Bei Nachterstedt hat die Erde zwei Häuser verschlungen. Mit ihnen drei Bewohner. Folge des Bergbaus ? Der Verdacht liegt nahe. 150 Jahre lang haben die Menschen in der Region die Erde ausgebeutet. Mussten sie, denn ohne Erschließen von Rohstoff- und Energiequellen kein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt. Dabei hat die Erde Wunden davongetragen. Daraus heute nachträglich einen Vorwurf konstruieren zu wollen, wäre allerdings unredlich.

Ebenso unredlich wie vorschnell wäre es zu behaupten, die Katastrophe sei vorhersehbar gewesen. Nachterstedt macht aber deutlich, dass sich der Mensch mehr als bisher um die Wunden der Erde kümmern muss – einschließlich solchen, die er längst für verheilt hielt –, die Kohlegruben, Kalischächte, Silber- und Kupferbergwerke, die über Jahrhunderte das Land unterhöhlten. In Sicherheit wiegen, dass so etwas wie in Nachterstedt nicht wieder geschehen kann, sollte sich niemand, doch Panik wäre jetzt das falsche Signal.