Eric Schulz und Mathias Gutzeit sind zwei ganz normale " Magdeburger Jungs " und haben nach ihrer Meinung auch nichts Besonderes getan. Die Leser der Volksstimme sehen dies allerdings anders und nominierten sie als Kandidaten zum Magdeburger des Jahres 2009. Der 22-jährige Koch und der 27-jährige Kellner haben im März dieses Jahres couragiert einen mit einem Messer bewaffneten Räuber in die Flucht geschlagen, der gerade einen 86-jährigen Rentner, der auf dem Boden lag, zusammenschlug. Durch das Einschreiten überlebte der Senior, trotz schwerer Verletzungen.

Altstadt. Dem 86-jährigen Rentner Heinrich Potstada geht es inzwischen wieder gut. Er befindet sich zwar wieder im Krankenhaus, jedoch hat sein Aufenthalt dort nichts mit dem Überfall in der Nacht zum 1. März dieses Jahres zu tun.

Damals allerdings sah die Sache ganz anders aus. Die Liste der schweren Verletzungen war lang : Schädelhirntrauma, Abriss der Armsehne und eine schwere Beckenprellung. Ein wochenlanger Aufenthalt in der Klinik folgte. Zum Glück sind die Wunden wieder weitestgehend verheilt. " Mit dem Arm muss ich noch ein wenig vorsichtig sein ", erklärt der Rentner. Doch niemand weiß, was passiert wäre, wenn die beiden jungen Männer nicht in den Überfall eingegriffen hätten.

Heinrich Potstada : " Mein Sohn hat sich schon bei den beiden jungen Männern mit einem kleinen Blumenstrauß bedankt. Ich möchte mich aber noch mit einem großen Strauß persönlich bei ihnen bedanken. "

Was war an jenem 1. März geschehen ?

Es ist 3. 10 Uhr und im " Alex " am Ulrichplatz herrscht noch Betrieb. Eine Mitarbeiterin feiert ihren Geburtstag und der Kellner Mathias Gutzeit sitzt privat mit am Tisch. Er hat an diesem Tag frei. Die Runde ist gut gelaunt, auch weil das eine oder andere Glas Sekt zur fortgeschrittenen Stunde geleert wurde. Der Kellner Eric Schulz hat gerade seine Schicht beendet und geht vor die Tür.

Zeitgleich verlässt der Rentner Heinrich Potstada die " Spielbank " und will den Heimweg antreten. Was er nicht bemerkt, ist, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits von einem Räuber ins Visier genommen wird.

Eric Schulz sieht, wie eine dunkle Gestalt auf den Senior zugeht. Den heftigen Wortwechsel kann der 22-jährige Magdeburger nicht verstehen. Er steht von beiden zu weit entfernt. Dann greift der Unbekannte den Rentner unvermittelt an. Er schlägt ihn zu Boden. Dort tritt der Mann immer wieder auf den Senior ein. " In diesem Moment denkt man nicht nach, was passieren könnte. Ich bin einfach dorthin gelaufen, um zu helfen ", erklärt Eric Schulz.

Als er jedoch fast an den Räuber heran gekommen ist, streckt dieser ihm ein Messer entgegen. " Ich steche dich ab, brüllte er mir drohend entgegen ", erinnert sich der 22-Jährige. Er bleibt stehen und ruft einem weiteren vor der Tür rauchenden Kollegen zu : " Der hat ein Messer ! Ich brauche Hilfe !"

Der Kollege läuft in den Gastraum und berichtet vom Überfall vor der Tür, dass Eric Schulz in Schwierigkeiten ist und er mit einem Messer angegriffen wurde.

Blitzschnell läuft der Kellner Mathias Gutzeit vor die Tür und eilt seinem Kollegen zu Hilfe. Der Täter hat sich in der Zwischenzeit wieder über den Senior gebeugt und durchwühlt seine Taschen. Als dann plötzlich beide jungen Männer auf den Angreifer zulaufen und seine Drohgebärden keine weitere Wirkung bei ihnen zeigen, tritt der Mann die Flucht an. " Ich habe gleich den Mann untersucht, ob er durch einen Messerstich verletzt worden ist, weil ich durch ein Missverständnis in dem Durcheinander dachte, er hätte bereits ein Messer im Hals ", erinnert sich der Kellner Mathias Gutzeit. Der 86-Jährige erinnert sich an die Situation so : " Der junge Mann ( Räuber ) sprach mich bereits in der Spielbank an und sah, dass ich am Automaten gewonnen habe. Ich habe nicht so recht verstanden, was er sagte. Draußen, als ich auf mein Taxi gewartet habe, griff er mich plötzlich an. Der schrie immer wieder im gebrochenen Deutsch, Wo du Geld ?" Was der Angreifer nicht wissen konnte : Die Geldbörse befand sich in der Gesäßtasche von Heinrich Potstada. Der Täter aber suchte alle Jackentaschen ab, während er immer wieder zuschlug. Er flüchtete ohne Beute – rund 400 Euro befanden sich im Portemonnaie. " Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn die beiden jungen Männer nicht gekommen wären ", sagt Heinrich Potstada heute.

Auch Eric Schulz möchte sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn der Angreifer mit dem Messer auf ihn losgegangen wäre. " Doch daran denkt man in dem Augenblick nicht ", sagt er.

Der 22-Jährige hat seinen Beruf in der " Buttergasse " gelernt und kam bereits im August 2008 in das Restaurant " Alex ". Für Hobbys oder eine Freundin habe er noch keine Zeit gefunden, aber mit seinem Freundeskreis ist er gerne mal unterwegs. Ab 1. April 2010 wird es für Eric Schulz eine Veränderung in seinem Leben geben. Seine Kochmütze wird er an den Nagel hängen und gegen eine Uniform der Bundeswehr tauschen. Als Artilleriebeobachtungs-Unteroffizier hat er sich für acht Jahre verpflichtet.

Reiner Zufall ist es übrigens, dass auch der Kellner Mathias Gutzeit in die gleiche Schule – die Goetheschule – wie sein Kollege Schulz ging. " Da ich 27 Jahre alt bin, sind wir uns aber damals nicht wissentlich über den Weg gelaufen ", erklärt der Kellner, der eigentlich gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann ist. Als Seiteneinsteiger kam er im Juli 2004 in das Restaurant und arbeitete sich als Schichtleiter hoch.

Doch auch Mathias Gutzeit hat noch einen anderen Weg vor. Er macht zurzeit einen Abschluss zum Staatlich geprüften Kommunikationswirt und will sich ab 2011 einen Arbeitsplatz in einem großen Unternehmen suchen. Bis dahin werde er aushilfsweise weiter kellnern.

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