Traditioneller Bestandteil der Volksstimme-Gala zur Ehrung der Magdeburger des Jahres ist der Jahresrückblick der Lokalredaktion. Mit einem Augenzwinkern blickt die Volksstimme auf Ereignisse des Jahres 2009 zurück. Nachfolgend Auszüge aus dem Jahresrückblick.

Ja, meine Damen und Herrn, so schnell geht das : 2010 ist schon zwölf Tage alt. In Zeiten von " Daisy " hat man schon fast vergessen, dass es auch ein Leben vor dieser Eiszeit gab.

Schauen wir aber noch einmal zurück, was in 302 Volksstimme-Ausgaben des Jahres 2009 zu lesen war. Erinnern Sie sich noch ?

Januar

Der Monat beginnt mit einem Paukenschlag. Magdeburg schert mal wieder aus der Reihe. In Sachen beliebtester Vorname gewinnt bei uns nicht wie anderswo Sophie, Marie oder Emma, sondern so was richtig Altmodisches, Altbackenes, Altdeutsches.

Na, fällt Ihnen der Vorname ein ? Ja, genau : E d i t h a. Die beherrscht die Schlagzeilen.

E d i t h a !!!

Wie sich das schon anhört ! Mit W a l d e m a r wie einst von Reporterlegende Heinz-Florian Oertel mal vorgeschlagen, hätte ich ja noch leben können. Aber E d i t h a ???

Na gut, sie muss ja nach ihrem Auftauchen im Dom noch viel größere Strapazen überstehen als einst der W a l d e - m a r mit dem Marathon.

E d i t h a muss nach Halle. Damit werden die sterblichen Überreste erst mal dahin geschafft, wo ihn die Magdeburger am liebsten sehen : in ihrer Partnerstadt.

Respekt, liebe Entscheidungsträger. Solch ein Feingefühl muss man erst einmal entwickeln.

Aber wir von der Lokalredaktion versprechen : Wir werden im Namen der Magdeburger zurückschlagen, und ich weiß auch schon wie :

Wenn bei den Tunnelarbeiten am Bahnhof die Gebeine von diesem Georg Friedrich – Sie wissen schon – diesem Händel, gefunden werden sollten, dann, ja dann werden wir uns ganz genau überlegen, wo wir den dann präsentieren werden.

Eine Idee hätte ich schon. Wir können ja von mir aus beim Präsentationsort Halle bleiben, also der Bahnhofs-Halle von Magdeburg natürlich.

Februar

Da sage noch einer, Beamte seien nicht bürgerfreundlich. Am 20. Februar liefern die Beamten den Beweis. Auf dem Magdeburger Ring bauen sie eine Blitzerfalle auf.

Was daran bürgerfreundlich ist ? Ganz einfach : Der Ring ist zu dieser Zeit wegen eines Verkehrsunfalls gesperrt.

Knapp drei Stunden fährt kein einziges Auto an den Blitzgeräten vorbei, während die Beamten im Auto warten.

Nur der Volksstimme-Reporter passiert in dieser Zeit zu Fuß die Blitzer-Stelle, bleibt aber zum Glück im Rahmen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit.

Wir danken dafür an dieser Stelle nachträglich noch einmal. Schließlich konnte das Blitzgerät in der Zeit nicht an anderer Stelle eingesetzt werden.

Für 2010 haben wir gleich noch ein paar weitere Vorschläge für Geschwindigkeitskontrollen : Wie wär\'s mit Blitzern im Allee-Center, im Nordabschnitt des Breiten Weges oder noch besser auf den Rathausfluren ? Da könnten die Beamten nebenbei Bummeln gehen oder Behördengänge erledigen und so Präsenz zeigen.

März

Meckerst du noch oder wählst du schon ? Die ersten Wahlplakate für die Kommunalwahl werden aufgehängt und bedienen sich bei ihren Botschaften auch bei Möbelhäusern.

Ob Sprüche wie diese letztendlich dafür gesorgt haben, dass immerhin oder nur 30 Prozent der Magdeburger den neuen Stadtrat wählen, bleibt offen.

