Magdeburg (kai) l "Allzeit unfallfreie Fahrt!" Was in den Ansprachen Offizieller bei der Kompletteröffnung des Magdeburger Rings am 19. Dezember 1975 als stereotype Worthülse mitgeliefert wurde, traf absolut nicht zu. Auf der zirka 14 Kilometer langen Gesamtstrecke der freigegebenen Stadtautobahn krachte es nicht selten.

Nichtsdestotrotz: Der Ring, auch Westtangente genannt, war und bleibt eine der wichtigsten infrastrukturellen Leistungen in der Magdeburger Verkehrsgeschichte.

Die Schnellstraße entlastete den Innenstadtverkehr bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren erheblich. Der eigentliche Bau hatte 1970 begonnen. Das erste Teilstück aus Richtung Norden der Stadt bis zur Halberstädter Straße wurde 1974 freigegeben.

Nach der kompletten Fertigstellung der Stadtautobahn, die westlich an der Innenstadt vorbeiführte, atmete Magdeburg erleichtert auf: Die Stadt war jahrelang an den verschiedensten Orten eine einzige Baustelle, traditionelle Straßen wie Adelheidring, Münchenhofstraße, Sachsenring etc. waren durchschnitten, Grundstücke einbezogen, Gebäude u. a. an der Sudenburger Wuhne abgerissen worden. Am Damaschkeplatz bot sich zeitweise ein Bild wie in den späten 1940er-Jahren.

Der Aufwand lohnte: Nun rollte der Strom der Trabis, Wartburgs, Skodas und der Schwerlastverkehr statt auf der verstopften Lübecker Straße über die Stadtautobahn reibungslos. Fast jedenfalls! Denn erst in den 1990er-Jahren konnten nach dem Bau von Brücken (u. a. Lorenzweg, Mittagstraße) die ersten Ampeln abgeschaltet werden. Auch die Leitplanken wurden erst nach der Wende installiert.

Der Magdeburger Ring von heute verfügt über 15 Auf- und Abfahrten, einige, wie an der Brenneckestraße, wurden erst in den letzten 10 Jahren geschaffen. Über die Stadtautobahn fahren heute täglich 70 000 Fahrzeuge, sie wird von insgesamt zwölf Brücken überquert. Nach Abschalten der Beleuchtung im Jahr 2001 aus finanziellen Gründen ging erst Ende 2014 das Licht wieder an.

Die auf Energiesparlampen umgerüstete Beleuchtung verleiht der längsten Autostraße Magdeburgs nun auch wieder ihr höchst verdientes Großstadtflair, ein Wunsch vieler Magdeburger.