Diese Großprojekte sind in Planung
Die Landeshauptstadt wird in den nächsten Jahren vor allem in der Innenstadt noch einmal mit Großbaustellen leben müssen. Bereits im Sommer dieses Jahres startet der Bau des Tunnels unter den Bahnhofsbrücken. Dort muss die Bahn die maroden Brücken sanieren. Die Stadt wiederum ordnet den Verkehr darunter neu. Nach jahrelangen Debatten steht nun die Entscheidung für einen Tunnel. Er soll den Autoverkehr aufnehmen, während in der bisherigen Ebene der Straßenbahn-, Rad- und Fußgängerverkehr abgewickelt werden soll. Mit Gesamtkosten von rund 100 Millionen Euro gehört das Vorhaben zu den größten städtischen Verkehrsprojekten und ist nach wie vor umstritten. In der Sache steht dennoch die Entscheidung. Mitte des Jahres geht es los. Mehrere Jahre wird gebaut. Einschränkungen werden die Magdeburger hinnehmen müssen.

In der östlichen Verlängerung steht das zweite wichtige Großprojekt an. Die schon zu DDR-Zeiten gewünschte, aber nie umgesetzte Verlängerung der Strombrücke über die Alte Elbe bis ans östliche Ufer soll endlich umgesetzt werden. Das Hochwasser 2013 hatte es noch einmal deutlich vor Augen geführt. Magdeburg benötigt dringend eine zweite leistungsfähige und hochwassersichere Elbüberquerung. 2017 ist Baubeginn. Die Einschränkungen werden hier nicht so stark sein wie beim Tunnel. Die Strombrücke wird parallel zur baufälligen Anna-Ebert-Brücke gebaut.

Magdeburg l Dr. Eckhart Peters hat als Chef-Stadtplaner der ersten Stunde nach der deutschen Einheit bis zur Iba 2010 die städtebaulichen Geschicke Magdeburgs mitgesteuert - abhängig vom Stadtrat. Die Volksstimme bat den Ruheständler um einen Beitrag zu seinen Träumen und Vorstellungen über Magdeburgs City der Zukunft.

70 Jahre nach den furchtbaren Bombenangriffen vom 16. Januar 1945 ist es unverkennbar: Heute ist die Elbestadt wieder eine geschichtsträchtige lebenswerte Stadt. In ihrer Mitte ist eine neue Urbanität entstanden, die als regionales Zentrum von unserer Zeit geprägt ist. Und doch wünsche ich mir noch mehr Dichte, Vielfalt, Kleinteiligkeit und visionäre Baumaßnahmen. Dazu gehört erstens ein Fußgängerbereich zwischen Ulrichshaus und Allee-Center. Der Breite Weg sollte an der Bärstraße mit einem Wendehammer für den Autoverkehr aus Richtung Hasselbachplatz geschlossen werden. Die Bereiche Krügerbrücke und Regierungsstraße müssen dazu weiter gestärkt werden.

Zweitens sollte Magdeburgs neue Mitte künftig als zweiter Pol zum Hasselbachplatz fungieren, das mithilfe eines Kreisverkehrs auf der Kreuzung Ernst-Reuter-Allee / Breiter Weg analog zum Hasselbachplatz. So wird der Autoverkehr gebremst, und die Straßenbahnen, Radfahrer und Fußgänger haben den Vorrang. Ein schwebendes transparentes Dach über der Einkaufsstraße Goldschmiedebrücke und östlicher Ulrichplatz (Investoren Allee-Center, Ulrichshaus, Wobau) würde drittens den Boulevard prägen.

Für den Südabschnitt Breiter Weg zwischen alter Staatsbank und Keplerstraße sind, viertens, moderne Architektur mit gleichzeitiger Stärkung des Wohnungsbaus erforderlich. Das kann nach dem nun erfolgten Abriss der Nachkriegswohnbauten mit den geplanten neuen Häusern verwirklicht werden.

Der Neubau Blauer Bock sollte, fünftens, höhengestaffelt und zukunftsweisend realisiert werden, quasi mit einer Architektur mit Pfiff. SWM und Stadt dürfen trotz lobenswerter Eigeninitiative die Chance nicht verpassen, hier der City ihr abschließendes Gesicht zu geben. Ein bundesweiter Architektenwettbewerb muss durchgeführt werden! Die SWM können es von den Gewinnen 2013/2014 bezahlen, die Stadt könnte "kostenfrei" Grundstücke beisteuern.

Sechstens sollte mehr kleinteilige moderne Bebauung durchgesetzt werden, so auf dem Kleinen Werder, Zoll- und Winterhafen, gleichfalls am Gouvernementsberg und Prämonstratenserberg.

Der "Sprung" über die Elbe durch Verlängerung der behindertengerechten neuen Fußgängerbrücke vom Fürstenwall bis in den Rotehornpark und damit Aufbau eines Rundweges mit Sternbrücke würde, siebtens, den Freizeit- und Tourismusbereich stärken. Schon um 1890 wurde eine solche Brücke über den Domfelsen ins Auge gefasst, was an den politischen Gremien scheiterte. Das war auch zu meiner Amtszeit so, obwohl der Wettbewerb zur Brücke deren Fortführung bis zum MDR-Gebäude vorsah.

Achtens würden das Freilegen der Festungsmauer westlich der Bastion Cleve entlang der Straße Am Dom sowie der Zitadelle auf dem Werder am östlichen Widerlager der Strombrücke identitätsbildend und tourismusfördernd an Magdeburgs Geschichte erinnern.

Der Erhalt der extravaganten Hyparschale, zum Beispiel als privater Jugendtreff, ist mein neunter und die Beibehaltung des Iba-Shops als Diskussions- und Ausstellungsort sowie als Städtebau-Zentrum mein zehnter Zukunftstraum für Magdeburg.

Nach der Katastrophe vom 16. Januar 1945 hat es Jahrzehnte gedauert, bis die neue City ihr heutiges Gesicht präsentieren konnte. Generell bin ich der Ansicht, dass die Altstadt noch gutes Fortentwicklungspotenzial birgt. Dabei sollte bedacht werden, dass der Ziel- und Quellverkehr den absoluten Vorrang behalten und kein Tunnel am Bahnhof für den Durchgangsverkehr gebaut werden muss. Das wäre für das Flair der Altstadt kontraproduktiv.

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