Trockenere Sommer, feuchtere Winter – das sehen Klimaforscher in den nächsten 100 Jahren auf Mitteldeutschland zukommen. Nehmen Ereignisse wie Sturm und Hochwasser zu, drohen im Verkehrsbereich gravierende Schäden. An den Folgen von Klimaveränderungen kann der Verkehr wenig ändern. Und auch auf die Ursachen hat er nur bedingt Einfl uss.

Magdeburg. So paradox es klingen mag : Der Verkehr wird im Winter teilweise vom Klimawandel profi tieren. Werden nämlich die frostigen Tage seltener, sinken die Einschränkungen durch Schnee und Eis.

Grund zur grenzenlosen Freude besteht dennoch nicht, wenn man die Folgen von Stürmen und Hochwässern betrachtet. So richtete das August-Hochwasser 2002 allein an Bundesund Landesstraßen in Sachsen-Anhalt Schäden von rund 150 Millionen Euro an.

Der Orkan " Kyrill ", der im Januar 2007 über Deutschland hinwegfegte, verschonte zwar weitgehend die Fahrbahnen. Er hinterließ jedoch in Sachsen-Anhalt Schäden an Ampeln, Schildern und Leitplanken, für deren Beseitigung die Straßenbauverwaltung nach eigenen Angaben rund eine Million Euro aufwenden musste.

Noch nicht eingerechnet sind Blech- und Glasschäden, die durch von " Kyrill " herumgewirbelte Gegenstände an Autos entstanden. Allein die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt verzeichneten knapp 400 solcher Schäden im Umfang von insgesamt 600 000 Euro. Laut Sprecher Wolfgang Kirkamm haben sich in jüngster Zeit ähnliche, aber regional beschränkte Ereignisse gehäuft, beispielsweise starke Hagelfälle 2006 im Süden Sachsen-Anhalts oder 2005 in Halberstadt. Kirkamm : " Wir rechnen damit, dass es so weitergeht. "

Auf ein anderes Extrem, sommerliche Hitzetage, stellt sich der Straßenbau in Sachsen-Anhalt bereits seit Jahren ein. Der Landesbetrieb Bau verwendet auf viel befahrenen Bundes- und Landesstraßen Asphaltbeläge, die durch härtere Bindemittel hitzeresistenter sind und durch helle Deckschichten die Sonnenstrahlen stärker reflektieren.

Die Deutsche Bahn sieht bisher keine Veranlassung, ihre Infrastruktur an etwaige Klimaveränderungen anzupassen. In Sachsen-Anhalt drohe beispielsweise keiner einzigen Bahnstrecke eine Gefahr durch Hochwasser. Selbstbewusst deklariert das Unternehmen : " Grundsätzlich ist die Bahn auch und gerade bei extremen Wetterlagen das sicherste Verkehrsmittel. " Allerdings setzte die Deutsche Bahn beim Orkan " Kyrill " erstmals ihren gesamten Zugverkehr aus. Das Unternehmen geht aber nicht davon aus, dass es in Zukunft häufi ger wetterbedingte Behinderungen gibt.

Wenig Angst vor Stürmen hat der Flugverkehr. Am Flughafen Leipzig-Halle hätten bei " Kyrill " fast alle Maschinen planmäßig abheben und landen können, berichtet Sprecher Uwe Schuhart. " Schnee und Eis sind viel eher unser Problem als Wind und Regen ", sagt er. Regenwasser laufe einfach von den Start- und Landebahnen ab, während Schnee beräumt werden müsse.

Zu viel Wasser – oder auch zu wenig – könnte hingegen ein Problem für die Schifffahrt werden. Sinkt beispielsweise der Pegelstand der Elbe in Magdeburg bei Niedrigwasser auf unter einen Meter oder steigt er bei Hochwasser auf über 5, 5 Meter an, ist es mit der Güterschifffahrt vorbei.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sieht auf die Elberegion häufi ger Niedrigwasser wie im Sommer 2003 und 2006 zukommen. Anders die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost in Magdeburg, die für die Bundeswasserstraßen in fast der gesamten ehemaligen DDR zuständig ist. Sie kann bislang keine Tendenz zu häufi gerem Niedrig- oder Hochwasser erkennen. An den Elbepegeln habe es schon immer extreme Schwankungen gegeben, sagt Dezernent Thomas Gabriel.

Niedrigwasser lässt sich seinen Angaben nach weitgehend durch Talsperrenvorräte in Tschechien ausgleichen. Deutschland habe mit dem Nachbarland eine Vereinbarung darüber, wie viel Wasser der Fluss mindestens mitführen muss.

Ob und wie sich ein Klimawandel auf die Wasserstraßen auswirkt, wird derzeit von der Bundesanstalt für Gewässerkunde untersucht. Nächstes Jahr sollen erste Ergebnisse der Studie vorliegen.

Alle Verkehrsbereiche haben Anteil an Klimaveränderungen, weil durch den Verbrauch von Energie Kohlendioxid ( CO 2 ) freigesetzt wird. In Sachsen-Anhalt trägt der Verkehr knapp ein Fünftel der CO 2 -Emissio nen, 87 Prozent davon allein der Straßenverkehr.

Gesetzliche Beschränkungen gibt es dafür noch nicht, aber das soll sich ändern. Die EUKommission will die Emissionen für Neufahrzeuge bis 2012 auf 130 Gramm CO 2 pro Kilometer beschränken. Das entspricht einem Verbrauch von 5 Litern Diesel beziehungsweise 5, 6 Litern Benzin auf 100 Kilometer.

Davon sind die europäischen Automobilhersteller noch ein ganzes Stück entfernt. Der Durchschnittswert ihrer Fahrzeugflotten beträgt zurzeit über 160 Gramm pro Kilometer – umgerechnet ein Verbrauch von rund 6 Litern Diesel oder knapp 7 Litern Benzin.

Ein geringerer Verbrauch lässt sich durch sparsamere Motoren und Kraftstoffe erreichen. Damit befasst sich unter anderem der Forschungsschwerpunkt " Automotive " der Universität Magdeburg. Der Motorenforscher Professor Helmut Tschöke sieht große Potenziale in leichteren Fahrzeugen mit kleineren Motoren. Die Effi zienz müsse darunter nicht leiden : Auch ein 1, 5-Liter-Motor könne durch Aufladung ( Erhöhung der Dichte der Ansaugluft ) eine hohe Leistung erzielen, so Tschöke. Für Stadtfahrten lohnt sich aus seiner Sicht zudem ein Hybridantrieb, der Verbrennungs- und Elektromotor koppelt.

Tschöke fordert ein Umdenken : " Wir müssen aufhören, die Leistung eines Fahrzeugs als oberste Prämisse zu sehen. Die jetzt erzielte Leistung reicht. "