Schönebeck. 20 Jahre ist es her, dass der Mauerfall die Welt veränderte. Auch Menschen aus Schönebeck beteiligten sich an Demonstrationen, Runden Tischen und anderen Ereignissen. Die Volksstimme Schönebeck berichtet weiter über Akteure, Ereignisse im Umfeld des 9. November 1989 und aus den Volksstimmeausgaben.

Am entscheidenden 9. Oktober 1989 hatten sich laut Stadtarchiv in Schönebeck auf dem Gelände des damaligen Traktorenwerkes " Kampfgruppeneinheiten " gesammelt. Auch in Schönebeck waren es vor allem die Kirchen, die zu Sammelorten für Menschen wurden, die eine gesellschaftliche Erneuerung suchten.

In der Volksstimme findet sich zunächst noch keine Spur zu den Veränderungen im Land, noch weniger werden Übergriffe der Staatsmacht bei verschiedenen Demonstrationen oder die Angst der Menschen vor einer Eskalation der Gewalt thematisiert. Auch in der Ausgabe der Volksstimme vom 11. Oktober nicht. Der Haupttext widmet sich der " Wahlkreisberatung mit Bezirkstagsabgeordneten ". Außerdem geht es um " freundlichen Service im Magnet-Kaufhaus ". Im gleichen Stil präsentiert sich das Blatt an den folgenden Tagen : " Mach mit bleibt der Schlüssel zum Erfolg " heißt es da.

In einer gemeinsamen Aktion mit dem Rat des Kreises gibt es eine Rubrik über verdienstvolle Bürger unter der Rubrik : " Wir und der 40 ". " Wir wollten es den Bauern zeigen " heißt ein Bericht über die Schwierigkeiten und die Motivation, die sozialistische Planwirtschaft einzuführen.

Erstmals findet sich in der Volksstimme am 17. Oktober eine Resonanz auf die gesellschaftliche Situation. Man reagiert auf die Erklärung des Politbüros nach einer zweitätigen Krisensitzung ( s. Kasten ). " Mit großem Interesse " hätten die Werktätigen des Kraftfuttermischwerkes Frohse dies verfolgt, um daraus " Konsequenzen für die eigene Arbeit abzuleiten ", heißt es. Unter der Überschrift : " Nach 25 Jahren weiterhin ein zuverlässiger Partner sein " wird erstmals offen Kritik geübt : " Denn solche Prozesse, unserer eigenen Entwicklung, zum Beispiel Versorgungsfragen, hätten von zentraler Stelle schon eher und energischer angepackt werden müssen ". Man sei bereit, seinen Beitrag zu leisten " zur weiteren Entwicklung des Sozialismus in unserem Land ". Die Voraussetzungen dafür seien gegeben, meinen die in Frohse Beschäftigten. Am Ende des Beitrages wird man noch einmal deutlich : " Unsere Auffassung ist es, dass es uns in der gesamten Republik gelingen muss, ein umfangreiches, qualitativ besseres Sortiment zu gewährleisten. Denn daraus messen die Bürger ganz wesentlich die Werte des Sozialismus. " Das sei " in der gegenwärtigen harten Klassenauseinandersetzung " von großer Bedeutung, heißt es. Dann rufen die Kraftfuttermischwerker auch die anderen Werktätigen im Kreis dazu auf, " kritischer gegenüber eigenen Reserven zu sein und manches Versäumnis der Vergangenheit energisch aufzuholen ".

  • 10. / 11. Oktober : Am Ende einer kontrovers verlaufenden zweitägigen Krisensitzung erklärt das SED-Politbüro die Bereitschaft der Partei zum Dialog mit der Bevölkerung. Erstmals räumt es ein, dass Ursachen für die Fluchtbewegung auch in der DDR selbst zu suchen seien.

  • Das Politbüro unterbreitet den DDR-Bürgern ein von vielen gefordertes Dialogangebot : " Gemeinsam wollen wir über alle grundlegenden Fragen unserer Gesellschaft beraten, die heute und morgen zu lösen sind. Es geht um die Weiterführung der Einheit von Wirtschaftsund Sozialpolitik. Es geht um wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und ihren Nutzen für alle, um demokratisches Miteinander und engagierte Mitarbeit, um gute Warenangebote und leistungsgerechte Bezahlung, um lebensverbundene Medien, um Reisemöglichkeiten und gesunde Umwelt ". Egon Krenz hatte diese Erklärung gegen Widerstand von Honecker im Politbüro durchgesetzt.