Verschiedene Faktoren beeinflussen das Klima der Erde. Im sechsten Teil geht es um die Lage der Kontinente und Meeresströmungen.

Unsere Kontinente sind ständig in Bewegung. Sie liegen auf riesigen Platten und schwimmen wie Schollen auf einem zähfl üssigen Meer glühendheißer Magma. Das geht äußerst gemächlich vor sich – aber über die Jahrmillionen ändert sich das Bild unserer Erde beträchtlich. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind sichtbare Zeichen dieser Bewegungen.

Vor 150 Millionen Jahren etwa schmiegte sich Südamerika noch an Afrika und bildete zusammen mit Australien und der Antarktis den gigantischen Südkontinent Gondwana. In der damals eisfreien Antarktis wuchsen Wälder. Im Norden waren Europa, Nordamerika und Asien nahe beisammen. Europa erstreckte sich damals auf südlicheren Breiten als heute.

Das alles blieb nicht ohne Folgen für das Klima. Im Inneren einer riesigen Landmasse wie Gondwana herrschte ein extrem heißes und trockenes Kontinentalklima. Europa hingegen war subtropisch warm und feucht. Europa glich für lange Zeit einer Inselgruppe, die von fl achen Meeren umgeben war. Für das maritime Klima verantwortlich war damals noch nicht so sehr der Atlantik – der in jenen Zeiten erst allmählich von einem breiten Fluss zu einem Ozean heranwuchs. Klimabestimmender war damals das Tethysmeer : ein Urozean, der große Teile des Kontinents im Laufe der folgenden Jahrmillionen immer wieder überflutete. Die Salzlagerstätten bei Zielitz nördlich Magdeburgs oder die Kreidefelsen Rügens sind Zeugen jener Zeiten. Das heutige Mittelmeer, das Schwarze und das Kaspische Meer sind einige Überbleibsel des Tethys-Ozeans.

Entdecker der Kontinentaldrift ist der deutsche Forscher Alfred Wegener, der 1910 erste Vermutungen darüber anstellte und später diese wissenschaftlich untermauerte. Mittlerweile gibt es fundierte Zukunftszenarien. Derzeit kollidiert Afrika wegen seiner anhaltenden Norddrift mit Europa. Infolgedessen werden die Alpen weiter angehoben. Die Afrikadrift hält wahrscheinlich weiter an, so dass das Mittelmeer verschwindet – allerdings dauert das gut 50 Millionen Jahre.

Klimawirksam ist aber nicht allein die Lage eines Kontinents, sondern die ihn erreichende Meeresströmung. Diese Strömungen bestimmen in starkem Maße die Wärmeverteilung auf dem Globus und werden derzeit intensiv erforscht. Einige ihrer Wirkungen erleben wir in Europa Jahr für Jahr : Ginge es allein nach dem Breitengrad, hätten wir knackige Winter wie in Kanada. Nord- und Ostsee wären monatelang dick vereist. Dank des Atlantikstroms genießen wir jedoch mildernde Umstände. Die auch Golfstrom genannte Strömung transportiert einer Zentralheizung gleich beständig warmes Wasser aus der Sargassosee vor Floridas Küste bis an Europas Nordwestküsten. Damit Strömungen in Gang kommen, brauchen sie aber auch einen kalten Gegenspieler. Dr. Wilfried Jokat, Meeresforscher am Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven, erklärt : " Kaltes Tiefenwasser ist ein wichtiger Bestandteil des globalen Zirkulationssystems. " Den Rohstoff bezieht der Nordatlantikstrom aus der Grönlandsee. Diese ist – neben dem Weddellmeer in der Antarktis – eine der beiden großen Produzenten kalten Tiefenwassers.

Damit die Pumpe gut funktioniert, benötigt sie eine Senke, wie sie sich im Falle des Nordatlantikstroms vor gut 20 Millionen Jahren zwischen Grönland und Island auftat. Seitdem stürzt eiskaltes Wasser bis in Tiefen von mehr als 5000 Metern und zieht warmes Oberfl ächenwasser aus der weit entfernten Golfregion nach Norden. Begünstigt wurde die Zirkulation, nachdem sich Nord- und Südamerika vor etwa drei Millionen Jahren an der Nahtstelle des heutigen Panama verbunden hatten. Mittelamerika riegelt seitdem den mittleren Atlantik vom Pazifik ab, so dass warmes Golfwasser nicht mehr westwärts entweichen kann. Jokat meint, dass der Panama-Riegel wohl der letzte treibende Punkt für die Geburt des Golfstroms gewesen war. ( Der künstliche Panamakanal hat darauf keinen Einfluss. )

Wo es Barrieren gibt, existieren auch Tore, durch die Wasserstraßen führen und Meere miteinander verbinden. So die Straße von Gibraltar. Schlösse sie sich – wie einst geschehen – würde das Mittelmeer innerhalb einiger Jahrtausende verdunsten. Zurück bliebe eine Salzwüste.

Der Golfstrom war nicht immer stabil. In der letzten Kaltphase ( 10 000 bis 50 000 v. u. Z. ) änderte er vermutlich mehrfach seine Richtung und transportierte warmes Wasser nach Grönland. So erklären sich einige Klimaforscher die im arktischen Eis nachgewiesenen zwölf Temperatursprünge, die Grönland einst eisfreie, grüne Küsten brachten. In den 90 er Jahren spekulierten Forscher über ein Erlahmen des Golfstroms mit stark abkühlenden Folgen für Europa. Doch diese Annahmen wurden nicht bestätigt. " Für ein Versiegen gibt es derzeit keine Hinweise ", ist sich Meeresforscher Jokat mit vielen Klimatologen einig.