Nachterstedt / Magdeburg. Vier Tage nach dem Erdrutsch bei Nachterstedt, bei dem drei Menschen getötet wurden und 41 ihre Wohnungen verloren, suchen Experten weiter nach der Ursache. Wirtschaftsminister Reiner Haseloff ( CDU ) sprach sich für den Wiederaufbau der Siedlung an anderer Stelle aus. Das Unglück habe zudem Folgen für den Tourismus an alten Tagebauen und den Aufschluss neuer Kohlegruben.

Haseloff sagte gestern, er habe sich mit der bundeseigenen Lausitzer- und Mitteldeutschen Braunkohlenverwaltung ( LMBV ) und dem Bundesfinanzministerium auf eine umfassende materielle Entschädigung der obdachlos gewordenen Bewohner verständigt. Diese erhielten zunächst Bargeld, später werde der Hausrat ersetzt. Landrat Ulrich Gerstner ( SPD ) sagte, die Betroffenen könnten unter leerstehenden Wohnungen in Nachterstedt und dem benachbarten Gatersleben wählen.

Haseloff sprach sich außerdem für den Wiederaufbau der teilweise zerstörten und absturzgefährdeten Siedlung an anderer Stelle aus. " Wenn die Betroffenen es wünschen, sollten wir Wege dazu finden ", sagte Haseloff der Volksstimme.

Die LMBV ist zuständig für die Sanierung von Altbergbaugebieten wie dem einstigen Nachterstedter Braunkohletagebau. Das Unternehmen richtete gestern im Rathaus von Nachterstedt ein Kontaktbüro ein. Dort können die betroffenen 41 Bürger ihre Ansprüche anmelden. Erste kleinere Summen wurden ausgezahlt, über deren Höhe Stillschweigen vereinbart wurde.

Die Erste war Dagmar Kühne. Sie lobte das un bürokratische Vorgehen der Sanierungsgesellschaft, betonte jedoch zugleich, dass mit Geld der erlittene Schaden nicht wiedergutzumachen sei.

Haseloff schließt derzeit aus, dass die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren können. Man wolle aber die Risiken schnell klären, um den Betroffenen lange Zwischenlösungen zu ersparen.

Nach den Worten des Ministers könnte das Nachterstedter Unglück weitreichende Konsequenzen für den Tourismus am Nachterstedter Concordia-See und an anderen ehemaligen Tagebauen haben. " Wir müssen uns gegebenenfalls davon verabschieden, dass dort jede Fläche touristisch genutzt werden kann. " Zudem müssten Betreiber neuer Braunkohlegruben mit strengeren Auflagen rechnen, so Haseloff.

Gestern wurde damit begonnen, das Gefahrengebiet weiträumig mit Gittern und Erdwällen zu sichern. Nach und nach werden die Polizeikräfte abgezogen. Die Bewachung wird ein privater Sicherheitsdienst übernehmen.

Gerhard Jost vom Landesbergamt teilte mit, dass sich die Gefahrenlage in der Siedlung weiter verschärft habe : " Rillen in der Erde zeigen sich inzwischen bis 30 Meter hinter der Abbruchkante. Auch weisen die bisher unbeschädigten Gebäude erste Risse auf. " Dies sei ein Zeichen dafür, dass der Bereich weiter aktiv sei. In nächster Zeit werde eine " natürliche Abf achung " folgen. Dabei wandert die Abbruchkante weiter Richtung Siedlung.

Auf die Frage an die LMBV, ob bei der Sanierung am Concordia-See die Böschung verdichtet wurde, um einem Erdrutsch vorzubeugen, wollte Bereichsleiter Matthias Siebert " keine weiteren Aussagen " machen. Bevor man nicht die Ursache der Nachterstedter Katastrophe kenne, gebe es keinen Grund, Sanierungskonzepte in anderen Gebieten zu ändern.