Erkelenz ( dpa ). Der verheerende Erdrutsch am Tagebausee in Nachterstedt schlägt Wellen bis ins rheinische Tagebaurevier. In den Tagebaukommunen herrscht Sorge. Der Ruf nach Konsequenzen wird lauter. Nach Düren fordern auch Erkelenz und die Gemeinde Niederzier, bei den geplanten drei großen Restseen im Rheinland aus dem Unglück Lehren zu ziehen. Die Unglücks-Ursache müsse analysiert werden und in die weiteren Planungen einfließen, sagten die Bürgermeister der Deutschen Presse-Agentur dpa. Alle warnten vor Panikmache.

Die geplanten Tagebauseen Inden, Hambach und Garzweiler im Rheinland sprengen jede bisher dagewesene Dimension : Sie sind mit elf bis 40 Quadratkilometer Fläche wesentlich größer als die Seen im Osten. Bis die Seen im Rheinland mit Wasser voll sind, dauert es mindestens 30 Jahre und damit eine Generation. Kaum etwas ist so aussagekräftig wie Namen, die aus dem Volksmund kommen : Schon den mit elf Quadratkilometer kleinsten Inden-See taufte die Bevölkerung " Indescher Ozean ".

" Planungen auf den Prüfstand stellen "

So verschieden die Positionen der Tagebau-Kommunen sind, nach dem Unglück von Nachterstedt vertreten sie den kleinsten gemeinsamen Nenner : Sicherheit vor allem. " Wer sorgfältig mit dem Thema umgeht, der muss die Planungen auf den Prüfstand stellen ", brachte es der Bürgermeister von Erkelenz, Peter Jansen ( CDU ), auf den Punkt.

Die Stadt ist erbitterte Gegnerin des Tagebaus Garzweiler, hatte bis zuletzt erfolglos dagegen geklagt. Sie wird ein Drittel ihrer Fläche verlieren. Die Kommune hat sich notgedrungen in ihr Schicksal gefügt, die Umsiedlung der ersten von insgesamt 5000 Erkelenzern läuft. Garzweiler ist der letzte im Rheinland genehmigte Tagebau. Wenn es keinen weiteren Tagebau und damit keinen Erdaushub gibt, wird die Stadt keine andere Wahl haben : " Wenn wir das Loch nicht verfüllen können, ist es Zeit, über einen See nachzudenken ", sagte Jansen.

Die Gemeinde Niederzier liegt auf einem sechs Kilometer breiten Korridor zwischen den Tagebauen Hambach und Inden. Trotzdem hatte sich Niederzier bewusst für den Inden-See entschieden. Ansonsten hätte die Gemeinde 20 Jahre lang mit einem Transportband leben müssen. " Das Ereignis in Nachterstedt macht uns betroffen. Wir müssen die Unglücksursache abwarten und bewerten ", sagte Bürgermeister Hermann Heuser ( SPD ).

" Zwei Dinge sind in dieser Situation unverantwortlich : bagatellisieren und dramatisieren ", sagte der Indener Bürgermeister Ulrich Schuster. Die zentrale Frage ist für ihn, ob die Rahmenbedingungen im Rheinland und in Sachsen-Anhalt vergleichbar sind. Zwei gutachterliche Untersuchungen hätten die Standsicherheit von drei Ortschaften festgestellt.

Die Gemeinde Inden hatte den wesentlichen Impuls für den Inden-See gegeben und sieht keinen Grund, von dem Projekt abzuweichen. " Jedes technische Problem kann ich mit Technik lösen ", sagte Schuster.

Das sieht die Stadt Düren anders. Sie argumentiert gegen ihre 14 Nachbarkommunen, hält die Tagebauseen für nicht beherrschbar, auch weil die Region zu den aktivsten Erdbebengebieten nördlich der Alpen gehört.

Berechnungen per Simulationen

Der Leiter der Erdbebenwarte der Universität Köln, Klaus-Günter Hinzen, teilt diese Bedenken nicht. In Simulationen werde berechnet, wie künstliche Böschungen beschaffen sein müssen, um erdbebensicher zu sein. Beim letzten schweren Erdbeben im Aachener Raum habe es keine Schäden an Tagebau-Böschungen gegeben.