Elf Tage nach dem verheerenden Erdrutsch von Nachterstedt ( Salzlandkreis ), bei dem zwei Häuser in die Tiefe gerissen wurden und drei Menschen starben, sind gestern die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Unglücksgebiet verstärkt worden. An den sieben evakuierten Häusern haben sich Rissveränderungen gezeigt.

Nachterstedt. Innenstaatssekretär Rüdiger Erben ( SPD ) kündigte gestern nach einem Gespräch mit der Bürgermeisterin der Gemeinde Seeland, Heidrun Meyer, Verantwortlichen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft ( LMBV ), der Polizei und des Landesamtes für Bergbau und Geologie in Nachterstadt an, dass die örtliche Polizeistation ab sofort rund um die Uhr besetzt wird. " Ich sehe es als erforderlich an, dass die Polizei sichtbar vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung steht ", so Erben. Bisher hatte dies Bereitschaftspolizei übernommen, die nun schrittweise abgezogen werde.

Darüber hinaus sorgen vier Mitarbeiter eines privaten Wachdienstes im Auftrag der LMBV dafür, dass niemand das abgesperrte Gebiet rund um den See und das evakuierte Wohngebiet betritt. Erben appellierte an die Bürger, die Betretungsverbote zu beachten. Obwohl es bisher keine weiteren Abbrüche gegeben hatte, sagte Erben : " Es ist eher gefährlicher geworden. Die Gefahr des Abbruchs ist auch weiterhin akut gegeben. " Bei einem größeren Abbruch befürchten Experten auch eine sogenannte Schwallwelle auf dem Concordia-See.

Mit seiner Einschätzung bezog sich Erben auch auf die jüngste Einschätzung des Landesamtes für Bergbau und Geologie. " Nach zehn Tagen gewisser Bewegungsruhe sind am heutigen Tage Veränderungen an den Häusern eingetreten ", erklärte Gerhard Jost, Dezernatsleiter im Landesamt für Geologie und Bergwesen. Detaillierte Angaben machte er nicht. Die Experten halten es allerdings für " defnitiv " unmöglich, dass die evakuierten Nachterstedter ihre Wohnungen bzw. Häuser noch einmal betreten könnten, um ihre persönliche Habe zu bergen.

Im Auftrag der LMBV wurden gestern zwei Wärmebildkameras und eine Rundum-Kamera in der Gefahrenzone installiert. Sie lösen sofort Alarm aus, wenn Personen in dem Gefährdungsgebiet entdeckt werden. Die Kameras werden von einem Sicherheitsdienst ständig beobachtet.

Laut Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Pleye ( CDU ) hat die Wasserschutzpolizei am Concordia-See Wasserproben gezogen. In zwei Tagen, so Pleye, soll das Ergebnis vorliegen. Mit ihnen erhofft man sich genauen Aufschluss über die Phenolbelastung des Wassers. Teile der giftigen, krebserregenden Substanz, die bereits 2007 entdeckt worden war und die oberhalb des Wasserspiegels im Erdreich liegt, sollen bei dem Erdrusch in den See gelangt sein. Die Stelle, wo die Schadstoffe liegen, ist durch den Erdrutsch verschüttet.

Darüber hinaus sind auch etliche tausend Liter Heizöl aus den zwei abgerutschten Häusern in den See gelangt. Schätzungsweise 25 000 Liter Heizöl befnden sich in den evakuierten sieben Häusern. Die LMBV prüft derzeit, ob das Heizöl zu bergen ist.