Romuald Schmidt im Kurzporträt

Alter/ Familienstand/ Kinder
59 Jahre/ ledig/ 3 Kinder

Beruf/ Tätigkeit
Taxifahrer

Hier kann man mich treffen
Im Taxi, häufig am Stand vorm Hauptbahnhof

An Magdeburg mag ich,
dass es so hell und freundlich geworden ist.

Wenn ich mir für Magdeburg etwas wünschen könnte
Ich würde mich freuen, wenn der 1. FC Magdeburg in die 3. Liga aufsteigt. Schön wäre auch, wenn sich in Magdeburg irgendwann die Baustellensituation entspannen würde.

Mein persönlicher Wunschtraum
Dass ich gesund alt werde.

Das sagen andere über ihn
"Romuald ist durch und durch Taxifahrer und ein richtig guter Kumpel-Typ", Falko Döring, Taxifahrer. "Ich freue mich, dass die von Herrn Schmidt gezeigte Zivilcourage mit einer Aufstellung zur Wahl des Magdeburgers des Jahres gewürdigt wird und wünsche ihm, dass möglichst viele Bürger für ihn stimmen", sagt der Polizeipräsident der PD Nord, Andreas Schomaker.

Magdeburg l Romuald Schmidt sitzt in seinem Taxi und schiebt eine CD ins Autoradio. The Temptations mit "Law of the lands". Schmidt - den Freunde bei seinem Spitznamen "Rommy" rufen - dreht die Anlage lauter. Er nickt mit dem Kopf zum Takt und trommelt mit den Fingern auf dem Lenkrad. "Das ist Musik, die ich höre, wenn ich von einer langen Fahrt zurückkomme und allein im Auto bin", sagt er.

Allein im Auto saß Schmidt auch Anfang März dieses Jahres an einem Taxistand an der Halberstädter Straße und wartete auf Kundschaft. Hinter seinem Steuer beobachtete er folgende Szene: Ein Streifenpolizist kontrolliert ein Auto, das auf einem Behindertenparkplatz steht. Als der Beamte den Strafzettel ausstellt, erscheint der Autobesitzer. Es kommt zum Wortgefecht. Der 53-jährige Parksünder steigt wütend in sein Auto, setzt zurück, obwohl der Polizist hinter dem Pkw steht. Der Beamte kann sich nur durch einen Sprung zur Seite retten. Trotzdem wird er am Knie getroffen. Beim Losfahren macht der Autofahrer noch einen Schwenk, erwischt den Polizisten wieder, dieses Mal mit dem Außenspiegel. Der Polizist bleibt verletzt am Boden liegen.

All das beobachtet Schmidt aus etwa 60 Metern Entfernung. "Das sah aus wie eine Filmszene. Ich habe erst gar nicht richtig verstanden, was da eigentlich passiert ist", erinnert er sich.

Der Mann gibt Gas und fährt davon. "Kurioserweise hat er an einer roten Ampel gehalten. Das war meine Chance. Da musste ich handeln", sagt Schmidt. Er steigt also aus seinem Taxi, rennt zum Auto des Flüchtenden, reißt die Beifahrertür auf und zieht den Schlüssel aus der Zündung. "Ich hab in dem Moment nicht nachgedacht. Ich habe es einfach getan", sagt Schmidt heute.

Die Polizei stellt bei dem 53-jährigen Magdeburger Verkehrsrowdy einen Atemalkoholwert von 0,6 Promille fest. Der Polizist wird bei der Auto-Attacke zwar am Bein verletzt, kann aber nach ein paar Tagen seinen Dienst wieder antreten. Humpelnd bedankt er sich noch am Tattag bei Taxifahrer Schmidt.

"Ich fahre jetzt seit 1980 Taxi in dieser Stadt, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt Schmidt. Der 59-Jährige musste allerdings selbst schon erfahren, wie wichtig Zivilcourage im Alltag sein kann. Schmidt wurde einmal, als er in der zweiten Reihe parkend einem Rollstuhlfahrer aus dem Auto half, von einem anderen Autofahrer massiv bedrängt. Der Mann stieg, vermutlich weil er warten musste, sogar aus und würgte Schmidt. Keiner half damals. Nur eine junge Frau sprang dem Taxifahrer später zur Seite. Es gab ein Gerichtsverfahren. Der Mann verlor seinen Führerschein. "So etwas ist für uns der ganz normale Wahnsinn", sagt Schmidt.

Ihm gehe es da wie vielen seiner Kollegen. "Ich bin gerne Taxifahrer. Ich mag diese Stadt. Aber der Ton ist rauer geworden", sagt er. Wiederholt wurden in den vergangenen Jahren Taxifahrer in Magdeburg attackiert (Volksstimme berichtete). Die ganze Debatte gipfelte nach einem lebensgefährlichen Angriff auf einen Fahrer schließlich in den Plänen, die Fahrzeuge mit Videotechnik auszurüsten. Das scheiterte aber wiederum an Bedenken des Datenschutzbeauftragten.

Romuald Schmidt ist alleinfahrender Unternehmer. "Ich bin mein eigener Chef", sagt er. Seine Schicht beginnt 6.30 Uhr und dauert in der Regel bis 18 Uhr, von montags bis samstags. Somit lernt er ganz unterschiedliche Menschen kennen - von der Oma im Altersheim bis zum Jugendlichen aus der Disko. "Ist ein bisschen wie beim Friseur. Man ist als Taxifahrer auch ein kleiner Psychologe", sagt Schmidt und lacht.

Manchmal gibt es aber auch zufällige Begegnungen, die selbst ihn, den erfahrenen Taxifahrer, überraschen und sprachlos zurücklassen. So stieg etwa einmal ein Herr in Schmidts Auto, als er am Hauptbahnhof auf Kundschaft wartete. Tür auf, Gepäck rein, Motor starten. Als der Gast sagte, wo er hin will, habe er sofort die Stimme erkannt. "Mensch, Sie sind doch der Pathologe aus Münster", sagt Schmidt. Auf dem Beifahrersitz im Taxi saß Tatort-Star Jan Josef Liefers, der einen Auftritt in Magdeburg hatte. "So etwas erlebt man als Fahrer in Magdeburg. Das ist doch klasse, oder?", fragt Schmidt und dreht beim nächsten Lied von den Temptations das Radio ein Stück lauter und fängt wieder an, mit den Fingern auf dem Lenkrad zu trommeln. "Wissen Sie", sagt Romuald Schmidt, kurz bevor er weiter muss, "ich würde wieder so handeln."