Neue Neustadt l "Beim Fliegerangriff zur Mittagszeit des 16. Januars waren wir in der Rothenseer Straße verschont geblieben: Nicht so die Nordfront und die Rogätzer Straße. Rauchende Trümmer. Tote. Mutters Hoffnung danach: ,Für den heutigen Tag werden wir wohl Ruhe haben.‘ Kaum war ich abends eingeschlafen, da weckte mich die Stimme des Ansagers aus dem Volksempfänger: Feindliche Bomber im Anflug!

Wir hasteten zum Schutzraum. Er war am Doppeltunnel unter dem nahen Bahndamm ausgebaut worden. Der Luftschutzwart beruhigte zwar wieder einmal die über 100 Menschen, die voller Angst den Bunker aufgesucht hatten. Hier komme keine Bombe durch, sagte er. Welch ein Irrtum! Wenig später gab es eine ungeheure Explosion, man glaubte, die Tunnelwände seien in Bewegung. Kalkstaub rieselte durch die Decke, das Atmen wurde beängstigend schwer. Panik, Schreie, Kinderweinen. Später drang die Information zu uns, dass eine Bombe den Nachbartunnel durchschlagen hatte. Zwei Meter weiter, und auch wir wären ums Leben gekommen.

Das ganze Ausmaß des Fliegerangriffs, die Tragik, die entsetzlichen Auswirkungen wurden uns allen anderen erst am nächsten Tag bewusst - als wir die Innenstadt betreten wollten. Unverständlich ist es mir, dass jetzt die Opfer des 16. Januars für rechtsextreme politische Zwecke missbraucht werden. Für mich als Überlebender einer solchen Katastrophe ist es eine böse Erinnerung. Das darf sich nicht wiederholen!"