Als Konsequenz aus dem Erdrutsch von Nachterstedt ( Salzlandkreis ) sollen alle ehemaligen Tagebauhalden, Tagebauseen und Restlöcher in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf ihre Sicherheit überprüft werden. Das vereinbarten die Bergbauämter der vier Länder gestern bei einem Treffen im Landesamt für Geologie und Bergwesen in Halle.

Halle ( dpa / sj ). Umfang und Zeitspanne der Untersuchungen stehen jedoch noch nicht fest. Zunächst wolle man Lage, geologische Struktur und Festigkeit vor allem von Böschungen unter die Lupe nehmen, sagte der Leiter des Landesamtes für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt, Frank Esters.

Vertreter aus Sachsen und Brandenburg betonten indes, sie sähen in ihren Ländern momentan wenig Handlungsbedarf und keine Parallelen zu Nachterstedt, wo gigantische Erdmassen am 18. Juli zwei Häuser und drei Menschen in die Tiefe gerissen hatten. " Wir haben alles geprüft und festgestellt, dass wir bei uns nichts Vergleichbares zu Nachterstedt haben ", sagte der Direktor des sächsischen Oberbergamtes, Reinhard Schmidt. " Unser erster Eindruck ist, dass wir nichts unternehmen müssen ", sagte der stellvertretende Präsident des Brandenburger Bergamtes, Werner Stackebrandt. Eine umfassende Sicherheitsüberprüfung sei erst möglich, wenn die Ursache des Erdrutsches von Nachterstedt bekannt sei. " Aber wir wollen Erfahrungen aus den Untersuchungen in Sachsen-Anhalt mitnehmen. "

Insgesamt gibt es in den vier Ländern rund 50 frühere Tagebauseen. Sie stehen fast alle unter Aufsicht der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH ( LMBV ). An dem Treffen in Halle nahmen auch Vertreter von Thüringens Bergbaubehörde teil. " Wir liegen nur am Rande des Abbaugebietes, aber wir wären ebenfalls von möglichen Konsequenzen für die Sicherheit betroffen ", sagte der stellvertretende Amtsleiter Thomas Brand. " Wir haben bereits unsere Unterlagen geprüft. Aber wir können nur über die Folgen spekulieren, solange die Ursache nicht feststeht. "

In Sachsen-Anhalt nahmen Experten Esters zufolge bereits erste Tagebauseen in Augenschein. Am vergangenen Freitag hätten Vertreter des Landesbergamtes den Geiseltal-See umfahren, der Goitzsche-See bei Bitterfeld-Wolfen komme bald an die Reihe. Badeverbote oder Sperrungen für Besucher soll es dort laut Esters nicht geben.

Unterdessen nahmen Gutachter am Unglücksort in Nachterstedt die zwischenzeitlich unterbrochenen Kontrollgänge in der Katastrophenzone wieder auf. Weitere Bewegungen des Erdreichs seien an dem Areal, auf dem noch sieben evakuierte Häuser stehen, nicht festgestellt worden, sagte LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Wie es dort weitergeht, ist derzeit unklar. Steinhuber : " Das abgesperrte Areal, welches von der LMBV inzwischen als unbewohnbar erklärt worden ist, muss im Rahmen einer notwendigen Böschungssanierung des Tagebaus neu gestaltet werden. Die dazu notwendigen technischen Maßnahmen sind noch nicht ausgearbeitet und liegen derzeit noch nicht vor. " Steinhuber rechnet damit, dass es noch Wochen oder gar Monate dauert, bis die Unglücksursache ermittelt ist und über weitere Maßnahmen entschieden werden kann.

Wirtschaftsminister Reiner Haseloff ( CDU ) hat gestern gegenüber mdr-inforadio eingeräumt, dass das Risiko von stillgelegten Tagebauen falsch eingeschätzt wurde. " Wir sind als politisch Verantwortliche immer von dem Fakt ausgegangen, dass alles ohne Risiko ist. Wohlwissend, dass es immer Restrisiken in bergbaulichen Aktivitäten gibt. Jetzt ist dieses Ereignis, was nicht hätte stattfinden dürfen, doch zu verzeichnen mit den Opfern, die uns alle sehr schmerzen. "