Magdeburg l Die Zahl, die Brandoberrat Armin Hilgers den versammelten Rothenseern am Mittwochabend nennt, ist beeindruckend. 12.000 BigBags sollen den Ort vor einer erneuten Überflutung schützen. Zum Vergleich: In der ganzen Stadt kamen im Juni 2013 "nur" 10.000 der jeweils 1000 Liter Sand fassenden Säcke zum Einsatz.

Außerdem werden eine halbe Million normaler Sandsäcke, größtenteils aufgeschichtet bis auf einen Meter, gebraucht, um die gut fünf Kilometer lange Hafenkante vor dem Überlaufen zu sichern - bei einem angenommenen Höchststand der Elbe von 7,80 Meter am Pegel Strombrücke. Dieser, gut 30 Zentimeter über dem historischen Stand aus dem vergangenen Jahr liegende Wert, ist Grundlage aller Pläne der Stadt, um sich für künftige Hochwasser zu wappnen.

Die sogenannten "operativen Mittel", also Sandsackwälle, sind fürs erste die Lösung für den Stadtteil, erklärte der Leiter des Katastrophenstabs, Holger Platz. Das bauliche Augenmerk der Stadt liegt zunächst auf dem Werder und Buckau, sagte er weiter, einfach weil es sich in Rothensee um eine ganz andere Dimension handele. In der Oststraße wird die geplante Schutzmauer zum Beispiel gerade einmal gut 870 Meter lang sein. "Es wird perspektivisch einen baulichen Hochwasserschutz in Rothensee geben", versicherte Platz aber.

Spundwand am Schleusenkanal


Dieser sieht nach aktuellen Vorstellungen vier Schwerpunkte vor. Zunächst soll es einen Deich, eine Spundwand oder eine Kombination aus beidem geben, die entlang des Schleusenkanals vom Herrenkrugsteg aus nach Norden bis zum Verbindungskanal verläuft. Zweitens soll der Schleusenkanal dauerhaft mit einem Damm abgesperrt werden, die Zufahrt in den Industriehafen erfolgt dann über den Zweigkanal. Dritter Punkt ist ein temporäres Sperrtor, das im Hochwasserfall vor die Niedrigwasserschleuse gesetzt wird. Als vierte Maßnahme soll schließlich der Trennungsdamm zurückgebaut werden.

Oberbürgermeister Lutz Trümper wurde schließlich konkreter, was den zeitlichen und finanziellen Rahmen betrifft. "Es wird in einem Zeitraum von drei bis vier Jahren gebaut werden", erklärte er. Zunächst sei u.a. ein Planfeststellungsverfahren notwendig. Außerdem müsse erst einmal geklärt werden, wer die nach Expertenschätzung bis zu 14 Millionen Euro dafür bezahlt. "Es ist eine gigantische Aufgabe", stellte er fest.

Deshalb ist zunächst eine speziell für Rothensee eingesetzte Arbeitsgruppe im Moment dabei, den notwendigen Schutz mit herkömmlichen Methoden abzusichern. Die eingangs erwähnten BigBags und Sandsäcke sowie technisches Gerät zum Befüllen und Verladen seien zum "Großteil bereits in der Beschaffung", erklärte Armin Hilgers. Bis zum Herbst soll außerdem auch genau geplant werden, wie und wo die Schutzwälle aufgeschüttet werden. Schließlich gebe es auch im Winter regelmäßig Hochwasser. Und: "Selbst wenn der Pegel nur bei 7,20 Meter liegt, würden wir so bauen", versicherte der OB.

Lokale Deichgrafen als Ansprechpartner


Auch aus den Fehlern und Versäumnissen des Hochwassers 2013 habe man gelernt. So wird man im Ernstfall diesmal auch auf der richtigen, elbnahen Seite des August-Bebel-Damms bauen. "Das sollte nie so geschehen", gab Hilgers zu. Mangelnde Ortskenntnis der Einsatzkräfte war ein Grund dafür. Deshalb sollen Hochwasserbeauftragte vor Ort, quasi lokale Deichgrafen, als Ansprechparter eingesetzt und ausgebildet werden. Zudem bekommt der Stadtteil mit seinem großen Industriegebiet eine eigene Technische Einsatzleitung.

OB Trümper hofft außerdem auf einen regen Erfahrungsaustausch mit der Stadt Köln. Bei einem kürzlichen Hochwasserforum in Bayern traf er den Leiter der dortigen Hochwasserschutzzentrale, Reinhard Vogt, und war von dessen Konzept schwer angetan. "Das ist ziemlich perfekt, was die da machen", sagte Trümper.

Nachfragen aus dem Publikum bezogen sich u.a. auf die Stromversorgung. Harald Strauß wollte wissen, ob diese im Ernstfall das nächste Mal gesichert sei. Dafür gebe es eine spezielle Arbeitsgruppe mit der SWM, in der genau diese Probleme besprochen werden.

Umspannwerk bleibt an Ort und Stelle


Der Fokus liegt natürlich auch auf dem Umspannwerk, das im Juni 2013 im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Ob es Überlegungen für eine Umsetzung gebe, lautete eine Anwohnerfrage. "Natürlich würde ich es heute dort nicht mehr bauen", antwortete Trümper. Doch die Frage nach einer Umsetzung stelle sich gar nicht, die Kosten wären enorm.

Die Sorge vor aufdrängendem Grundwasser, das seinerzeit die meisten Keller in der Ortslage unter Wasser gesetzt hatte, konnte er nicht beseitigen. "Das kann man durch keine Baumaßnahme verhindern", erklärte er. Dadurch, dass das Wasser aber nach den neuen Schutzmaßnahmen gut 200 Meter weiter weg sei, wäre der Druck aber geringer.