Hundisburg. 20 Jahre ist es her, dass am 9. November die Mauer gefallen ist und Ost- und Westdeutschland wieder vereint wurden. Zu diesem Jubiläum waren die Kommunalpolitiker Josef Franz, Ortsbürgermeister von Hundisburg, und Ortschaftsratsmitglied Dr. Otto Harms im Jugendclub Hundisburg zu Besuch, um den Jugendlichen ihre persönlichen Erfahrungen des Mauerfalls zu schildern – von beiden Seiten. Denn Dr. Otto Harms lebte damals in Westdeutschland und Josef Franz im Osten.

Im Kreis, auf Sofas und Stühlen, sitzen die Jungen und Mädchen zusammen und hörten den Erzählungen der beiden Männer zu. " Der Mauerfall war eine riesige Überraschung ", beginnt Dr. Otto Harms, " Keiner konnte sich vorstellen, dass es wirklich passiert. " Der Diplom-Landwirt, der zur dieser Zeit in Lehrte bei Hannover lebte, ist in dem Glauben aufgewachsen : Die Westdeutschen sind die besseren ! Als dann die Mauer fi el, sei das eine Genugtuung im Sinne von, die bessere Wirtschaft hat gewonnen, gewesen erinnert er sich. Doch Dr. Otto Harms, der seit 1992 in Hundisburg lebt, machte den Jugendlichen klar, dass man im Westen so erzogen wurde und dass dies nichts mit seiner jetzigen Meinung zu tun habe. " Jeder hat sich einfach für die Menschen im Osten gefreut, dass die Mauer gefallen war ", erzählte er weiter.

Josef Franz, 1940 geboren, lebt schon sein Leben lang im Osten. Nachdem der studierte Diplom-Ingenieur für Stahlbautechnik schon in die Nationale Volksarmee eingetreten war, ist er im Jahr 1971 – ebenfalls auf Drängen – der SED beigetreten. Die Nacht des Mauerfalls hat Josef Franz nicht bewusst mitbekommen, denn wer den Fernseher nicht an hatte, wusste nichts vom Mauerfall. " Als mein Kollege am nächsten Tag zu mir sagte, dass er schon frühmorgens in Helmstedt war, dachte ich zuerst, er wolle mich veräppeln ", erzählte Ortsbürgermeister Josef Franz, " so habe ich vom Mauerfall erfahren. Ich hab am 9. November nicht begriffen, was los ist. " Auch die Tage danach verliefen für den Ingenieur nicht sonderlich anders. Erst Anfang Dezember fuhr er in den Westen und holte sich seine 100 Mark Begrüßungsgeld ab. Vom sozialistischen Grundgedanken kann der Kommunalpolitiker sich bis heute nicht trennen, am Ende seiner Erzählungen betonte er : " Mein Herz schlägt links. "

Die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung war für viele Jugendlichen im Jugendclub bis dato nicht greifbar. Doch nach den zwei verschiedenen Ausführungen war ihr Interesse geweckt. Etliche Fragen, zum Beispiel wann und warum die Mauer überhaupt gebaut wurde, stellten sie den beiden Kommunalpolitikern, so dass eine rege Diskussion entstand.