Genthin l Der Sportboothafen in Genthin sorgt für internationales Flair in der Kanalstadt.Das zeigt schwarz auf weiß das seit 2007 geführte Gästebuch. Anleger aus den Niederlanden, aus Dänemark, aus der Schweiz, aus Belgien oder Schweden gehörten zu den 139 ausländischen Gästen, die Hafenmeister Rolf Hoppe im vergangenen Jahr begrüßen durfte. Mit Ryoichi Sato hatte es im August 2013 sogar einen Japaner nach Genthin verschlagen. "Das war schon außergewöhnlich", sagt Hoppe.

Japaner gefällt Genthiner Landschaft


Der damals 63-jährige Japaner will als Rentner ganz Europa über Flüsse und Kanäle kennenlernen. Dafür kaufte er sich 2010 ein Hausboot in den Niederlanden und startete seine erste dreimonatige Tour auf dem Wasserweg durch die Niederlande. Belgien und Frankreich hat er auf diese Weise ebenso bereist. Im vergangenem Jahr war Norddeutschland an der Reihe. "Die Landschaft und die Natur gefallen mir hier sehr", sagte er damals bei seinem Stop in Genthin. Aus der anderen Richtung erreichten Anneke und Pieter Hart aus den Niederlanden die Marina in Genthin. Sie waren schon öfter in der Kanalstadt und freuen sich über die entspanntere Reise in Deutschland, wo die Kanäle viel größer und naturbelassener seien als in ihrer Heimat. Über internationale Gäste freut sich auch der Hafenmeister. "Wir sind für jeden Exoten offen", sagt er.

2012 hielten zwei Frauen auf einem Motorsegler in Genthin. Sie wollten zum Mittelmeer, wo sie einen Liegeplatz für längere Zeit gemietet hatten. 2010 hatten sogar Weltumsegler in Genthin angehalten. Eine Familie aus Berlin ist in der Bundeshauptstadt gestartet und setzte seine Tour über Genthin fort. "Vom selbst ausgebauten Faltboot bis zu 800-PS-Yachten haben wir hier schon alles gesehen", erzählt der Genthiner Hafenmeister. Sogar Prominenz: Der Vater von Michael Schumacher hatte dessen Yacht von Sardinien nach Berlin überführt und ist so am Genthiner Hafen vorbeigekommen.

Immer größere Schiffe laufen Marina an


Der Charakter des Wassersports habe sich laut Rolf Hoppe aber in den vergangenen Jahren verändert. "Selbst gebaute DDR-Boote, auf die man noch richtig stolz war, sind heute die große Ausnahme." Schiffe, die über 500000 Euro kosten, seien dagegen keine Seltenheit mehr. Doch der finanzielle und auch logistische Aufwand für Privatleute sei mittlerweile so groß geworden, dass viele die Boote nur noch chartern, aber auch das koste um die 2000 Euro pro Woche. "Unsere Gäste sind richtige Wasserenthusiasten, oft schon etwas älter und dann auch sechs bis acht Wochen auf dem Wasser unterwegs", erzählt Hoppe. Doch immer wieder würden sich nette Gespräche entwickeln, sagt der Hafenmeister und schließt das Gästebuch.

Bilder