Dass Mädchen und Frauen keinen " Sinn " für Naturwissenschaften und Technik haben, diese Aussage verbannt Manuela Kanneberg an die Stammtische des Neandertal-Denkens. Allerdings weiß sie auch, dass es immer noch Hemmschwellen für Mädchen gibt, einen technischen Beruf zu ergreifen. Dagegen kämpft die Diplomingenieurin beharrlich an. Und setzt sich dafür ein, dass Bildung allen Menschen so früh wie möglich zugänglich sein muss.

Magdeburg. Das Interesse für Technik und Naturwissenschaften wurde ihr in die sprichwörtliche Wiege gelegt. Der Vater ist Ingenieur, die Mutter Sekretärin an der Magdeburger Uni. Manuela Kanneberg wächst in einer Familie auf, in der sich die Begriffe Frau und Technik auf keinen Fall gegenseitig ausschließen. Und weil das so ist, liegt ihr die Förderung von Mädchen und Frauen besonders am Herzen. " Mädchen müssen die Wahl haben können, ob sie einen technischen Beruf ergreifen wollen oder nicht ", sagt Manuela Kanneberg. " Ob sie das später dann auch tun, ist ihre Entscheidung. " Gegenwärtig beobachtet Manuela Kanneberg, dass der Anteil an Studentinnen in den Studienbereichen für Informatik wieder zurückgeht. Woran das liegt ? " Möglicherweise ist immer noch zu wenig bekannt, was man mit einem Informatik-Studium alles machen kann. Wir müssen also versuchen, Informatik als etwas Positives zu vermitteln, auch und besonders für Mädchen. "

Das macht Manuela Kanneberg.

Sie selbst hat sich schon früh für Technik und Informatik interessiert. " Ich habe zum Beispiel in der Schule Morsen und das Löten von elektrischen Bauteilen gelernt. Es gab an unserer Schule ein Techniklabor. Das und Ähnliches hat mir später bei der Wahl eines Studiums insofern geholfen, dass ich keine Angst vor Technik hatte. " Nach dem Abitur studiert Manuela Kanneberg in Rostock Technische Kybernetik und Automatisierungstechnik. Übrigens ihr einziger längerer Lebensabschnitt außerhalb der " Mauern " von Magdeburg. Natürlich sei sie ein richtiges Magdeburger Kind. " Ich lebe gerne hier. " Nach dem Studium arbeitet Manuela Kanneberg als Diplomingenieurin in der Messgeräteentwicklung, natürlich in Magdeburg. Die Wende 1989 bedeutet auch für sie Umbruch und Neuorientierung. Plötzlich brechen die Aufträge weg, ihr Betrieb wird privatisiert und muss versuchen, sich auf dem Markt zu behaupten. " Das war schon sehr schwierig, aber ich habe für mich gedacht, dass man diese Herausforderung annehmen und etwas daraus machen muss. " Das tut Manuela Kanneberg und macht sich fit auf dem neuen Feld der Informatik und der Automatisierungstechnik. Zwischenzeitlich verheiratet, kommt 1992 Tochter Christel auf die Welt. Erneut ein Lebenseinschnitt, den die Magdeburgerin meistert. Sie bewirbt sich an der Otto-von-Guericke-Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Maschinenbau und bekommt die ausgeschriebene Stelle. 2000 wechselt sie dann zur Informatik-Fakultät, wo sie zurzeit als Systemtechnikerin arbeitet.

Und dorthin, in die Informatikwissenschaft und -technik, versucht Manuela Kanneberg mit viel Engagement junge Menschen, vornehmlich Mädchen und Frauen " zu locken ". Sie betreut Schüler aller Klassenstufen, Praktikanten und Auszubildende, veranstaltet Workshops und Schnuppertage an der Fakultät, entwickelt Förderkurse für Hochbegabte und richtet Informatik-Kurse speziell für Mädchen und Frauen ein. (" Wenn Mädchen und Frauen unter sich bleiben und sich mit Informatik beschäftigen, klappt das besser, wenn Jungen oder Männer nicht dabei sind. ") Die Informatik-Ingenieurin veranstaltet Tage der offenen Tür an der Fakultät und ist bei der Ausarbeitung von speziellem Lehrmaterial mit dabei.

Und dann leitet sie noch Kinder und Jugendliche an, mit Lego-Steinen zu spielen. Natürlich auf sehr hohem Niveau. Beim First-Lego-League-Roboterwettbewerb geht es darum, computergestützte Automaten zu konstruieren und zu bauen, die ganz bestimmte Aufgaben selbstständig erledigen können. Für die Kinder und Jugendlichen eine hoch spannende Angelegenheit. Die Schülergruppen von Manuela Kanneberg nehmen regelmäßig an nationalen und internationalen Wettbewerben teil. Ganz ähnlich auch die RoboCupJunior-Wettbewerbe, die Manuela Kanneberg zusammen mit vielen Mitstreitern organisiert. Mit diesen Wettbewerben rührt die Informatik-Fachfrau auch sehr erfolgreich die Werbetrommel für den Wissenschaftsstandort Magdeburg.

Da Manuela Kanneberg zum Beispiel auch Mitglied im Vorstand des Magdeburger Vereins der Ingenieure ( VDI ) ist, stellt sich die Frage nach dem Grund für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement : Kann sie, wenn es um zu vergebende Arbeit geht, nur einfach nicht " nein " sagen ? " Das manchmal auch. Ich werde oft gefragt, ob ich für irgendeine Sache die Organisation übernehmen möchte. Aber es geht auch darum, wenn ich selbst etwas leite, kann ich mitbestimmen und Dinge bewegen. "

Und gibt es noch " ein Leben neben der Informatik " für Manuela Kanneberg ? " Natürlich, meine Familie ", sagt sie sofort. Und die Musik. " Man braucht einen Ausgleich. " Vor ein paar Jahren hat die Ingenieurin angefangen, Klavier zu spielen und Unterricht dafür zu nehmen. Auch spielt sie in einer Band des Telemann-Konservatoriums mit. Und engagiert sich dort, wen wundert’s, im Förderverein der Musikschule und setzt sich auch an dieser Stelle für Kinder und Jugendliche ein. " Bildung ist mit das Wertvollste, was wir unseren Kindern mitgeben können. Bildung muss für alle zugänglich sein und das möglichst früh im Leben ", plädiert Manuela Kanneberg dafür, dass eine Gesellschaft so viel Kraft und Geld in die Bildung investiert wie möglich. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement leistet die Ingenieurin in ihrem Job an der Uni und privat in Magdeburg einen großen Beitrag dazu.