Altstadt (kai) l Am 3. Dezember 1973 herrschte in der Innenstadt großer Trubel. Grund: die Eröffnung des Centrum-Warenhauses, heute Karstadt. Die Magdeburger hatten seit Baubeginn 1969 erwartungsvoll die Arbeiten an der Ecke Karl-Marx-Straße/Wilhelm-Pieck-Allee verfolgt. Nun erstrahlt der modernistische 106 Meter lange, 60 Meter breite Alu-Würfel fast wie ein Weihnachtsbaum; doch bald interessiert vielmehr das Innere, das versprochene bessere Angebot an Konsumgütern.

Ein Großereignis – immerhin waren mit der Bombardierung der Innenstadt zahlreiche traditionelle Warenhäuser zerstört worden. Als eines der größten Warenhäuser der DDR setzte das "Centrum" stilecht auch den Schlusspunkt beim Bau des ersten Boulevards, nämlich beim Nordabschnitt der Karl-Marx-Straße. Dessen Neubau hatte Anfang der 1960er-Jahre begonnen. 800 Meter lang, bis 70 Meter breit sollte hier der Fußgängerverkehr dominieren. Ein städtebauliches Experiment. Über 800 Wohnungen in Achtgeschossern mit Keramikverkleidung entstanden.

Schon 1963 wurde das Neungeschossige Apartmenthaus auf der Westseite fertig. In allen Erdgeschosszonen auch der späteren Häuser wurden Läden oder Gaststätten etabliert. "Wildbretstübl", "Eulenspiegelbar", "Kinderkaufhaus", "Pliska" und viele andere Namen wurden populär. Das Haus der Lehrer wuchs bis 1970 als 45-Meter-Höhendominante mit immerhin 628 Fenstern.