Magdeburg l Der Pechauer Deich, neuralgischer Punkt bei der Flutkatastrophe 2013, soll so schnell wie möglich stabilisiert und mit Wegen aus Bitumen versehen werden, hieß es noch im Juli 2013 vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Sachsen Anhalt bei einer Informationsveranstaltung in Pechau. Anvisierter Baustart 2014. Doch André Pasemann vom LHW erklärte am Donnerstagabend im Rahmen einer Bürgerversammlung in Pechau, dass der Baustart im Bereich Pechau erst 2015 vorgesehen sei.

Im kommenden Oktober soll der Kampfmittelbeseitigungsdienst Verdachtsflächen in der Region nach eventuellen Kampfmitteln, zum Beispiel Bombenblindgänger, untersuchen sowie erste Baumfällarbeiten und archäologische Untersuchungen vorgenommen werden, so Pasemann. Im Herbst erfolgen die Ausschreibungen für die Deichbaumaßnahme, so dass über die Wintermonate der Baubetrieb vorbereitet werden kann.

Geplant sei es, einen Deichkontrollweg auf der Deichkrone in einer Breite von zwei Metern aus Bitumen sowie einen Deichverteidigungsweg von drei Metern unterhalb des Deiches anzulegen.

Insgesamt wird der westliche Deich des Umflutkanals vom Pretziener Wehr bis zur B1 saniert und ein durchgängiger Deichverteidigungsweg gebaut. In Bereich Pretzien wurden bereits die ersten Arbeiten vorgenommen. Der Bereich Pechau gehört zum letzten Bauabschnitt der Maßnahme. Rund drei Jahre würde die Baumaßnahme in Anspruch nehmen.

Kritik der Bürger: Die Pläne für die Deichsanierung im Bereich Pechau wurden nach der Juniflut 2013 nicht überarbeitet. Neue Erkenntnisse und Berechnungen wurden nicht in die Pläne eingearbeitet.

"Bei dem Junihochwasser hat es sich um ein Extremhochwasser gehandelt, was alle 230 bis 250 Jahre auftritt, somit können wir von einer Planungssicherheit ausgehen. Wir werden die Senkungen im Deich verfüllen. Der Deich wird an keiner Stelle abgetragen", erwiderte der LHW-Mitarbeiter auf den Vorwurf.

Im Gespräch mit der Volksstimme erläuterte André Pasemann, dass der Umflutkanal im Bereich Pechau einem Wasserstand von 4,80 Meter standhalte. Ein Wert, der beim Junihochwasser nicht erreicht wurde. Derzeit orientiere sich der LHW an einem sogenannten Bemessungshochwasser von 2011. An diese Höhe haben die Verantwortlichen sich bautechnisch für Hochwasserschutzanlagen zu orientieren. "Die Berechnung eines neuen Bemessungshochwassers mit den Erkenntnissen von der Juniflut von 2013 würde über ein Jahr in Anspruch nehmen und würde die Sanierung des Deiches unnötig verzögern", berichtete André Pasemann.Der LHW-Mitarbeiter machte am Donnerstagabend aber auch deutlich, dass es keinen hundertprozentigen Hochwasserschutz gebe.Für die kommende Bautätigkeit soll ebenfalls ein Wegekonzept für den Transport von Bau- und Erdmaterial erstellt werden, welches explizit mit den Pechauer Ortschaftsräten abgestimmt werden soll.

Zur Sprache kam am Donnerstagabend auch der Bewuchs innerhalb des Umflutkanals. Besonders im Bereich Alte Fähre hätte sich mittlerweile eine Staumauer aus Büschen, Sträuchern und Bäumen gebildet, kritisierte Randaus Ortsbürgermeister Günther Kräuter. Doch dem LHW sind die Hände gebunden. Die Landschaft an dieser Stelle ist durch die Europäische Union als Fauna- und Florahabitat geschützt. Einfach die "Säge ansetzen und los" geht folglich nicht.

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