Jederitz l Zwischen dem neuen an Jederitz herangerückten Polderdeich - er steht kurz vor der Fertigstellung - und der Waldstraße sieht es bereits winterlich aus. Doch rührt die weiße Landschaft nicht vom Schnee her, sondern ist menschlichen Usprungs: Im Zuge der Profilierung des Mahlbusens neben dem alten Schöpfwerk wurde Weißkalk zur Stabilisierung des feuchten Erdreichs verwandt. Eine Maschine einer Berliner Firma mischt den Erdaushub in einem Becken mit Kalk, wodurch die Nässe entzogen wird - der weiche Boden wird dadurch erst bearbeitbar.

Doch kam es bei der Arbeit in der Vorwoche zu einer Havarie - ein Druckluftschlauch platzte und bescherte den in der Nähe wohnenden Jederitzern über Nacht einen weißen Niederschlag. Sozusagen eine vorfristige weiße Weihnacht.

"Ich wollte mit dem Auto früh zur Arbeit fahren, doch mit dem Scheibenwischer bekam ich die Schicht nicht ab", berichtete Anwohnerin Simone Bernhardt. Erst ihr Mann konnte ihr mit dem Einsatz von Badreiniger aus der Patsche helfen.

Allerdings: Nicht nur die Scheibe war mit einer Kalkschicht überzogen, sondern das komplette Leasing-Auto. In der Autowäsche ging der Dreck aber auch nicht ab, berichtete die Jederitzerin. Das könne nur mit einer aufwendigen Politur geschehen, wurde ihr gesagt. Doch wer wird das alles bezahlen?

"Mit dem Scheibenwischer bekam ich die Kalkschicht nicht ab." - Anwohnerin Simone Bernhardt

Auch ihre noch recht neuen Dachsteine, welche mit einer Glasur überzogen sind, sind nun komplett weiß. Ihre Keramikausstellung draußen ebenfalls.

Wie das Eigenheim von Simone Bernhardt sind auch die Häuser in der gesamten Waldstraße sowie das angrenzende Firmengelände von dem weißen Kalkschleier überzogen. Sogar auf den schwarzen Schieferziegeln haften weiße Flocken, ebenso auf überdachten Terrassen. Wintergärten, in denen man ansonsten den Himmel betrachten konnte, sind nun für solche Ausblicke undurchdringlich, Solaranlagen produzieren nur noch reduziert Energie.

Die Jederitzer hatten das Umweltamt und Ordnungsamt in Havelberg informiert, doch fühlte man sich dort nicht zuständig - die Umwelt war ja nicht geschädigt worden. Die Jederitzer fühlten sich von den Behörden im Stich gelassen, jeder muss sich selbst behelfen.

Vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz - er ist Bauherr der Deichrückverlegung bei Jederitz - war auf Nachfrage zu erfahren, dass die Verursacherfirma für solche Schäden eine Haftpflichtversicherung besitzt. Deren Mitarbeiter haben einige der verschmutzten Fahrzeuge auch schon gereinigt. Betroffene mögen sich an den Baubetrieb wenden, der noch vor Ort ist. Oder aber an den Landesbetrieb für Hochwasserschutz.

Die gute Nachricht zum Schluss: Ein Gutachter suchte in dieser Woche die Waldstraße auf, um die Schäden aufzunehmen.

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