Tangermünde l Mit Schrecken erinnert sich Christel Börsch an das Juni-Hochwasser vor zwei Jahren. "Das Betriebsgelände stand unter Wasser, wir mussten die 120 Mitarbeiter vier Wochen lang in Kurzarbeit schicken", erzählt die Geschäftsführerin der Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde (SET). Erst nach der Flut zeigte sich dann das ganze Ausmaß der Schäden. Die Böden der Werfthallen waren aufgeweicht, Kaianlagen beschädigt und die Slipanlage, mit der Schiffe zu Wasser gelassen werden, nicht mehr funktionstüchtig.

Die Schäden sind mittlerweile weitgehend behoben, das Unternehmen konnte für die Reparaturen auf drei Millionen Euro aus dem Aufbauhilfefonds des Landes zurückgreifen. An diesem Montag empfängt Christel Börsch deshalb auch Besuch aus Magdeburg. Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) und Manfred Maas, Chef der Investitionsbank, wollen sich ein Bild vor Ort machen. "Wir sind immer noch dabei, die Hallenböden zu sanieren", berichtet Börsch den Besuchern. Weil der Geschäftsbetrieb nach der Flut möglichst schnell wieder anlaufen sollte, seien die Sanierungsarbeiten meist parallel erledigt worden. "Etwa 70 Prozent der Arbeiten liegen hinter uns."

Unternehmen will Standort ausbauen

Möllring zeigt sich an diesem Tag zufrieden. "119 Millionen Euro wurden unbürokratisch und schnell für die heimischen Firmen ausgezahlt - das wäre ohne Unterstützung vom Bund und der EU nicht möglich gewesen", betont er. Termine wie dieser in Tangermünde tun dem zuletzt stark gescholtenen Minister gut, bei der Fluthilfe ist nichts schiefgelaufen, sie funktioniert. Das bestätigt auch die Industrie- und Handelskammer Magdeburg. "Den Unternehmen ist schnell geholfen worden, wir haben keine Klagen vernommen", erklärt ein IHK-Sprecher auf Volksstimme-Anfrage.

Bei der Werft in Tangermünde geht es inzwischen auch nicht mehr nur um die Beseitigung von Schäden, die Gesellschaft will ihre Hallen vergrößern, um mehr Platz für die Lagerung von Bauteilen und die Produktion zu haben.

Wirtschaftsminister Möllring geht davon aus, dass die Wirtschaft keinen nachhaltigen Schaden durch die Flut erlitten hat. "Einige Unternehmen mussten zwar Produktionsausfälle verkraften, aber grundsätzlich befindet sich die Wirtschaft auf Wachstumskurs." Die Investitionsbank hat insgesamt 7000 Hilfsanträge erhalten, 1500 von Unternehmen. 236 Millionen Euro hat sie bewilligt, davon 119 Millionen Euro für die Betriebe. Bis zum 30. Juni können Unternehmen, Kommunen, Vermieter und Mieter noch Anträge stellen.

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