Es ist allgemein bekannt und meist werden daraus Legenden gestrickt: Wichtige Entdeckungen waren nicht selten Zufallstreffer. Es hätte sie darüber hinaus vielleicht nie gegeben, wenn nicht gerade der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen wäre.

Der zunächst geheimnisvoll erscheinende Hohlraum beim Fußgängerbrückenbau am Schleinufer hätte so durchaus mit Beton verfüllt werden können. Denn immerhin lag hier einst die Bastion Cleve. Das mit dem Beton hätte jedenfalls so sein können. Wenn damals die Brückenplanung übers Schlein-ufer nicht ausgerechnet in Eckhart Peters‘ Verantwortungsbereich gelegen hätte. Gemeinsam mit Baustellen-Ingenieuren ging er persönlich der Sache nach. Beim "Nachbuddeln" wurde ein Gang entdeckt, der sich offenbar weiter in den Untergrund schlängelte.

In Peters, der in seiner "Sturm- und Drangzeit" auch fünf Jahre lang in der Türkei und im Iran Forschungsgrabungen an berühmten Orten ausführte, erwachte der archäologische Spürsinn. Nein, um gleich klarzustellen, herausgekommen ist nicht ein zweites Troja. Aber Peters erkundete den Schacht, es waren u. a. Teile der Kanonengänge, wie sich später herausstellte, ganz einfach selbst. Auch mal auf allen vieren ...

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort ...

Wie gesagt, wenn nicht der richtige Mann am richtigen Ort gewesen wäre, der sich zudem in der Festungsgeschichte Magdeburgs auskennt, dann wäre ein bedeutsames Stück Historie "zum Anfassen" vielleicht zugeschüttet, den Magdeburgern ein grandioses Ausflugsziel innerhalb ihrer Stadt verschlossen geblieben. Und immerhin: Dass dort noch ein Turm existiert (heute begehbar) – das war schon etwas Neues. Peters hatte für sein Ausgrabungsbegehren nicht nur Freunde – wie für mehrere Projekte unter seiner Ägide. Vielleicht waren auch manche Pläne in seiner frühen Magdeburger Zeit etwas der Realität voraus. Also, Tempo 30 auf einer Magistrale wie der Lübecker Straße – nein, damit löste er bei den Elbestädtern wenig Freude aus. Obwohl er eigentlich so das Geschäftsleben hatte ankurbeln wollen.

Es gab Experten, die haben die Fußgängerbrücke übers Schleinufer zum neuen Elbbahnhof als überflüssig empfunden. Von anderen wurde sie wegen ihrer eher sparsamen Architektur gescholten, von Außenstehenden. Aber Magdeburg ist nicht München – zumindest was die Finanzen betrifft.

Noch andere haben das Hundertwasserhaus verteufelt, das er wiederum vehement beförderte. Die meisten Magdeburger halten die Grüne Zitadelle für ein großes Geschenk. Die Tourismuswirtschaft dankt es gleichfalls. Viele haben auch das Gebäude Nord/LB und das Allee-Center ins Herz geschlossen. Die Möllenvogtei ist ein Kleinod geworden, das Klosterumfeld historisch angepasst. Die Nachgestaltung des Ottonischen Doms vor der Kathedrale, die Guckfenster in die Vergangenheit auf der Straße nebenan – auch dies zählt zum vielgestaltigen Erbe von Eckhart Peters.

Eine ganze Reihe von dem, wofür er mit seinem Wirken den Grundstein gelegt hat, berührt weiter und mitunter völlig unbemerkt den Alltag der Magdeburger. Zwischen 1993 und 2008 hat der heute 67-Jährige, der nach seinen archäologischen Zwischenspielen später im Landkreis Hannover wirkte, die städteplanerischen Geschicke Magdeburgs gelenkt.

Der Zufall und die Besessenheit

Direkt ins Herz vieler Elbestädter geplant hat sich dabei der promovierte Architekt heute wohl wegen seiner Liebe zur Vielfalt in städtischer Architektur. Und speziell wegen seines Hangs zu historischen Verknüpfungen. Überall, wo man in Magdeburger Erde den Spaten hineinsticht, stößt man auf Geschichte. Es wäre geradezu strafbar, das nicht ins Kalkül zu ziehen, sagt er. Er handelte danach. Apropos: Der Zufall der (Wieder-)Entdeckung der Bastion ist dabei die eine Seite.

Seine fast an Besessenheit grenzende Beharrlichkeit, auch diesen Schatz zu heben, auch die erforderlichen Fördergelder einzuwerben und andere zu überzeugen, gab den Ausschlag, dass immer mehr Teile der Festung zum Vorschein kamen. Das Sudenburger Tor folgt, gleichfalls von ihm und seinem Team angeschoben.

