Das Jerichower Land feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Was macht diesen Kreis so besonders? In einer Serie von A wie Anfang bis Z wie Ziegelsdorfer Telegraf gehen Volksstimme-Redakteure der Sache auf den Grund. I wie Integration: Rund 100 Asylbewerber nimmt das Jerichower Land jährlich auf. DRK- und Kirchenmitarbeiter erleichtern den Start.

Burg l Ein Leben auf sechs Quadratmetern - in einer Gemeinschaftsunterkunft, zwischen nackten Steinwänden und zerschlissenen Möbeln. Die meisten von ihnen suchen sich dieses Leben an der Zerbster Chaussee in Burg nicht aus. 2013 hat das Jerichower Land 138 Asylbewerber aufgenommen. Die Zahl steigt. 2011 waren es noch 63 Bewerber. Der Grund: Bürgerkriege in Syrien und anderen arabischen Ländern.

Kriege, die plötzlich auch für den Burger Fabian Borghardt eine Rolle spielen. Vor vier Jahren hat die Evangelische Kirchengemeinde St. Nicolai das Büro zur Förderung von Demokratie und Vielfalt gegründet - eine Anlaufstelle für Asylbewerber. Immer dienstags ist dort Sprechzeit. Dann hört Fabian Borghardt von Geschichten, die im Kopf bleiben.

In diesen Geschichten geht es nicht um das große Geld, neue Klamotten und Flachbildschirme - sondern um Sicherheit. "Hier zerplatzen keine Träume", erklärt Borghardt. Was zehrt, seien die Jahre des Wartens - vier Jahre kann es dauern, bis der Aufenthalt und damit auch das Arbeiten genehmigt ist. "Wenigstens gilt auch für die Kinder der Migranten die Schulpflicht", sagt Borghardt. Das Büro hat für diese Kinder einen Club gegründet. Jeden Donnerstag treffen sie sich gemeinsam mit deutschen Kindern im Burger Hugenottenkabinett.

Wenn die jungen Ausländer nach Burg kommen, weil sie aus ihrer Heimat fliehen müssen, tut es das erste Mal weh - wenn sie wieder zurück gehen, das zweite Mal. "Zwei Söhne einer irakischen Familie kamen regelmäßig zu uns, der Kleine wurde in Burg eingeschult, und dann reisten sie wieder zurück in den Irak", erinnert sich Borghardt. Mit der Zeit seien es viele einfach leid: alle drei Monate müssten sich die Migranten in der Behörde melden, selbst für einen Arztbesuch brauchen sie eine Genehmigung.

Bei solchen Wegen begleiten Heidi Buck und ihre Kolleginnen vom DRK Regionalverband in Burg die Migranten. "Diesen Job macht man mit Herzblut", erklärt Buck. Und mit Händen und Füßen. Die Verständigung ist am Anfang immer eine Herausforderung - vor allem wenn es sich um seltene Sprachen wie Yoruba oder Serer aus dem Afrikanischen handelt. "Wir haben aber guten Kontakt zu Migranten, die seit ein paar Monaten hier sind und uns beim Übersetzen helfen", so die Mitarbeiterin der Migrationsberatung.

Landrat Lothar Finzelberg weiß aus Erfahrung: "Wir versuchen den Migranten ein menschenwürdiges Leben zu garantieren - und dafür ist die Unterstützung der vielen freiwilligen Helfer wichtig." In der Kreisverwaltung beschäftigen sich fünf Mitarbeiter konkret mit den Ausländer-Angelegenheiten. "Da treffen junge, gut qualifizierte Leute mit Englisch-Kenntnissen auf erfahrene Mitarbeiter", erklärt Finzelberg. Einer von ihnen: Anton Gujo. Er kümmert sich in der Stabsstelle Integrationskoordination des Kreises, um die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen. "Mit dieser Stabsstelle funktioniert die Arbeit besser, wir wollen ja nicht konkurrieren", erklärt Fabian Borg-hardt.

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