Salzwedel l Interviews mit Grenzern, Häftlingen, die im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen saßen, MfS-Spitzeln und Menschen, die die Grenz-öffnung in Berlin live miterlebt haben - zum 25-jährigen Mauerfall-Jubiläum beleuchteten Zeitung, Funk und Fernsehen gefühlt jeden Winkel der DDR- und Grenzöffnungs-Geschichte. Doch eine junge Frau aus Henningen hat auf ihrer Internetseite mit einem Artikel zu dem Thema eine völlig neue Perspektive eröffnet.

Mandy Fischer ist Jahrgang 1988, in der DDR geboren. Aber von ihrem Geburtsland weiß sie nichts, außer das, was in den Geschichtsbüchern steht und Zeitzeugen ihr erzählen. In ihrem Internetblog bezeichnet sie deshalb die letzten DDR-Jahrgänge als "Erich\'s lost generation".

DDR ist im Alltag weiterhin präsent

Auch wenn die 25-Jährige nicht bewusst die DDR wahrgenommen hat, interessiert sie sich seit ihrer Kindheit für das Thema. Denn auch noch Jahre nach dem Ende der SED-Diktatur sind Gegenstände aus der DDR im Alltag präsent. "Mit acht Jahren habe ich diese Relikte zum ersten Mal registriert", erinnert sich die Henningerin "Wenn ich heute bei Bekannten zu Besuch bin und dort noch ein altes Gerät steht, bleibt mein Blick darauf hängen", erklärt die junge Frau.

Weil sich Mandy Fischer für die deutsch-deutsche Vergangenheit interessiert, entschied sich die Bloggerin dafür, einen Text anlässlich des Mauerfall-Jahrestages zu verfassen. Doch sie hatte die Story nicht von Beginn an durchgeplant. "Die Geschichte hat sich beim Schreiben entwickelt", sagt die Altmärkerin. Erst beim Erstellen des Textes kam die Erkenntnis, dass sie und ihre Altersgenossen zu einer Generation gehören, die nicht ganz DDR, aber auch noch nicht BRD waren.

Wohngebiet Arendseer Straße als Fotokulisse

Um ihren Artikel zu illustrieren, konnte Mandy Fischer zwei junge Salzwedeler für ein Retro-Fotoshooting gewinnen. Die Bilder von Anna Dreyer und Philipp Noack schoss die 25-Jährige im Wohngebiet Arendseer Straße. "Als ich dort mit dem Auto lang fuhr und noch ein paar unsanierte Ecken entdeckt habe, wusste ich, dass das genau der richtige Ort dafür ist", erklärt die Bloggerin. Das Ergebnis sind Bilder, die die DDR anno 2014 wieder lebendig machen.

Der Beitrag "Erich`s lost generation" war nicht die erste Veröffentlichung auf Mandy Fischers Internetseite. Seit Anfang Oktober ist sie auf ihrer Seite aktiv und zeigt Fotos von Shootings oder Reiseberichte. In ihrem aktuellen Text beschäftigt sich die junge Frau beispielsweise mit dem Thema "Talent" und hat in diesem Zusammenhang den Salzwedeler Künstler Christian Lühe porträtiert.

Die Idee zum Blog kam Mandy Fischer spontan. "Ich war zwei Jahre in den USA. Als ich zurückgekommen bin, wollte ich etwas Kreatives machen. Da bin ich auf die Idee gekommen, einen Blog im Internet zu veröffentlichen", erläutert sie und fügt hinzu: "Das ist mein eigenes kleines Reich, in dem ich mich ausprobieren und meine Gedanken teilen kann."

 

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