Linke, CDU, FDP und Grüne mobilisierten am Sonntag mehr Wähler als bei der letzten Bundestagswahl 2005. Die Linke erzielte ihr bestes Ergebnis seit 1990. Eine harte Niederlage erlebte die SPD – die Partei verlor mehr als eine viertel Million ihrer Anhänger.

Magdeburg. Die Linke ist in Sachsen-Anhalt die attraktivste bundespolitische Kraft. Die Partei mobilisierte im Land fast 390 000 Wähler – so viel wie noch nie zuvor bei einer Bundestagswahl. Das beste Resultat erzielten die Sozialisten im Wahlkreis Mansfeld ( Sangerhausen / Eisleben ) mit fast 35 Prozent. Überdurchschnittliche Ergebnisse verbuchte die Linke auch in der Altmark und in Dessau-Wittenberg. Die Entwicklung absoluter Stimmen bei Bundestagswahlen seit 1990 : 1990 : 149 053 1994 : 270 212 1998 : 337 393 2002 : 206 129 2005 : 385 228 2009 : 389 541

Die Christdemokraten mobilisierten fast 5000 Wähler mehr als bei der vergangenen Bundestagswahl. Allerdings ist das absolute Ergebnis weit weg von den Resultaten der 90 er Jahre, als die Union mehr als eine halbe Million Wähler überzeugte. Regional schnitt die CDU am besten im Süden ( Burgenland-Saalekreis ) und im Osten des Landes ( Dessau-Wittenberg ) ab, wo sie auf fast 32 % kam. Am schwächsten war die CDU in Halle und in Magdeburg, dort wurde die 30-Prozent-Marke klar verfehlt. Die Stimmen seit 1990 : 1990 : 613 515 1994 : 582 294 1998 : 444 311 2002 : 415 486 2005 : 357 638 2009 : 362 402

Die Sozialdemokraten verloren in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu 2005 mehr als die Hälfte ihrer Wähler. Im Vergleich zu 1998 büßte die SPD gar zwei Drittel ihrer Unterstützer ein. Hochburgen gibt es nicht mehr. In keinem Wahlkreis kam die SPD über 20 Prozent. Die Resultate pendeln zwischen 15, 6 % im Süden ( Burgenland-Saalekreis ) und 18, 8 % in Magdeburg. Die Entwicklung absoluter Stimmen seit 1990 : 1990 : 393 396 1994 : 502 193 1998 : 620 771 2002 : 618 016 2005 : 474 916 2009 : 202 891

Die FDP gewinnt seit 1994 bei jeder Wahl Stimmen hinzu. An das Ergebnis von 1990 kamen die Liberalen auch 2009 nicht heran, jedoch war jene Wahl, angetrieben vom Genscher-Bonus, ein historisches Ausnahmeereignis. In sechs der neun Wahlkreise übersprang die FDP am Sonntag die Zehn-Prozent-Marke. Den größten Zuspruch erhielten die Liberalen in Halle ( 11, 6 % ). Die absoluten Stimmen in der Rückschau : 1990 : 314 265 1994 : 60 968 1998 : 66 428 2002 : 108 267 2005 : 117 087 2009 : 124 270

Die Grünen verbuchten trotz gesunkener Wahlbeteiligung einen Zuwachs an absoluten Stimmen. Sie erzielten das zweitbeste absolute Ergebnis seit 1990 und schafften im Landesdurchschnitt den Sprung über die Fünf-Prozent-Marke. Am stärksten war die Ökopartei in Halle ( 8, 7 % ), am schwächsten in Anhalt ( 3, 7 % ). Die Stimmentwicklung seit 1990 : 1990 : 83 976 1994 : 53 551 1998 : 54 538 2002 : 48 574 2005 : 59 330 2009 : 61 744

Sechs Abgeordnete sind neu im Parlament

Sachsen-Anhalt ist im 17. Deutschen Bundestag durch 17 Abgeordnete vertreten. In der vergangenen Legislatur waren es 23. Den größten Anteil an den 17 Abgeordneten stellt die Partei Die Linke mit sechs Parlamentariern. Zu den bisherigen Abgeordneten Petra Sitte ( Halle ), Katrin Kunert ( Altmark ), Roland Claus ( Burgenlandkreis ) und Jan Korte ( Anhalt ) kommen Rosemarie Hein ( Magdeburg ) und Harald Koch ( Mansfeld ). Bis auf Roland Claus ( Landesliste ) ziehen alle als Wahlkreisgewinner in den Bundestag.

Die CDU stellt wie bisher fünf Abgeordnete, allerdings gehören nur Christoph Bergner ( Halle ) und Ulrich Petzold ( Dessau-Wittenberg ) zu den bisherigen Abgeordneten. Neu sind Heike Brehmer ( Harz ), Manfred Behrens ( Börde-Jerichower Land ) und Dieter Stier ( Burgenland-Saalekreis ). Während Bergner über die Liste in den Bundestag kommt, gewannen die anderen ihre Mandate direkt.

Die SPD war bisher im Bundestag durch zehn Abgeordnete mit Direktmandat vertreten. Bei der Wahl am Sonntag konnte sie in keinem Wahlkreis gewinnen. Über die Landesliste ziehen Waltraud Wolff ( Börde-Jerichower Land ), Burkhard Lischka ( Magdeburg, neu ) und Silvia Schmidt ( Mansfeld ) ein.

Für die FDP sitzen wieder Cornelia Pieper ( Halle ) und Jens Ackermann ( Börde-Jerichower Land ) im höchsten deutschen Parlament ( beide über die Landesliste ). Die Bündnisgrünen sind wiederum durch Undine Kurth ( Harz ) präsent.