Berliner Mauer als Symbol der Teilung:
Am 13. August 1961 begann die SED-Führung mit dem Bau der Mauer. Das 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin und wurde zum Symbol der deutschen Teilung.

1,6 Millionen DDR-Bürger waren bis 1961 durch das Nadelöhr Berlin in den Westen gegangen. Mit dem Bau der Mauer wollte die DDR-Führung das wirtschaftliche Ausbluten verhindern.

Im Laufe der Jahre baute die SED-Führung die Sperranlagen immer weiter aus. Die Grenze, die Deutschland teilte, war knapp 1400 Kilometer lang.

Mindestens 138 Menschen starben nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen durch das DDR-Grenzregime. Derzeit untersucht der Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin weitere Verdachtsfälle.

Höhere Opferzahlen legt das private Mauermuseum am Berliner Checkpoint Charlie vor. Danach starben 1720 Menschen. Es wurden auch viele Fälle vor dem Mauerbau sowie Tote an den Grenzen des Ostblocks einbezogen. Historiker bewerten die Zahlen jedoch als nicht seriös.

Nach mehr als 28 Jahren der Teilung fiel die Mauer am 9. November 1989 unter dem Druck der DDR-Bevölkerung.

Fluchthilfe:
Die Berliner Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zeigt unter dem Titel "Risiko Freiheit – Fluchthilfe für DDR-Bürger" vom 22. August an die erste umfassende Sonderausstellung zu dem Thema. Anhand von Originaldokumenten wird die private und organisierte Fluchthilfe nach dem Mauerbau und deren spätere Kommerzialisierung gezeigt.

Zum Nachlesen:
Hans-Hermann Hertle, Die Berliner Mauer – Biografie eines Bauwerkes, Ch. Links Verlag, 248 Seiten, 4,90 Euro

Bundesstiftung Aufarbeitung (Hg.), Die Berliner Mauer in der Welt. Erweiterte Neuauflage, 288 Seiten, 19,95 Euro

Berlin (dpa) l Erst kommen die "Mauerspechte". Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer, schon wenige Wochen später ist sie zwischen Reichstag und Brandenburger Tor über weite Teile durchlöchert. Berliner wie Touristen pickern sich Bröckchen aus den Betonteilen, die die Stadt mehr als 28 Jahre geteilt haben. Fliegende Straßenhändler bieten Mauerstücke an und machen damit Kasse.

Danach wird das einstige Bollwerk zum Millionengeschäft - bis heute. Weltweit ist das Interesse ungebrochen. Auf allen Kontinenten stehen Reste der Mauer, in Museen, als Denkmäler.

"Die Mauerreste sind eine Reliquie der Weltgeschichte", sagt der Historiker Hans-Hermann Hertle vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. "Sie haben einen hohen Symbolwert dafür, dass die Mauer ihren Schrecken verloren hat." 138 Menschen starben nach aktuellem Forschungsstand an dem Grenzwall.

Im boomenden Touristenziel Berlin sind zwar nur wenige originale Mauerabschnitte erhalten - aber die Mauer lebt weiter: als Souvenir. Es gibt Mauer-Schlüsselanhänger, Maueraufsteller mit Magnet oder Display, Postkarten mit integrierten Mini-Stückchen, bemalte Mauerreste, riesige Stücke.

In einem Souvenirshop neben dem früheren Grenzübergang Checkpoint Charlie türmt sich direkt neben dem Eingang ein großes Regal, voll mit Mauerfragmenten, hübsch verpackt - von 4,90 Euro an aufwärts, je nach Größe. "Das Interesse an der Mauer ist ungebrochen hoch", sagt auch Wieland Giebel, Geschäftsführer des Berlin Story Verlags, der auch Mauer-Souvenirs vertreibt. "Zum einen kann man sich nicht vorstellen, wie die Stadt war, als sie geteilt war." Zum anderen zeige der Fall der Mauer den Freiheitswillen der DDR-Bürger.

Die Mauerstücke kommen von einem Lieferanten, der Verlag hat sich die Echtheit von der Technischen Uni in Berlin bestätigen lassen. Im Webshop ist ein kleines Mauerstück für 6,90 Euro zu haben, ein etwas größeres für 12,90 Euro. Ein großes "Original-Mauerbruchstück" mit einem Gewicht von 33 Kilogramm kostet 699 Euro.

Nicht nur Souvenirhändler haben noch Mauerreste, auch anderswo lagern noch Stücke des Betonwalls. So habe die Stadt Berlin ein Depot mit Mauerresten bei den "Gärten der Welt" in Berlin-Marzahn, sagt Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. "Erst vor kurzem haben wir ein großes Mauerstück mit Hilfe unseres Botschafters in Estland nach Tallinn vermittelt."

Schon kurz nach dem Fall der Mauer kommen Geschäftsleute auf die Idee, mit den Resten Geld zu verdienen. Unternehmer aus dem In- und Ausland bieten der DDR, die vor dem Bankrott steht, viel Geld für Mauerstücke, wie der Historiker Ronny Heidenreich schreibt. Dann steigt die damalige DDR-Führung ein, mit dem einstigen "antifaschistischen Schutzwall" soll nun Kasse gemacht werden.

Mit der Abwicklung wird der Außenhandelsbetrieb "Limex" beauftragt. Die Erlöse sollen für "humanitäre Zwecke" verwendet werden und etwa ins Gesundheitssystem fließen, so die offizielle Erklärung. Auch im Westen gründet sich eine Verkaufsagentur. Eine Auktion in Monaco für ausgewählte Mauerreste bringt einen Erlös zwischen 1,8 und 2,2 Millionen D-Mark. Allerdings versickern Gelder aus dem Mauerverkauf auch in dunklen Kanälen, wie Heidenreich schreibt.

Parallel beginnt im Frühsommer 1990 der Abriss der rund 155 Kilometer langen Mauer. Mit Hilfe von 65 Kränen, 175 Lastwagen und 13 Planierraupen werden die Sperranlagen beseitigt. Private Firmen überwiegend aus der Bundesrepublik unterstützen die Grenztruppen beim Abriss und kommen im Gegenzug günstig an Bauschutt.

So enden große Teile der Mauer als Granulat im Straßenbau. Aber auch findige Geschäftsleute erkennen den Wert der Teile als Souvenirs. Bis heute lagern Reste in großen Lagern.

Für die DDR-Führung lohnte sich das Mauergeschäft am Ende nicht. Die Abrisskosten waren riesig: Sie lagen bei rund 170 Millionen D-Mark, wie Heidenreich schreibt - der Verkauf von Mauerteilen brachte nur einen Bruchteil von wenigen Millionen ein.

Weltweit ist die Mauer auch 25 Jahre nach ihrem Fall noch das Symbol für die deutsche Teilung. "Das Interesse an der Mauer ist nach wie vor riesengroß", sagt Kaminsky von der Stiftung Aufarbeitung. Es gibt mehr als 140 Denkmäler, in denen Mauerteile verwendet wurden. Sie sind in einer Neuauflage des Buches "Die Berliner Mauer in der Welt" beschrieben.

Das größte Mauerensemble außerhalb Berlins steht im "Newseum", einem Museum in der US-Hauptstadt Washington, daneben ein originaler Grenzwachturm. Die Mauer steht aber auch auf der Danziger Werft, im Imperial War Museum in London, in New York und auf Hawaii, in Buenos Aires und Seoul - und auf dem Mars. Zumindest fast: Auf Vorschlag eines deutschen Geologen trägt dort ein 85 Zentimeter großer Felsbrocken den Namen "Broken Wall".