Kamern l Gut sieben Monate nach der Flut ist der Keller von Martina Fechner in Kamern endlich trocken. "Bis vorige Woche lief der Bautrockner immer noch", berichtet sie. Nun soll in der kommenden Woche die Renovierung der Kellerräume beginnen. Zeit wird es auch, stapeln sich doch im Erdgeschoss zum Beispiel Kisten mit Büchern, die im Juni vergangenen Jahres noch eilig nach oben ins Trockene gebracht werden konnten.

Bücherkisten stapeln sich im Erdgeschoss

Martina Fechner wohnt im Mühlenweg. Von drei Seiten sah sie das Wasser, das sich nach dem Deichbruch in Fischbeck den Weg auch über Kamern gen Norden zur Havel bahnte, kommen. Der Garten war geflutet, doch das Haus blieb zunächst trocken.

Dann aber, eine Woche nachdem der eilig errichtete Notdeich in der Kamernschen Chausseestraße gebrochen war und Häuser geflutet hatte, floss Wasser in ihren Keller. Kein Flutwasser, Grundwasser suchte sich den Weg durch den Beton. So wie auch bei den Nachbarn in den Hausnummern 4 bis 7.

"Das Flutwasser war schon wieder am Abfließen, da kam das Grundwasser plötzlich ganz schnell. Wir hatten es noch geschafft, einiges hochzubringen", berichtet sie von Büchern, Kühltruhe, Waschmaschine, Bettzeug. Das Zimmer ihres Sohnes, wo er wohnt, wenn er nach Hause kommt, und ein Gästezimmer befinden sich unter anderem im Keller. "Im Sommer haben wir immer im kühlen Keller geschlafen, dieses Mal ging das nicht", erzählt Martina Fechner. Sie blieb während der Flutzeit in Kamern. "Die Polizei war hier, wir sollten gehen. Doch was hätten wir mit unseren Tieren gemacht?" Ihr Lebenspartner hatte ein Notstromaggregat besorgt, und als die erste Pumpe durch eine mit Schwimmer ersetzt wurde, konnte Martina Fechner wieder arbeiten gehen.

Gekocht wurde auf der Terrasse per Gaskocher, denn Strom gab es etliche Tage nicht. Die Waschmaschine stand ebenfalls dort, die Truhe in der Garage. "Zum Glück hatte ich noch ein Chemieklo, somit konnten wir auch eine Toilette benutzen."

So wie viele andere, hat auch Martina Fechner bereits einen dicken Ordner mit sämtlichen Unterlagen zur Flut. Erschrocken war sie, als sie vergangene Woche im Interview mit Bernd Witt las, dass drei Kostenvoranschläge beizubringen sind. "Wie soll denn das gehen, die Handwerker haben doch den Kopf voll. Ich bin froh, dass ich einen Gutachter gefunden habe", sagt sie. Die Kosten werden mit 10500 Euro angegeben. Vertreter der Investitionsbank haben sich die Schäden angeschaut. Martina Fechner soll sie ersetzt bekommen.

Versicherung zahlt bei Grundwasserschaden nicht

Ihre Versicherung, die Elementarschäden und damit auch Hochwasser beinhaltet, zahlt nicht, weil Grundwasser und kein Flutwasser im Keller stand. "Dabei ist doch wohl eindeutig klar, weshalb das Grundwasser so angestiegen ist." Sie will nur das Nötigste machen lassen. Zwei Türen müssen ersetzt werden, andere, massive aus Holz ohne Fütterung, sind getrocknet. "Ich will es nicht ausnutzen, dass wir die Schäden ersetzt bekommen, ich bin froh, dass die Investitionsbank Geld zahlt."

"Wir wollten uns Zeit lassen und alles wirklich richtig trocknen lassen. Nächste Woche geht die Renovierung los. Tapeten habe ich schon gekauft", freut sich Martina Fechner, bald wieder Ordnung im ganzen Haus zu haben.