiere ich für den Gemeinderat der zukünftigen Einheitsgemeinde. Neben umweltpolitischen und ökologischen Aspekten der Kommunalpolitik denke ich, dass ich dort auch meine Fähigkeiten, an Interessenausgleichen mitzuzwirken, gut einbringen kann.

Eleonore Gräfin von Westarp, Hohenwarsleben