Magdeburg l Wenn alles fertig sei, könne man wie in einem Aquarium von innen nach außen schauen. "Sie könnten dem Wasser beim Steigen zusehen", sagt Monteur Christian Beer von der Firma Reitthaler. Das Unternehmen aus Siegsdorf in der Nähe von München hat sich auf Hochwasserschutz spezialisiert.

"Wasser kommt durch die Fenster nicht mehr rein", sagt Beer und verschließt die Acrylscheibe. Gemeinsam mit seinem Kollegen Marius Caraghios ist er in Magdeburg. Mit der patentierten Hausversiegelungsmethode habe das Unternehmen Erfahrung. "Wir machen das seit mehr als zehn Jahren", sagt er.

Schutz gegen Hochwasser selbst finanziert

Sieben Eingänge einer Wohnanlage an der Bleckenburgstraße im Magdeburger Süden werden derzeit von dem Spezialunternehmen hochwasserfest gemacht. Die 68 Eigentümer haben sich zu diesem Schritt entschlossen. Die ganze Aktion wird vom Verwalter, der Wohnungsgenossenschaft "Post und Energie", koordiniert.

Neben den Acryl-Scheiben vor den Kellerfenstern wird unter anderem auch eine mobile Abschottung vor den Hauseingängen angebracht. Dammplatten können bei Hochwasser - ähnlich wie beim Herrenkrug-Hotel - schnell und ohne großen Aufwand aufgestellt werden.

Um die sieben Eingänge wasserdicht zu bekommen, zahlen die 68 Eigentümer einen hohen fünfstelligen Betrag aus der eigenen Kasse. "Wir warten nicht auf die Stadt", sagt Lars Schwenker, Prokurist bei "Post und Energie". Weitere Wohnungsbesitzer an der Bleckenburgstraße haben bereits ähnliche Aktionen beschlossen. Die Wohnanlage war beim zurückliegenden Hochwasser besonders stark betroffen.

Finanzierung von Hochwasserschutzmauer unklar

In den von "Post und Energie" verwalteten Häusern war ein Millionenschaden entstanden. "Wir sind teilweise jetzt noch mit Reparaturarbeiten beschäftigt", sagt Schwenker. So standen etwa 18 Aufzüge unter Wasser und wurden beschädigt. Die Tiefgarage stand ebenfalls komplett unter Wasser.

Der Unmut der Anwohner richtet sich auch gegen die spärliche Informationspolitik der Stadt. "Wir müssen uns selbst helfen", sagt etwa ein Eigentümer, der namentlich aber nicht genannt werden möchte, der Volksstimme vor Ort. Eigentlich soll an der Bleckenburgstraße auf der Böschung des kleinen Baches Klinke eine Schutzmauer errichtet werden. Von dort drückte das Wasser beim zurückliegenden Hochwasser in die Anlage.

Während die Abstimmung seitens der Stadt für den Bau mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) bereits erfolgt ist, ist die Finanzierung noch unklar. Auch der Volksstimme konnte im Rathaus gestern niemand sagen, was der aktuelle Stand ist. Man befinde sich immer noch in Beratungen, heißt es aus der Fachabteilung.

Herrenkrughotel mit eigener Hochwasserabwehr

Die Eigentümer haben bereits vor Monaten signalisiert, dass man einen Teil des Grundstückes an die Stadt verkaufen würde, wenn das für die Errichtung der Hochwasserschutzmauer nötig sei. Der Wall grenzt direkt an das Grundstück. Nach Informationen der Volksstimme soll es nun ein Treffen von Baudezernat und Eigentümern geben. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Erst vergangene Woche hatte eine ähnliche Aktion für Schlagzeilen gesorgt. Als erstes Unternehmen hatte das Herrenkrug-Hotel eine eigene Hochwasser-Komplettlösung installiert. Das Hochwasser vom vergangenen Jahr hatte dem Haus einen Schaden von 15 Millionen Euro zugefügt. Dagegen war das Haus versichert. Damit sich das Hotel auch weiter gegen Hochwasser versichern kann, musste ein eigenes Schutzsystem entwickelt werden. Das Haus hat sich für ein mobiles Schutzwandsystem aus Spundwänden entschieden.

 

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