Jahrzehnte Magdeburger Rockgeschichte holte Holger Drews im Sommer auf eine Bühne. In Privatinitiative ließ er den legendären Musikklub " Impro " bei einem Festival wieder aufleben und damit die große Musikzeit der Stadt. Rund 60 Musiker aus dem ganzen Land holte er zusammen zu einer Veranstaltung, wie es sie zuvor in dieser Art deutschlandweit noch nicht gegeben hat.

Magdeburg. Was Rang und Namen hatte in der Magdeburger Musikszene seit den 60 er Jahren hat Holger Drews zusammengetrommelt. Jene, die auch national bis ( mindestens ) in die 80 er erfolgreich waren. Dabei kannte er die meisten nur vom Hörensagen. Denn die große Zeit des Café Impro, die hat der junge Mann nicht live erlebt. Er ist Jahrgang 1972 und war bis zur Schließung des legendären Musikklubs zu jung für einen Besuch. Doch ältere Magdeburger hörte er immer wieder davon reden und vor allem schwärmen. Eine tolle Zeit war das damals, hieß es immer wieder.

Als großer Fan von hiesiger Rockmusik wünschte sich Holger Drews, einmal die Zeit zurückdrehen zu können und mit dabei zu sein, wenn im Impro die Kellergeister auftreten, die Klosterbrüder, Primaner und wie sie alle heißen, die Magdeburg als " Heimat bester Rockmusik " Jahrzehnte lang berühmt machten.

Als im vorigen Jahr zur Weihnachtszeit dann Holger Drews das Buch " Kalt & Heiß – Almanach der Magdeburger Rockszene " erhielt, entschloss er sich, den Traum wahr werden zu lassen. Innerhalb von vier Wochen stand das Konzept und die erste Band unter Vertrag. Das Pferd wurde sozusagen von hinten aufgezäumt, die " Lords " als Abschlussband engagiert. Von den Magdeburgern, so erzählt Drews später, hätte er niemanden als abschließenden Höhepunkt einsetzen wollen. Denn : " Alle Bands sind für mich gleichwertig, jede war zu ihrer Zeit eine Ikone !", begründet er.

Zur Seite stand ihm " Charlies Crew ", insbesondere Hannes Andratschke wusste Kontakte zu Musikern der Szene.

Bis Ende März hatte der Freizeitkünstler zehn Bands zusammen für sein Rockprogramm. Überall verstreut sind die einstigen Magdeburger mittlerweile, was das Unterfangen nicht einfach machte. Im ganzen Land recherchierte Holger Drews, arbeitete sich durch Archive, durchforstete das Internet. Am weitesten zerstreut waren die Klosterbrüder, sagt er – er holte sie aus Köln, Göttingen, Berlin.

Nicht alle Musiker waren ihm mit offenen Armen entgegengekommen, erinnert er sich. " Was willst du, wie willst du das anstellen ?", wurde er immer wieder gefragt. Größter Skeptiker sei Matze ( Jörg ) Blankenburg ( Klosterbrüder / Reform ) gewesen. Wie Drews so was Großes logistisch schaffen wolle, fragte er. Doch dazu hatte der 37-Jährige seinen Schulfreund David Rompe mit ins Boot geholt, der ein Logistikunternehmen führt.

Insgesamt standen ihm viele Freunde bei der Vorbereitung zur Seite, betont Drews. Ohne sie und vor allem seine Familie ( Ehefrau Jana und die Töchter Virginia & Angelina ) hätte er das Projekt nicht durchziehen können. " Wir haben daraus ein Familienunternehmen gemacht ", sagt er lächelnd.

Der studierte Maschinenbauer arbeitet in einem Speditionsunternehmen und sorgt privat gern bei Feiern für Musik und Unterhaltung. Konzerte organisiert hatte er bisher ein paar kleinere, für Charlies Crew (" mehr als Freund denn als Veranstalter "), Oldie-Nights im " Ratswaage ", Silvester im USPlay, Sommerfeste am Barleber See. Aber ein Festival dieses Ausmaßes war für ihn neu.

Um so stolzer ist er, dass das Vorhaben so gut gelungen ist. Um die 3500 Fans waren am 12. September auf die Elbwiese zum Rockfest gekommen. " Magdeburger Woodstock " nannten das einige der Gäste und Dietrich Kessler ( Klosterbrüder / Magdeburg ) " ganz großes Kino ". Auch " Respekt für deinen Wahnsinn ", zählt Drews zu den Komplimenten, die er nach " Impro im Stadtpark " von Musikern wie Publikum erhalten hat.

Zehn Bands auf einer Bühne, fast 60 Künstler. Der Aufwand, die Organisation, die Kosten – kann sich so ein Unterfangen überhaupt rechnen, noch dazu von einem " Freizeitveranstalter "? Holger Drews lächelt bei dieser Frage. Es hat sich gelohnt, sagt er, " mein Herz ist jetzt übervoll ". Zu erleben, wie viel Spaß die Leute an diesem Abend hatten, sei für ihn unbeschreiblich. Holger Drews hat nicht nur sich einen Traum erfüllt, sondern auch vielen Musikfreunden der Stadt, hat der Generation der Über-40-Jährigen eine musikalische Zeitreise in ihre Jugend ermöglicht. " Das ist mein Geschenk für Magdeburg. "

Wie überregional Stadt und Rockfest ins Gespräch gekommen waren, merkte er kürzlich beim Künstlertreff in Berlin. Er wurde als Veranstalter vorgestellt und interviewt, es gab Beifall und Anerkennung. Er fühlte sich wie ein Botschafter der Magdeburger Rockmusik. Und genau das liegt ihm am Herzen : Zu zeigen, was Magdeburger können, welche Potenziale es gibt und welches Können seit Jahrzehnten die Stadt ausmacht.