Stendal l Für die Experten ist es auch ein Jahr nach dem Deichbruch bei Fischbeck immer noch ein Rätsel, warum der Deich genau an der Stelle gebrochen ist. "Studien im Vorfeld des Hochwassers von 2013 hatten dort keine besondere Problematik gesehen", sagte Burkhard Henning gestern in Stendal bei einer Hochwasserkonferenz. Für den Leiter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) war der Fischbecker Deichbruch schlicht ein "technisches Versagen". Es handelte sich um einen unsanierten Altdeich, der dem historisch hohen Elbestand von 8,38 Metern nicht standhalten konnte.

Genau ein Jahr nach dem verheerenden Hochwasser, das den gesamten Elb-Havel-Winkel unter Wasser setzte, wird nun spätestens im September mit dem Neubau des Deichabschnitts bei Fischbeck begonnen. 15,2 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. An vier weiteren Stellen wird ostelbisch bereits gearbeitet.

Landrat Wulfänger äußerte in sehr offenen Worten Kritik an der Deichbaupolitik der vergangenen Jahre, die für den Flussbereich Genthin östlich der Elbe "einem Flickenteppich" geglichen habe. Auf einer Länge von 51Kilometern zwischen Fischbeck und Quitzöbel hätten sich die sanierten und unsanierten Deichstellen abgewechselt. Es habe letztlich zu viele kritische und weit auseinanderliegende Stellen für eine effektive Deichverteidigung gegeben, so Wulfänger, der die Hochwasserkonferenz auch in den kommenden Jahren jeweils am 10.Juni zur Bilanzierung ausrichten möchte.

Todesrate und Wegzugrate steigen in Schönhausen

Staatssekretärin Anne-Marie Keding (CDU) aus dem Landwirtschaftsministerium sagte gestern zu, dass bis 2020 alle Deiche im Landkreis Stendal saniert sein werden.

Eindringlich fiel die Bilanz von Bernd Witt, dem Verbandsgemeindebürgermeister aus Schönhausen, aus. "Das Ganze geht psychisch nicht spurlos an den Menschen vorbei", sagte er. Beratungen werden im Rathaus angeboten und "sehr gut angenommen". Die Todesrate im Ort habe sich verdoppelt und die Wegzugrate verdreifacht. Die benötigte Summe für Soforthilfen liege bei 45 Millionen Euro, rund 30Millionen Euro sind bewilligt.

Nach Angaben von Theo Struhkamp aus dem Wiederaufbaustab des Landes seien die Schäden in Sachsen-Anhalt 2013 "deutlich geringer" ausgefallen, als ursprünglich vermutet. Von den 2,7 Millionen Euro vom Bund werden voraussichtlich 1,5 bis zwei Millionen Euro in Anspruch genommen werden. Seiten 3 und 16