Es war gestern ein Wahlkrimi von Anfang an im Wahlkreis 67 Altmark. So wie vor vier Jahren. Doch mit einem entscheidenden Unterschied : Nicht Marko Mühlstein ( SPD ) und Hans-Heinrich Jordan ( CDU ) lieferten sich ein Kopfan-Kopf-Rennen um das Direktmandat, sondern Katrin Kunert ( Linke ) und Jordan. Am Ende stand fest : Kunert liegt mit 2400 Stimmen vor Jordan. Jordan muss um sein Bundestagsmandat bangen und Marko Mühlstein sein Abgeordnetenbüro in Berlin räumen.

Stendal. Zeitenwende in der Altmark : Die SPD muss ihr Bundestagsdirektmandat, dass sie seit 1994 immer wieder gewonnen hat, abgeben. Nicht an den CDU-Kandidaten Hans-Heinrich Jordan, wie Wahlprognosen noch vor der Wahl vorausgesagt hatten, sondern an die Linke, an Katrin Kunert. Die Altmark hat gestern links gewählt, sowohl beim Direktmandat, als auch bei den Zweitstimmen. Entsprechend ausgelassen war die Wahlparty der Linken im Stendaler Gerberhof : Applaus für die Wahlkämpfer, ein Blumenstrauß für die altmärkische Bundestagsabgeordnete. " Das ist geil ", sagte Kunert und strahlte, als sich abzeichnete, dass sie das Direktmandat der Altmark holt. Kunerts Ziel für die nächste Legislaturperiode : an die bisherige Arbeit anknüpfen, insbesondere was den Kampf gegen soziale Missstände, Rentenungleichheit und die Rente mit 67 angeht.

Punkt 18 Uhr im Hotel " Am Bahnhof " in Stendal : Die Wahlparty der SPD hat kaum begonnen, da ist sie schon an ihrem Tiefpunkt angelangt. Die Prognose und die bald darauf folgenden Hochrechnungen kündigen ein Desaster für die Sozialdemokraten an. " Eine Katastrophe ", " Bitter ", " Jetzt wird ‘ s eiskalt in Deutschland ", lauten die ersten Kommentare. Marko Mühlstein – obwohl er zu dem Zeitpunkt noch davon ausgeht, das altmärkische Direktmandat zu gewinnen – macht einen niedergeschlagenen Eindruck. " Für mich ist es besonders bitter ", sagt er, " weil ich den energiepolitischen Kurs, den ich vertrete, in Gefahr sehe, also Atomausstieg, erneuerbare Energien. " Und fügt hinzu : " Schwarz-Gelb wird das Land verändern. "

Ein Wechselbad der Gefühle erlebten die Christdemokraten. Als 18 Uhr die ersten Wahlprognosen im Landratsamt bekannt werden, jubelte Wahlbeobachter Nico Schulz, CDU-Landtagsabgeordneter aus Osterburg. Als dann aber die ersten Ergebnisse aus dem Wahlkreis gegen 18. 21 auf die Leinwand projiziert werden, Stirnrunzeln bei Schulz : Kunert und Jordan liefern sich von den ersten Wahlergebnissen an ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dabei sind es bekanntlich die Dörfer, die am schnellsten auszählen. Und eigentlich wird auf dem flachen Land Schwarz gewählt. Dann verfestigte sich die führende Postion von Kunert. Katerstimmung bei der CDU. Hans-Heinrich Jordan tauchte ab. Auch dreieinhalb Stunden nach Schließen der Wahllokale war er nicht zu erreichen. " Ich weiß nicht, wo er ist ", musste selbst CDU-Regionalgeschäftsführer Bernd Wießel einräumen. Für ihn begann eine Zitterpartie. Reicht der Landeslistenplatz 5, um Jordan erneut in den Bundestag zu bringen ? Vor vier Jahren gab es schon einmal diese Frage. Sie hatte sich erst in den Nachtstunden zu Gunsten des Jübarers entschieden.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgte Eduard Stapel, Direktkandidat von Bündnis 90 / Die Grünen, die Wahlergebnisse. Dass er kein Direktmandat holen würde, war dem Bismarker klar. Doch dass die Grünen bei den Zweitstimmen in der Altmark auf über acht Prozent kommen, freute ihn. In Feierlaune war gestern die altmärkische FDP in Salzwedel. Rund 60 Liberale feierten zusammen mit ihrer Direktkandidatin Gabriele Hauptstein. " Fast neun Prozent Zweitstimmen in der Altmark, ist ein ordentliches Ergebnis ", sagte sie.