Göttingen (epd) l Der wirtschaftliche Erfolg ostdeutscher Unternehmen beruht nach Ansicht des Göttinger Sozialwissenschaftlers Klaus-Peter Buss häufig auf in der DDR erworbenen Kompetenzen. "Das Klischee sagt, die ostdeutschen Betriebe starteten technisch veraltet und unternehmerisch unerfahren in die Marktwirtschaft und konnten nach 1990 nur durch eine schnelle Übernahme westlicher Standards überleben", sagte Buss.

Eine kürzlich abgeschlossene Untersuchung habe jedoch gezeigt, "dass der Erfolg dieser Unternehmen vielfach auf Kompetenzen aufbaut, die auf Produktionserfahrungen unter Planwirtschaftsbedingungen zurückgehen". So habe zum Beispiel eine Firma ihre früheren fachlichen Kompetenzen im Leichtmetallguss nutzen und sich als eine der ersten bundesdeutschen Leichtmetallgießereien im Bereich der Automobilzulieferung etablieren können, sagte Buss.

Bei den großen ostdeutschen Montagestandorten der Automobilindustrie hätten die Erfahrungen der Beschäftigten mit der Kollektivarbeit zu DDR-Zeiten die Einführung neuer Formen der Gruppenarbeit erleichtert.

Andere ostdeutsche Betriebe zeichneten sich durch hohe Flexibilität aus. "Hier haben wir viele Anknüpfungspunkte an den früheren Rationalisierungsmittelbau gefunden", erklärte der promovierte Soziologe. Als Rationalisierungsmittelbau wurden Abteilungen in Unternehmen bezeichnet, die Werkzeuge oder Maschinen zur Verbesserung der Betriebsabläufe produzierten. Dies habe bereits zu DDR-Zeiten den Betrieben die notwendige Flexibilität im Umgang mit technologischen Neuerungen und Versorgungsproblemen verschafft.

Die Wissenschaftler vom Soziologischen Forschungsinstitut in Göttingen hätten für ihre Studie nur eine begrenzte Anzahl an Unternehmen untersuchen können, berichtete Buss. Untersucht worden seien vier Altbetriebe, vier neu gegründete mittelständische Betriebe und vier nach 1990 neu entstandene Zweigwerke von großen Konzernen der Automobil- und Automobilzulieferindustrie.