Havelberg l 720 Kilometer lang sind die Gräben, die der Unterhaltungsverband Trübengraben pflegt. 600 Kilometer davon haben bei der Flutkatastrophe im Juni große Schäden erlitten. "Wir haben im August angefangen, die Schäden an den Gewässern aufzunehmen", sagt Geschäftsführer Uwe Klemm und berichtet von Auskolkungen, Sandbänken, umgefallenen Bäumen und Böschungsabrutschungen.

Arbeiten am Seegraben in Fischbeck beginnen

Der Unterhaltungsverband arbeitet dabei eng mit dem Ingenieurbüro Ellmann/Schulze zusammen, das eine umfassende Dokumentation erstellte. "Bis Ende November war ich mit einer Mitarbeiterin draußen vor Ort, wir haben jeden Kilometer betrachtet. Aufgrund des regenreichen Herbstes war vieles nur zu Fuß machbar", berichtet Uwe Klemm. Im September wurden die größten Schäden beseitigt, etwa am Land- und Weidegraben Schönfeld von der eingestürzten Radwegebrücke bis hin zum Schönfelder See. Allein dort wurden 4000 Kubikmeter Material entfernt. An der zusammengebrochenen Brücke zwischen Schönhausen und Schönhauser Damm hatte sich eine 600 Kubikmeter umfassende Sandbank gebildet. Große Abflusshindernisse wurden aus den Gräben herausgeholt.

Die Schadensaufnahme liegt protokolliert in Text- und Kartenform vor. "Wir haben Hunderte Einzelmaßnahmen", sagt Uwe Klemm. Die 720 Kilometer zu pflegenden Gewässer zweiter Ordnung sind im Unterhaltungsverband in Lose aufgeteilt. 26 Lose sind von der Flut betroffen - 26 Anträge werden gestellt.

In dieser Woche beginnen in Fischbeck an der Feuerwehr die Arbeiten am Seegraben, um die Auskolkungen zu beseitigen. Der Bereich muss aufgefüllt und die Böschung wieder hergestellt werden. In Nähe der Wohnbebauung ist das besonders wichtig, damit für die Anwohner, vor allem für spielende Kinder, keine Gefahr mehr besteht. Auch in Wust gibt es eine Maßnahme in der Ortslage. In der Elbstraße in Havelberg sind Ausbaggerungen am Seekenpuhl bereits im Gange.Andere Maßnahmen werden später abgearbeitet. "Wir wollen nicht bei den Bauern über die Raps- oder Getreidefelder wühlen und noch zusätzlichen Schaden anrichten", erklärt Uwe Klemm.

Ein weiterer Schwerpunkt werden die abgestorbenen Erlen entlang der Gräben sein. Der Verbandsgeschäftsführer rechnet hier mit tausenden betroffenen Bäumen. Welcher Baum wirklich abgestorben ist, soll im Sommer genau in Augenschein genommen werden. Ein anderes Thema sind die beschädigten Straßenbrücken. Mit Rohren und Pumpen wird der Wasserabfluss gewährleistet. Der Verband steht in engem Kontakt mit dem Straßenbauamt.

Für die Schadensbeseitigung an den Gewässern hat der Verband bisher rund 640000 Euro beantragt. Bei ungefähr dem Doppelten wird die Gesamtsumme liegen. Hinzu kommen bereits beantragte 803000 Euro für die Beseitigung der Schäden an Anlagen, für die die Gemeinden die Gelder beantragen. Die Schäden wurden vom Unterhaltungsverband mit aufgenommen. Diese Summe wird sich auf insgesamt fast zwei Millionen Euro belaufen, schätzt Uwe Klemm.

Im vergangenen Jahr waren für 120000 Euro Schäden an den Gewässern beseitigt worden, in den ersten Monaten dieses Jahres sind es bereits 50000 Euro. Die Grundräumung zwischen Wöplitz und Vehlgast ist abgeschlossen und auch der Bereich zwischen Havel und Elbe. "Wir ziehen weiter Richtung Rehberg, werden aber aufhören, wenn das Gras wächst."

In diesem Jahr wird beidseitig gemäht

Die normale Unterhaltung der Gewässer musste trotz der enormen Flutschäden realisiert werden. Bis auf wenige Ausnahmen war das auch möglich, sagt der Geschäftsführer und dankt den beiden Betrieben, die für den Verband tätig sind, für ihre gute Arbeit.

In diesem Jahr beginnt die Unterhaltung wieder Anfang Juli. Dieses Mal wird beidseitig gemäht, wo es notwendig ist. Das war eine Konsequenz der Verbandsversammlung nach dem Hochwasser, um die Leistungsfähigkeit der Gräben zu erhöhen. Allerdings gab es auch schon vorher Bereiche, die beidseitig gemäht wurden und zum Teil auch zweimal im Jahr, etwa an den wichtigen Hauptvorflutern.

Der Abfluss des Hochwassers funktionierte gut. Zunächst war eingeschätzt worden, dass es bis September dauern wird, bis das Wasser weg ist. Das war dann aber schon im August der Fall, berichtet Uwe Klemm. Die Gräben sind auf jeden Fall soweit in Ordnung, dass das Wasser abfließen kann. Es gibt keine größeren Abflusshindernisse mehr. Bis jedoch sämtliche Schäden behoben sind und alles wieder in Ordnung ist, werden wohl drei Jahre nötig sein, denkt Uwe Klemm.

   

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