Fakt aber ist : Ikea kam auch 2009 ( leider ) nicht nach Magdeburg ! Lag es am Ende doch am Wahlspruch : Meckerst du noch oder wählst du schon ?

April

Himmel-Herr-Gott-Nochmal : Da geht den Magdeburgern mal ein Licht auf und schon wird es wieder ausgeknipst. Die beliebten Himmelslaternen – diese selbstfliegenden papierenen Flugkörper – gewinnen in der Stadt immer mehr Freunde.

Nur nicht bei den Behörden. Die betätigen sich als Spaßbremsen und untersagen den Start der Laternen.

Aber wollen wir mal die Brandschützer nicht zu sehr verdammen : Ballonglühen gibts ja in Magdeburg trotzdem – immer – und zwar im August im Elbauenpark.

Mai

Summ-Summ-Summ .... Im Mai summt es hier nur so, dass einem die Ohren dröhnen. Magdeburg hat ja schon so einiges Tierisches in einer 1200-jährigen Geschichte erleben müssen : Robbe Trixi in der Elbe, zum Beispiel. Oder die Zwergmanguste Freddy, die aus dem Zoo ausbüxte.

Doch der Mai 2009 setzt noch eins drauf. Die Elbestadt erlebt ihre erste Moskito-Plage. Und die hat ausnahmsweise mal nichts mit der globalen Erwärmung zu tun.

Trotzdem summt es an Magdeburgs beliebtestem Treffpunkt : An der Ecke Breiter Weg / Reuterallee direkt vor McDonalds. Doch es handelt sich nicht um eine Insektenplage, sondern eine Art Lautsprecher, der mit einem Summton Jugendliche verscheuchen soll.

Als die Volksstimme darüber schreibt, ist der Lautsprecher plötzlich weg und keiner will es gewesen sein. Bis heute ist ungeklärt, wer genau den Lautsprecher dort anbrachte. Magdeburg macht trotzdem Schlagzeilen und führt einen neuen Begriff in die politische Landschaft ein. Bei uns heißt es nicht Lauschangriff, sondern ganz innovativ Hörangriff - Moskito sei Dank.

Juni

Mal eine Quizfrage für den bewanderten Magdeburger unter dem Motto heiteres Geräuscheraten : Also, genau hinhören : Was steckt hinter diesem Geräusch Ssst - aua. Nochmal : Ssst, aua ... - sst aua. Kein Schimmer ? Ganz einfach : Das sind drei Radfahrer, die die sanierte Hubbrücke im Handelshafen passieren und mal zufällig ans Geländer fassen.

Ssst - aua - heißt es dann, weil sich die Brücke elektrostatisch auflädt und sich beim Brückennutzer abreagiert.

Über die Stromschläge regt sich halb Magdeburg auf, zu Unrecht wie ich finde. Schließlich ist Magdeburg Stadt der erneuerbaren Energien.

Während andere noch auf Windräder, Wasserkraftwerke und Biogasanlagen setzen, sind wir schon mindestens zwei Stromschläge weiter als alle Grünen dieser Welt zusammen.

Wir bauen eine Brücke und speisen deren Strom über die Brückenpassanten ins Stromnetz.

Was dachten Sie denn, wie es die SWM immer wieder schaffen, den Strompreis moderat zu halten und trotzdem jährlich einen Millionenüberschuss zu erzielen ?

Juli

Magdeburg beweist in Sachen Mode Zeitgeist. Wer seine Beine mit einer zu langen Badehose verhüllt, darf nicht mehr ins Kommunale Freibad springen. Der Badehosenparagraf entfaltet seine Wirkung.

Begründung : Zu lange Badeshorts tragen ins Becken zu viel Schmutz. Und aus dem Becken wieder zu viel Wasser heraus.

Nur gut, dass der zuständige Beigeordnete Rüdiger Koch bei der Eröffnung der Freibadsaison mit einer kurzen Badehose ins Freibad Olvenstedt springt.

Er ist es schließlich auch, der die allzu strenge Auslegung kippt und den so genannten Badehosenparagraf rückgängig macht.

