Vor acht Jahren initiierte Prof. Wolfram Neumann, Direktor der Orthopädischen Uniklinik, die Aktion " Aktive Solidarität " – eine späte Wiedergutmachung für Opfer des NS-Regimes. In 80 Kliniken wurden seither mehr als 350 ehemalige Zwangsarbeiter oder deren Kinder behandelt. Die 65-jährige Jozefa Pilichowska aus Polen gehört dazu.

Leipziger Straße ( ksu / kt ). Seit über zwei Jahren fällt Jozefa Pilichowska das Laufen immer schwerer. Doch nun ist die Hoffnung der polnischen Rentnerin groß, dass die ständigen Schmerzen ein Ende haben. Vor kurzem wurden ihr in der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg zwei neue Kniegelenke implantiert. Klinikdirektor Prof. Dr. Wolfram Neumann ist zufrieden mit den gesundheitlichen Fortschritten, die seine Patientin seit der Operation macht. Jozefa Pilichowska kann es immer noch nicht glauben : " Ich hatte große Angst, aber ein noch größeres Vertrauen in die Ärzte und Schwestern, die mich hier so fürsorglich betreuen ". Und auch, dass ihr Mariola, die älteste der drei Töchter während ihres Aufenthaltes in Magdeburg zur Seite steht, empfindet sie als sehr wohltuend.

Über die Stiftung " Polnisch-Deutsche Aussöhnung " erfuhr die Rentnerin aus dem kleinen Ort Jankow in der Nähe von Breslau vor etwa einem Jahr, dass es das Projekt " Aktive Solidarität – Orthopädische Operationen für NS-Opfer aus Osteuropa " gibt. Die Aktion unterstützt Betroffene und zunehmend auch die während des Krieges geborenen Kinder ehemaliger Zwangsarbeiter.

Die heute 65-jährige Jozefa Pilichowska gehört zu dieser Generation. Ursprünglich stammte ihre Familie aus dem Kreis Kielce in Mittelpolen. 1942 wurden die Eltern mit ihren beiden kleinen Kindern dann nach Jankow zwangsumgesiedelt. Dort wurde Jozefa im Februar 1944 auf dem Gutshof geboren, auf dem ihre Eltern bis zum Kriegsende für Deutsche arbeiten mussten. An die deutsche Familie denkt die Polin jedoch nicht im Zorn : " Sie haben sich uns gegenüber sehr anständig verhalten. "

Nach dem Krieg ist sie mit ihren Eltern und Geschwistern in dem Ort geblieben und hat später in der Landwirtschaft gearbeitet. Heute hat die verwitwete Rentnerin noch einen Garten, wo sie für den Eigenbedarf Gemüse anbaut. Sie freut sich schon sehr darauf, dass ihr dies mit den beiden neuen Kniegelenken nun hoffentlich wieder leichter fallen wird.

Prof. Wolfram Neumann hat die Aktion " Aktive Solidarität " bundesweit 2001 initiiert. Seither implantierte er gemeinsam mit seinem Ärzteteam Menschen, größtenteils aus Polen, aber auch aus der Ukraine und Weißrussland, die unter Verschleißerkrankungen leiden, neue Knieoder Hüftgelenke. 2004 wählten die Volksstimme-Leser Neumann für sein Engagement zum " Magdeburger des Jahres ". Insgesamt wurden in mehr als 80 deutschen und österreichischen Kliniken, die sich inzwischen an der Initiative beteiligen, bereits mehr als 350 Patienten operiert.

Bis vor einem Jahr wurde das Projekt von der Bundesstiftung " Erinnerung, Verantwortung und Zukunft " finanziell unterstützt. Die Implantate werden zwar von der Industrie gespendet und Ärzte und Schwestern arbeiten bei den Operationen ohne Bezahlung, " aber es entstehen auch Nebenkosten, die beglichen werden müssen ", betont Prof. Neumann.

In Sachsen-Anhalt haben daher Unternehmer und Politiker, darunter Landtagspräsident Dieter Steinecke und Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre, im vergangenen Jahr einen Verein gegründet, um weiterhin Menschen operieren zu können. Der Verein organisiert die Behandlungen und trägt Fahrt- und Begleitkosten. " Solange wir etwas zu einer Wiedergutmachung beitragen können, indem wir bedürftigen Menschen helfen, werden wir diese Aktion weiterführen ", so Neumann.

Für Jozefa Pilichowska geht der Aufenthalt in Magdeburg zu Ende. Zehn Tage nach der OP kann sie selbstständig laufend wieder die Heimreise antreten.

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