Nachterstedt ( dv / dpa ). " Miezie " ist neun Jahre alt. Aufmerksam beobachtet sie ihre Umgebung und bei jeder Bewegung kommt Spannung in die Barthaare der Angora-Katze. Doch ein Blick in die Augen – ein blaues und ein grünes - verrät, dass sie dabei völlig entspannt ist. Dabei hat " Miezie " gerade eine Odyssee hinter sich, die einem kleinen Wunder nahe kommt. Die Katze hat die Katastrophe von Nachterstedt überlebt. Ihr Zuhause war in der Schreckensnacht am vorigen Wochenende in die Tiefe gerissen worden und mit ihm die Besitzer des Tieres.

Vier Tage später tauchte die Katze bei den ehemaligen Nachbarn der Verunglückten auf. In Gatersleben, fünf Kilometer von Nachterstadt entfernt – dort, wo Elke und Ekkehard Schirrmeister bei Freunden aufgenommen wurden. Auch die Schirrmeisters mussten ihr Zuhause verlassen. " Es war ein Moment der Hoffnung in dieser schweren Zeit ", ist Elke Schirrmeister von der unerhofften Rettung tief berührt. Dabei können sich beide nicht vorstellen und erst recht nicht erklären, wie " Miezie " den Weg zu ihnen finden konnte. Konnte sie durchs Kellerfenster springen, das immer für die Katze offen stand ?

Am Dienstagvormittag wurde die Katze erstmals in Gatersleben gesehen. Sie streifte in den Nachbargärten umher. Reagierte aber noch nicht auf Schirrmeisters Rufe. Am Mittwoch saß sie dann unerwartet vor dem Wohnmobil, dem einzigen Objekt, das sie kannte. " Sie ließ sich hochnehmen, streicheln und liebkosen. In Nachterstedt ist sie jedes Mal vor uns ausgerissen ", erzählt Elke Schirrmeister.

Ende der Woche war auch ein Hund aus der betroffenen Siedlung gerettet worden. Helfer bargen den Jack Russell Terrier. " Die Hündin war völlig entkräftet und hungrig ", sagte der Einsatzleiter der Bergwacht des Deutschen Roten Kreuzes, Jörg Escher. Die Familie sei überglücklich, ihre seit dem Erdrutsch vermisste " Tina " nun zurückzuhaben.