Magdeburg l Das Allensbach-Institut befragte im Auftrag der "Zebra Group" und ostdeutscher Tageszeitungen 17 000 Deutsche in Ost und West: Wie sie heute leben, welche Chancen sie sehen, wie ihre Wende-Bilanz aussieht und auch danach, was sie voneinander halten. Das Vorurteil der Ostdeutschen ließe sich so zusammenfassen: Der Westdeutsche ist ein vor Selbstbewusstsein strotzender Egoist, der jeden Sonntag in die Kirche geht, damit ihm Ellenbogen, Arroganz und andere Sünden vergeben werden.

Die Ostdeutschen selbst finden sich hingegen ziemlich tugendhaft. Mehr als zwei Drittel der Befragten im Osten meinen, sie seien bescheiden. Mehr als die Hälfte hält sich für zurückhaltend, sparsam und mit viel Sinn für die Gemeinschaft ausgestattet. Der Ostdeutsche hält sich offenbar für den besseren Deutschen. Sehr bescheiden klingt das nun wieder nicht - aber so ist das mit den Vorurteilen.

Ein so positives Selbstbild vermag der Westdeutsche nicht zu zeichnen. So hält sich ein Drittel der Befragten im Westen für bürokratisch und bescheinigt den Landsleuten im Osten, unkomplizierter und pfiffiger die Herausforderungen zu meistern. Den Vorwurf der Arroganz nehmen Westdeutsche großzügig an. Aber: Sie halten sich längst nicht für so oberflächlich und geldfixiert, wie ihnen das "drüben" nachgesagt wird. Etwa die Hälfte aller Befragten im Osten meinten, die Nachbarn seien vor allem aufs Finanzielle aus - aber nur ein Fünftel der Befragten im Westen sieht das auch so. Jedoch: Selten erscheint jemand so gut, wie er sich selber findet. Im Spiegel der Westdeutschen gibt der ehemalige DDR-Bürger nämlich das Bild des ewig Unzufriedenen ab, der sich ohne großen Ehrgeiz durchs Leben nörgelt.

Doch Unterschiede gibt es nicht allein zwischen West und Ost. Optimismus und Landesverbundenheit etwa sind innerhalb Ostdeutschlands unterschiedlich stark ausgeprägt. Deutlich wird das am Beispiel Sachsen-Anhalts. Nur 49 Prozent der Befragten gaben an, sich mit ihrem Bundesland zu identifizieren. Das ist der mit Abstand schwächste Wert. Vorn liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 73 Prozent. Es folgen die Sachsen (68%) und die Ost-Berliner (63%).

Die Sachsen-Anhalter zählen überdies zu den größten Pessimisten im Osten. Nur jeder Zehnte hält die wirtschaftliche Lage hier für gut. Und nur 20 Prozent der Befragten sehen gute Chancen für die Jugend in der Heimat. In den anderen Ländern denkt mehr als ein Drittel positiv.

Mehr Ergebnisse und Geschichten lesen Sie in unserer Print-Beilage "Leben im Osten".

Bilder