Riesen-Überraschung gestern im Wahlkreis 72 (Anhalt): Der Linke Jan Korte setzt sich gegen seine Mitbewerber durch, holt die meisten Stimmen und zieht auf direktem Wege in den Bundestag ein. Knapp hinter ihm auf Platz 2 landet der Deetzer Kees die Vries (CDU). Verlierer des Abends ist der Sozialdemokrat Klaas Hübner. Er muss ein Minus von satten 14 Prozent hinnehmen.

Zerbst. Den Linken Jan Korte hatten die Kandidaten der anderen Parteien nicht auf dem Plan. In einem hauchdünnen Sensationssieg sicherte sich der 32-J ährige gestern den Gewinn des Wahlkreises. Den ganzen Abend über lieferte sich der Politikwissenschaftler ein Kopfan-Kopf-Rennen mit Neustarter Kees de Vries (CDU). Bis in den Abend hinein wagten beide Kandidaten keine sichere Aussage, keiner wollte sich zu früh als Wahlkreis-Sieger feiern lassen. Erst um 23. 20 Uhr stand das vorläufige Ergebnis fest : Korte siegt denkbar knapp vor de Vries mit nur 691 Stimmen.

Der Linkspolitiker feierte seinen Wahlsieg in Berlin. "Ich freue mich riesig über dieses Resultat", sagte Korte in einem Telefonat mit der Volksstimme. Gefragt nach den Gründen seines Erfolges, sagte er: "Wir waren von Anfang an mit den Menschen auf den Märkten und Straßen im Gespräch Wir haben sie verstanden und bieten die bessere Politik an", so Korte, der schon in der zurückliegenden Wahlperiode im Bundestag saß.

Zudem profitiert Jan Korte auch von dem erheblichen Aufwind seiner Partei auf Bundesebene. "Wir sind in jedem Ort eine Volkspartei, und die Leute vertrauen uns. Das ist honoriert worden."

Trotz des zweiten Platzes im Wahlkreis Anhalt wird de Vries nicht in den Bundestag einziehen. Er steht auf der Landesliste der CDU auf dem dritten Platz. Über die Landesliste zog aber nur der Erstplatzierte in den Bundestag ein, Dr. Christoph Bergner.

Der Bündnisgrüne Kandidat Wolfgang Siewert konnte den Stimmenanteil seiner Partei um mehr als die Hälfte auf 3,5 Prozent steigern. Rückläufig ist der Stimmenanteil der NPD. Er ging um 0, 4 Prozent auf noch 2,7 Prozent im Jahr 2005zurück.

Gegenüber 2005 ist der enorme Rückgang der Wahlbeteiligung bedenklich. Lag sie vor vier Jahren noch bei 69, 3 Prozent, waren es gestern nur noch 54,8 Prozent.

Überraschend auch der hohe Anteil Briefwähler. Die sieben Prozent bedeuten über 17 000 Wahlbriefe. Im Wahlkreis 72 ging der Wahltag dank der Hilfe zahlreicher Helfer problemlos über die Bühne. Für die Stadt Zerbst bestätigte dies auch Stadtwahlleiterin Evelyn Johannes.