Nachterstedt. Zwei Tage nach dem verheerenden Erdrutsch in Nachterstedt ( Salzlandkreis ) wurde die Suche nach den drei Vermissten, die Sonnabendnacht mit ihren Häusern in die Tiefe gerissen und von mehr als zwei Millionen Kubikmeter Erdreich begraben wurden, eingestellt. Der Katastrophenstab kam zur Einschätzung, dass alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft seien.

Selbst die Bundeswehr musste gestern Nachmittag einräumen, dass es für sie keinerlei technische Möglichkeiten gibt, die Verschütteten zu orten und zu bergen. Zuvor hatte sich ein Erkundungstrupp Havelberger Pioniere ein Bild von der Lage gemacht. Allerdings aus sicherer Entfernung, da der See für Boote gesperrt und die Abbruchkante weiträumig von Sicherheitskräften abgeriegelt ist.

Damit war die letzte Hoffnung, die drei Verschütteten bergen zu können, zumindest für längere Zeit zunichtegemacht.

Diskutiert wurde auch die Möglichkeit einer kontrollierten Sprengung der knapp 150 Meter hohen Abbruchkante unterhalb des evakuierten Wohngebietes " Am Ring ". Allerdings neigen Experten wegen der Unwägbarkeiten eher zu der Ansicht, nicht zu sprengen. Zwar würde dem Hang seine gefährliche Steilheit genommen und somit die permanente Gefahr eines erneuten Erdrutsches beseitigt, aber aufgrund der vielen Altstollen unter der Stadt seien die Auswirkungen nicht ausrechenbar.

Die Situation spitzte sich gestern weiter zu. Bergexperten hatten festgestellt, dass sich die Risse in der Abbruchkante verbreitert haben. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, dass die Erde noch nachrutsche.

Wegen des Unglücks hat die Staatsanwaltschaft Magdeburg ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. " Bevor es konkrete Ermittlungen geben kann, muss es zunächst umfangreiche Untersuchungen und Gutachten zur Unglücksursache geben ", sagte Oberstaatsanwältin Silvia Niemann gestern. Bisher sei noch nicht klar, ob, und falls ja, welche Gesetzesnormen verletzt worden seien. " Da werden sicher einige Monate ins Land gehen. " Erst wenn die Ursache der Katastrophe feststehe, könne über Schuldfragen und mögliche Verantwortliche gesprochen werden, sagte Niemann.

Für die Opfer der Katastrophe wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Unter dem Verwendungszweck " Katastrophengebiet Nachterstedt " können unter der Kontonummer 30 63 00 21 50, BLZ 800 555 00 bei der Salzlandsparkasse Spenden eingezahlt werden.