Als Peters 2008 in Pension ging, begann sich das Ensemble mit Möllenvogteigarten, Haus der Romanik und gotischer Dom zu einem Tourismusmagnet zu entwickeln. 2010 schließlich wurde der komplett umgestaltete Fürstenwallpark mit der ausgegrabenen Bastion Cleve endgültig seiner Bestimmung übergeben.

Neben der Elbuferpromenade/Fürstenwall hatte Peters die Federführung im Sanierungsgebiet Buckau. Und für alles engagierte er sich beleibe nicht allein während seiner Dienstzeit. Eckhart Peters war in zahllosen Bürgerversammlungen in allen Stadtteilen anzutreffen. Er schrieb in seiner Freizeit gemeinsam mit seinen Kollegen über 100 Bücher und Broschüren über Magdeburg.

IBA, Orient und Elbbahnhof

Familiär ist er tief verwurzelt mit der Stadt. Eckhart Peters nennt sich selbst "Magdeburger aus Leidenschaft". Die Stadt hatte er 1954, in seiner Kindheit, letztmals gesehen: Dunkler Himmel, weiter Blick vom Bahnhof bis zur Elbe, bedrückende Trümmerberge, erinnert er sich. Das war bei einem Besuch bei der Großmutter. Schon vorher, 1950, waren Vater und Mutter, deren Vorfahren in Magdeburg wirkten, nach Westberlin gegangen – die Chancen seines Vaters (ein Kunstschullehrer) seien gegen null gegangen ...

Magdeburg im Original sah Peters erst nach der Wende wieder. Die Wiederbegegnung 1991 festigte den Entschluss, in die Stadt seiner Vorfahren zurückzukehren. Es habe ihn fasziniert, was die Magdeburger an Willen aufgebracht hatten, die völlig zerstörte Innenstadt wiederaufzubauen. Aber noch vieles war zu tun, wusste er auch. Ab 1993 widmete er sich dieser Aufgabe. Vollendet ist das auch heute nicht in Gänze. Magdeburg erinnert in wenigen Tagen wieder daran, was am 16. Januar 1945 geschah. Das, was der Krieg innerhalb einer halben Stunde auslöschte, konnte in über einem halben Jahrhundert noch nicht zurückgebracht werden.

Kein Geringerer als Alt-OB und Ehrenbürger Willi Polte hatte in den 90er Jahren den aufstrebenden Fachmann in Hannover losgeeist. Peters, diplomierter Architekt, Promotion übrigens zum Thema "Ländliche Architektur im vorderen Orient", hatte zwischenzeitlich auch noch ein Studium Städteplanung absolviert. Der Mann kannte sich aus, wusste zum Beispiel, wie ein Flächennutzungsplan erstellt werden musste. Magdeburg stand ja verwaltungstechnisch noch am Anfang.

Die IBA 2010 war mit dem Motto "Leben mit und an der Elbe" für Magdeburg eine Chance. Für ihn und sein Team war es eine ebenso große Herausforderung. "Wir haben sie beim Schopfe gepackt", sagte Eckhart Peters. Das neue Wohnquartier Elbbahnhof (künftig 600 Bewohner) zum Beispiel mit dem Stadtplatz, den Kunstwerken und dem Elbbalkon ist in aller Munde.

Maßgeblich ist sein Anteil an der Gestaltung des IBA-Pfades mit 44 Objekten, und Peters gilt auch als Erfinder des IBA-Shops. Eckhart Peters hat die IBA 2010 zwar mit Herzblut vorbereitet. Aber wie das Leben so spielt – vor der Ernte beendete er seine berufliche Laufbahn. Als Pensionär blieb er dem IBA-Shop und der Ausstellungsgestaltung, oft aus eigenem Fundus, treu. Unzählige Stunden gingen auch hierbei vom Freizeit-Fonds ab.

Für Magdeburg bleibt er weiter aktiv – so im Kuratorium Ulrichskirche. Das Bauwerk würde er gern in seiner Stadt sehen. Den Tunnel Ernst-Reuter-Allee eher weniger, gesteht er. Andere sehen ihn als Chance an. Peters gilt als Mann mit eigenen Ansichten.

Er hofft jedoch noch immer auf ein nicht minder umstrittenes Projekt: Peters wünscht sich einen autofreien Boulevard zwischen Ulrichshaus und Allee-Center. Und möglichst überdacht – als Magdeburgs Mitte. Die nämlich sei insgesamt noch nicht das, was sie sein könnte und sollte, meint er nicht nur in Hinblick auf den Blauen Bock.

Morgen: Janin Niele, Platz 3 bei der Wahl zum Magdeburger des Jahres 2010