Das würde der unterhaltsamste Vizepräsident der Geschichte werden !" Dieser ersten Reaktion eines Moderators des konservativen US-Senders Fox News werden auch US-Demokraten kaum widersprechen. Denn mit Joseph Biden hat der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama zwar einen überaus erfahrenen Experten der Außenpolitik und einen brillanten, humorvollen Redner gewählt. Er ist allerdings auch ein Mann, dem seine Worte nur so aus dem Munde strömen und ihn immer wieder in größte Verlegenheit bringen. Legende sind die Geschichten über Bidens zuweilen aufflammenden Jähzorn.

Auch bei Obama musste sich Biden im Frühjahr entschuldigen; Obama sei der "erste Mainstream-Afroamerikaner, der sich gut ausdrückt, intelligent und sauber ist und gut aussieht", hatte Biden locker formuliert – und viele Schwarze in den USA damit empört.

Biden sitzt seit 1973 für den Bundesstaat Delaware im USSenat und ist damit einer der Dienstältesten in dieser Kongresskammer. Hier leitet er auch den Auswärtigen Ausschuss. Unzählige Auslandsreisen machten ihn mit den Spitzenpolitikern in aller Welt bekannt.

Obamas Entscheidung für Biden ist aber nicht ohne Tücken: Ein wirtschaftspolitisches Schwergewicht war er nie, aber die Wirtschaftskrise könnte zentrales Wahlthema werden. Der alte politische Fahrensmann steht aber vor allem kaum für Obamas Botschaft des "Wandels in Amerika" und den versprochenen neuen Politikstil. Und schließlich könnte der rhetorisch brillante und sachlich sehr beschlagene Biden Obama zuweilen in den Schatten stellen. Dessen Stärken liegen im großen Auftritt, nicht in den harten Diskussionen auf überschaubaren Podien und in Bürgerhallen.