Magdeburg. Zwanzig Jahre Mauerfall – das Ende der Deutschen Demokratischen Republik. Die Volksstimme war damals Organ der SED-Bezirksleitung Magdeburg. Ein Blick in die Ausgabe vom 24. und 25. Oktober 1989.

" Die DDR befindet sich in einer sensiblen Phase ihrer Entwicklung. " Dies legte SEDGeneralsekretär Egon Krenz laut Volksstimme-Beitrag vom 24. Oktober 1989 bei einem freundschaftlichen Treffen mit dem vietnamesischen KP-Generalsekretärs, Nguyen Van Linh, dar. Van Linh wiederum betonte seine Verbundenheit zur SED und bot Unterstützung bei der Umsetzung der Politik an.

Die Übergriffe auf Demonstranten seitens der Polizei standen bei einer Konferenz in Berlin zur Debatte. Wie die Volksstimme berichtete, präsentierten kirchliche und andere Gruppierungen eine hundertseitige Dokumentation von Erlebnis- und Tatsachenberichten betroffener Bürger. In sogenannten " Gedächtnisprotokollen " beschrieben Bürger, dass Polizisten und Mitarbeiter der Staatssicherheit aus Unsicherheit gegenüber der neuen Situation, unter höchster nervlicher Anspannung, nach stunden- und tagelangem Dienst, bei Demonstrationen unüberlegt und überzogen gehandelt hätten.

Die feierliche Amtseinführung des neuen Rektors der Medizinischen Akademie Magdeburg, Prof. Dr. Bernd Lößner, war ebenso Gegenstand der Berichterstattung wie die Montagsdemonstration am Magdeburger Dom, bei der mehr als 10 000 Menschen teilgenommen hatten. Wie die Volksstimme berichtete, seien die Menschen mit einem Transparent mit Friedenstaube und Kerzen friedlich durch die Straßen gezogen.

Im Sportteil der Volksstimme stand die Turn-Weltmeisterschaft in Stuttgart im Fokus der Berichterstattung. Der Staßfurter Andreas Wecker errang vier Medaillen für den SC Dynamo Berlin.

Egon Krenz neues

Staatsoberhaupt

" Egon Krenz mit großer Mehrheit von der Volkskammer gewählt ", so lautete die große Schlagzeile des 25. Oktober 89. Wie die Volksstimme berichtete, habe Krenz in seiner Antrittsrede betont : " Konsequent hat unsere Gesellschaft am weiteren Ausbau des sozialistischen Rechtsstaates zu arbeiten. "

Neben dem Beitrag auf der ersten Seite veröffentlichte die Volksstimme an diesem Tag auch eine anderthalb Seiten lange Erklärung, die Krenz vor der Volkskammer gab. " Alles, was wir tun, wird stets und vor allem an Wirkungen für den Menschen gemessen ", lautete der Titel.

Von den zahlreichen Demonstranten vor der Volkskammer in Ost-Berlin ist an diesem Tag nichts in der Volksstimme zu lesen. 12 000 Menschen gingen nach der Wahl auf die Straße und forderten lauthals : " Egon allein, das darf nicht sein. " Es war das erste Mal in der Geschichte des DDR-Parlaments, dass das Votum für ein Staatsoberhaupt nicht einstimmig war. 26 Abgeordnete stimmten gegen ihn, 26 enthielten sich der Stimme.

Neben den Geschehnissen um Krenz wird über die Auflösung von sechs Panzerregimentern berichtet. Erstmalig seien auf deutschem Boden gefechtsbereite, vollausgebildete und modern bewaffnete Regimenter aus friedenspolitischen Gründen ersatzlos aufgelöst, zitierte die Volksstimme einen General.

Dass die Bürgermeister der Städte Halberstadt und Wolfsburg einer Städtepartnerschaft ihre Zustimmung gaben, ist einer kleinen Meldung zu entnehmen.

Auch über die Katastrophenhilfe für Entwicklungsländer wird in wenigen Zeilen informiert. 250 Millionen Mark habe die DDR in Form von Hilfsgütern zur Überwindung und Linderung von Notsituationen gewährt.

Übrigens : Heute spricht Egon Krenz ab 10 Uhr im brandenburgischen Petershagen vor ehemaligen DDR-Grenzsoldaten über die Grenzöffnung. Ort des Geschehens ist die Giebelseehalle in der Elbestraße 1.