Knackig und klar mag es der Fahrer eines weißen Fords: "Take back America, defeat all Republicans" steht auf einem Aufkleber auf der Stoßstange seines Wagens. Übersetzt heißt das etwa: "Lasst uns Amerika zurückerobern, indem wir alle Republikaner bekämpfen."

Der "bumper sticker", Aufkleber für die Stoßstangen der Autos – ein amerikanisches Kulturphänomen. Viel verbreiteter als in Deutschland. Und selbstverständlich geht es nicht immer um Präsidentschaftswahlen. Per Autoaufkleber machen viele Amerikaner jedoch überhaupt kein Geheimnis daraus, wem sie ihre Stimme geben. Der "bumper sticker" ist beste amerikanische Tradition, ein Stück zelebrierter Redefreiheit. Amerika verstehen? Ein Blick auf die Stoßstangen kann helfen.

In Wahlkampfzeiten ohnehin. Ein Honda-Fahrer etwa bedient sich des vielleicht wirksamsten Arguments, das der Demokrat Barack Obama gegen seinen Widersacher John McCain anführt: Dass der Republikaner die Politik des Amtsinhabers George W. Bush fortsetzen werde. Lakonischer Aufkleber auf der Stoßstange des Hondas: "McBush".

Nicht immer sind die Botschaften der "bumper sticker" so klar, manchmal setzen sie sogar Wissen voraus. "Quagmire Accomplished" beispielsweise. Quagmire bedeutet Morast – eine Anspielung auf den Militärausdruck "Mission accom plished", "Mission erfüllt". Am 1. Mai 2003 ließ sich Bush an Bord eines Flugzeugträgers ablichten, wo er das of zielle Ende des Irakkriegs verkündete. Im Hintergrund war ein Banner mit der Aufschrift "Mission accomplished" zu sehen. Seither sind tausende US-Soldaten gefallen.

Einige Aufkleber erzählen sogar kleine Geschichten. "When Clinton lied, no one died" ist so ein Fall: "Als Clinton gelogen hat, ist niemand gestorben."

Hintergrund ist ein anderer Sticker: "Bush lied, people died", "Bush hat gelogen, weshalb Menschen gestorben sind." Dieser Kritik am Irakkrieg und an der Behauptung, es gebe dort Massenvernichtungswaffen, haben Republikaner offenbar entgegengehalten, Clinton habe als Präsident auch gelogen – nämlich als er behauptete, dass er niemals Sex mit der Praktikatin im Weißen Haus, Monica Lewinsky, hatte.

Nun gut, antworten daher die Demokraten. Aber als Clinton gelogen hat, ist dabei wenigstens niemand gestorben.

Wenn es nach der Kreativität der Autoaufkleber ginge, hätten die Demokraten die Wahl am 4. November wohl schon gewonnen. Die Republikaner halten es eher mit zünftigen Sprüchen. Weit verbreitet ist der Sticker "McCain/Palin" – das demokratische Gegenstück "Obama/Biden " ist allerdings auch beliebt.

Die Unterstützung für die Republikaner kommt zumindest in liberalen Staaten wie Washington eher verpackt daher. "Got Jesus?", fragt ein Aufkleber etwa, was mit "Spielt Jesus in deinem Leben eine Rolle?" übersetzt werden könnte – eine Anspielung auf den Sticker der Demokraten "Got hope?", "Hast du Hoffnung?", wobei "hope" ein Schlagwort im Wahlkampf Obamas ist.

Weiter südlich, in Staaten wie Texas oder Arizona, dürften die Aufkleber der Republikaner schon bissiger sein, ist die Partei doch bekannt für "negative campaigning", Schmutzkampagnen, mit denen etwa Obama in die Nähe von Terroristen gerückt wird.

Dass auch die Demokraten nicht zimperlich sind, zeigen gerade die Autoaufkleber. "Buck Fush", heißt einer. Wir sparen uns die Erklärung und interpretieren den Aufkleber freundlich als Zeichen der Polarisierung Amerikas.