Danke, Herr Koch, dass der Paragraf dann doch nicht in die Hose ging.

August

Wenn das keine gute Nachricht ist, was dann ? Die Statistiker legen diese Zahlen vor :

In Magdeburg steigt die Geburtenrate um 10, 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Magdeburg ist damit Spitzenreiter in Sachsen-Anhalt.

OB Trümper schiebt das in einer Stellungnahme sofort auf die gute Kommunalpolitik unter seiner Führung.

Da kann ich nur zustimmen. Wer seit Jahren ab 20 Uhr die Springbrunnen versiegen lässt, den nächtlichen Straßenbahnverkehr ausdünnt und das Licht auf dem Ring ausschaltet, der zwingt die Magdeburger ja zu Hause zu bleiben und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Geniale Kommunalpolitik, Herr Trümper ! Was kommt als Nächstes ?

September

Mein lieber Otto ! Der Stadtrat entscheidet sich für die neue Dachmarke " Ottostadt Magdeburg ". Die einen sind Feuer und Flamme für Otto. Die anderen würden die Idee am besten mit dem gleichnamigen Versand sofort an den Absender zurückschicken. Was bleibt, ist die Stadtratsentscheidung und die Frage. Wird das Otto-Motto dem Motto Otto gerecht ? Oder passt das Otto-Motto zum Motto Otto wie Lotto Toto zu einem Otto-Foto mit Motto Otto - nämlich gar nicht ? Entscheiden Sie selbst !

Oktober

Mal herhören. Wer auf den Namen Heinrich hört und auch noch groß gewachsen ist, der sollte sich mal zu einem Styling-Berater begeben. So könnte er dem Schicksal entgehen, das ein Namensvetter erleiden muss.

Am 26. Oktober wird kurzer Prozess mit einem Langen Heinrich gemacht, weil der zu wenig auf sich selbst achtet. Der einst denkmalgeschützte Schlot auf dem SKET-Gelände wird gesprengt.

Also, wenn Ihnen mal einer sagt : Heinrich, mir graut vor dir - dann sollte Ihnen das zu denken geben.

November

Im November gibt es nur ein Thema : Schweinegrippe.

Kommt sie ?

Wenn ja, wie und wie schwer ?

Wer zählt zur Risikogruppe und : Wer sollte sich impfen lassen ?

Die Meldungen überschlagen sich. Das Impfverhalten danach überrascht nicht. Das Schweinegrippevirus hat mehr die Politik als die Bürger im Griff. Die streitet sich nun, wer für die Kosten der ungenutzten Impfdosen aufkommt.

Ich will ja lieber nicht fragen, wer sich von Ihnen hier im Saal hat impfen lassen. Schließlich sind auch Vertreter der Stadtverwaltung hier. Nicht, dass Sie noch ein Knöllchen wegen Impfmüdigkeit bekommen.

Angesichts des kommunalen Haushaltslochs würde ich das nicht mal ausschließen. Sie, Herr Trümper ?

Dezember

Wenn uns eines nicht im Stich lässt, dann sind es die Märchen, vor allem die russischen. Alljährlich schlagen wir, natürlich nicht böse, aber traditionell an dieser Stelle ein neues Kapitel auf. Und so soll es auch 2009 sein.

Der Inhalt des neuen Kapitels ist schnell zusammengefasst : Handlung siehe 2008, 2007, 2006, 2005, 2004 ... und so weiter und so fort.

Ja, oder besser nein, die russisch-orthodoxe Kirche ist auch 2009 nicht gebaut worden.

Gott sei Dank, kann ich nur sagen. Was hätte ich denn sonst ans Ende dieses Jahresrückblicks stellen sollen ?

Etwa : Die Kirche ist gebaut ? Das hätten Sie mir doch nun wirklich niemals geglaubt. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.

Und deshalb sage ich zum Schluss Ihnen hier im Saal, ganz besonders aber allen, die eine Kirche bauen wollen : Viel Glück, Gesundheit und ein erfolgreiches Jahr 2010.