Magdeburg l Geschickt balancieren die beiden Gürtelvaris über die Äste ihres Baumes. Sie zeigen kaum Scheu vor dem erfahrenen Zootierpfleger Thomas Rolle, der sie in ihrem neuen Zuhause besucht und mit Bananenscheibchen und Apfelstücken lockt. So was zieht immer.

Die kleinen Kletterkünstler, seltene und vom Aussterben bedrohte Halbäffchen aus Madagaskar in Afrika, sind eigentlich so gar nicht das Spezialgebiet von Zoopfleger Rolle, denn er ist der Mann für die ganz großen Tiere im Magdeburger Zoo. Seit fast 30 Jahren kümmert sich der Spezialtierpfleger um das Wohl der Elefanten - zurzeit sind es die Dickhäuter Mwana und Birma. Ein Besuch bei den Lemuren, echte Minis im Vergleich zu den Elefanten, steht für Rolle dennoch regelmäßig an. Und das aus gutem Grund.

Der 48-Jährige, seit 2006 Chef vom Zoo-Förderverein, und seine Mitstreiter haben das nagelneue Halbaffenhaus überhaupt erst möglich gemacht. Im Oktober 2014 bekamen die zwei Gürtelvaris, zwei Rotstirnmakis sowie fünf Kattas im neu erbauten Madagaskar-Revier eine neue Heimat. Der Förderverein um Thomas Rolle sammelte dafür jahrelang das Geld. 120.000 Euro, die gesamten Baukosten also, trugen sie aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammen. Es sollte das größte eigenfinanzierte Projekt des Zoo-Fördervereins werden.

Punktgenau, zum 20. Vereinsgeburtstag, konnte 2014 das neue Zuhause für die Lemuren im Zoo gebaut werden. Auf einer 800 Quadratmeter großen Anlage können die neuen Lieblinge des Zoos nun ausgiebig klettern und toben. "Dass das mit Hilfe all der Spender und unserer Vereinsmitglieder geklappt hat, macht mich stolz und glücklich", so Rolle, der einen starken Verein hinter sich weiß. Unter seiner Leitung wuchs die Gemeinschaft der Zooförderer von damals ca. 150 Mitglieder auf inzwischen 820. "Wir müssen unseren Mitgliedern etwas bieten", lautet Rolles Motto.

Sonderführungen, Ausflüge, regelmäßige Treffen u.v.a. machen den Verein für Zoofreunde attraktiv. Darum kümmert sich Rolle intensiv und mit wachsender Freude. Und der Verein gibt viel zurück. Das Madagaskar-Revier war das bislang größte Geschenk der Förderer an "ihren" Magdeburger Zoo, doch beileibe nicht das einzige. Geldgaben in weitere moderne Anlagen etwa für die weißen Löwen, die Papageien, Luchse und Tapire gehen ebenfalls auf das Konto von Thomas Rolle und seinem Verein. "Wir wollen, dass die Besucher zufrieden und voller Erlebnisse wieder nach Hause gehen", sagt der Vereinschef.

Erlebniswerte zu schaffen, sei somit ein Ziel, "an dem wir weiter arbeiten müssen", sagt Rolle, der zugleich im Aufsichtsrat des Zoos sitzt und sowohl hier als auch im Verein seine Meinung vertritt. Gerade heraus und nicht immer zum Gefallen seiner Chefs. Als ihn vor knapp zehn Jahren Elefantendame Arusha attackierte und leicht verletzte, in der Folge auch die beiden Elefanten Birma und Mwana abgegeben werden sollten, protestierte Rolle öffentlich und mit Erfolg. Dafür fing er sich eine Abmahnung ein, was Rolle bis heute nicht davon abhält, in der Sache zu streiten, wenn es um das Wohl der Tiere geht.

Und die Tierliebe sitzt tief. "Sie steckt in meinen Genen", erklärt Rolle lächelnd. Der Opa hatte in Niegripp einen Bauernhof, hielt Schafe und allerlei anderes Getier. Jeden Monat ging\'s mit der Familie zu Besuch in den Magdeburger Zoo. "Schon als Kind habe ich mich darin verliebt", verrät Rolle, der in Magdeburg geboren und in Westerhüsen an der Elbe groß geworden ist. Seine frühe Liebe wurde zum Beruf und zur Berufung. Weit über die Arbeit als Zootierpfleger hinaus beflügelt das auch sein Engagement im Ehrenamt. Dem Zooförderverein und dem Zoo hat das nur gut getan.