Das Jerichower Land feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Was macht diesen Kreis so besonders? In einer Serie von A wie Anfang bis Z wie Ziegelsdorfer Telegraf gehen Volksstimme-Redakteure der Sache auf den Grund. O wie Ostwärts: Erst Franken, dann Deutsche versuchten ihr Einflussgebiet ostwärts über den alten Grenzfluss Elbe auszudehnen, oft gewaltsam und im Zeichen der Kirche. Später kamen die Flamen. All das hat Spuren hinterlassen.

Jerichower Land l Ohne den Weinberg zwischen Hohenwarthe und Lostau hätte das große Magdeburg wohl seine Geschichte doch noch ein wenig anders schreiben müssen. Im Jahr 806 wird die damals wichtige fränkische Siedlung an der Elbe erstmals in einer Urkunde erwähnt - im Zusammenhang mit einer militärischen Befestigung hoch über der Elbe auf östlichem Ufer - im Slawenland: das Karlsche Kastell auf dem 75,4 Meter hohen Weinberg.

Die in den südfranzösischen Klöstern Moissac und Aniane lagernden Abschriften einer karolingischen Chronik bezeichnen die Lage dieses Militärkastells als "ad aquilonem partem Albie contra Magadaburg" ("im nördlich gelegenen Teil der Elbe gegenüber von Magdeburg").

Und nun hier zwischen Hohenwarthe und Lostau im Jerichower Land: Anfang des 9. Jahrhunderts toben in der Region Slawenaufstände. Karl der Große, seit 800 Römischer Kaiser, schickt seinen Sohn an die Elbe. Er soll die Revolte niederschlagen. Das Kastell entsteht, um die Macht zu sichern.

Lange ist nach Spuren des Kastells gesucht worden. Im Jahr 2003 geben geomagnetische Messungen Spuren preis. Im August 2008 ist es heiß und trocken. Professor Joachim Henning, die Grabungshelfer Hanko Roesener und Armin Volkmann haben einen etwa 100 Meter langen und etwa 80 Zentimeter breiten Graben gezogen. Sie werden fündig: Das Karlsche Kastell war eine halbrunde, aus fünf parallel verlaufenden bis zu drei Meter tiefe Spitzgräben bestehende Sicherungsanlage - zum Teil mit großen Steinen verschüttet und mit verkohltem Holz aufgefüllt.

Der Fund ist eine Sensation. Der Weinberg an der Elbe geht in die Geschichte ein: Das entdeckte Kastell ist der älteste und bislang einzige sichere archäologische Befund für das Vordringen fränkischer Könige und Kaiser in den damals slawisch besiedelten Gebieten östlich der Elbe-Saale-Linie.

Der Fund stellt den Bezug her zu dem damals größten Herrscher in Europa: Frankenkönig und römischer Kaiser Karl der Große (747-814). Sein strafforganisiertes Reich spannt sich von der Nordsee bis ans Mittelmeer, von Atlantikküste bis an die Elbe. Aus ihm werden einmal Frankreich und Deutschland hervorgehen, ebenso wie viele andere europäische Staaten.

Die Überreste des Kastells sind inzwischen wieder von Erdreich überdeckt. Eine originalgetreue Nachbildung - wie bei anderen archäologischen Großfunden etwa Gossa oder Nebra - ist nach jetzigem Stand nicht geplant - bisher.

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