Magdeburg l "Laufen kann jeder. Schuhe anziehen und los geht es", sagt Joachim Engelhardt über den Sport, der sein Leben prägt. Nicht selten wird der Name des gebürtigen Thüringers mit dem Zusatz "Urgestein" genannt. Seit mehr als drei Jahrzehnten macht er sich als Funktionär in Kommissionen des Landes, als Leiter der Abteilung Leichtathletik / Laufgruppe des HSV Medizin Magdeburg, als Trainer, als Organisator des Hopfengartenpokallaufes und als Mitbegründer der Magdeburger Stadtrangliste für seinen Sport stark. Und als aktiver Läufer. Seine Rolle auf den Punkt zu bringen, fällt schwer. "Ich bin ein Enthusiast", sagt er schmunzelnd.

1970 zieht er von Gommern, wo er nach einem Studium in Freiberg (Sachsen) in einer Forschungsabteilung eine Stelle antritt, nach Magdeburg. Zwei Jahre später schließt er sich dem damals als HSG Medizin bekannten Verein an. Mit der Idee im Kopf, Lauffreunden eine Möglichkeit des sportlichen Vergleichs anzubieten, organisiert Engelhardt 1980 erstmals den Hopfengartenpokallauf mit.

Laufen ist da noch von der Massenbewegung weit entfernt, die es heute ist. Bei der Premiere finden sich gerade einmal 16 Läufer ein. "Aber der lange Atem hat sich gelohnt", freut sich Engelhardt. Bei der 35. Ausgabe im Juni dieses Jahres gehen erstmals über 800 Teilnehmer an den Start - noch nie waren so viele Vereins- und Freizeitläufer aus Magdeburg und Umgebung beim Stadtteillauf dabei. "Die Anfangszeit kann man auch als Steinzeit bezeichnen. Gleichgesinnte zu erreichen, war unwahrscheinlich schwer. Heute haben Veranstalter mit Hilfe des Internets ganz andere Möglichkeiten, Läufer zu mobilisieren", so Engelhardt, der seit 25 Jahren Chef des Laufes ist.

Dieser "Steinzeit" ist er bis heute ein Stück treu geblieben: Noch immer erfasst er Statistiken per Hand in einem der vielen Ordner, die sich im heimischen Arbeitszimmer stapeln. Dass Laufen keine Frage des Alters ist, zeigt er in der Gruppe der Seniorenleichtathleten, die sich in 35 Jahren 259 Landesmeistertitel sichert und bei Welt- und Europameisterschaften vordere Plätze erläuft. "Erfolgreicher war wohl keine andere Gruppe", so Engelhardt, der fördert und fordert. Interesse bei Kindern und Jugendlichen für den Sport zu wecken, sei ihm wichtig. "Sie sind unsere Zukunft. Die Knirpse beim Kinderlauf starten zu sehen, ist eine wahre Freude." Als Funktionär kämpft er gegen die sogenannte Startpassregelung, die in der Vergangenheit für Vereinsläufer als Zulassung zu Wertungen in regionalen Ranglisten eingeführt werden sollte und derzeit wieder ein Thema ist: "Nicht mit mir!" Mit Überzeugung geht auch der Organisator in ihm vor: Sponsoren ansprechen, unzählige Anfragen beantworten, Helfer finden, Laufhefte erstellen, Umkleideräume organisieren, Medaillen und Urkunden vorbereiten, Versorgung sichern sind nur die Spitze dessen, was vor einem Lauf erledigt werden will. Der Umfang nimmt zu, je größer das Teilnehmerfeld wird. Ihm falle es schwer, Aufgaben abzugeben, gibt er zu. Zu groß sei sein Tatendrang, jede Menge Herzblut in ihm. "Nach dem Lauf im Hopfengarten bin ich nur noch platt. Das ist anstrengender als selbst zu laufen", sagt er lächelnd.

Genauso entschlossen ist der Sportler Joachim Engelhardt, der für seine Läufe auch mal eine Operation verschiebt, unzählige Trainingseinheiten einlegt. Die Liste der Erfolge ist schier endlos. U.a. findet er sich in 22 Jahren im Landescup wieder - erreicht jeweils locker die Mindestzahl der zu dieser Liga zählenden Läufe. Besonders stolz sei er darauf, "alle 37 Harz-Gebirgsläufe mitgemacht zu haben". Dies ist nicht der einzige Rekord. "Das war für meine Familie nicht immer einfach, weil sich vieles um meinen Laufkalender gedreht hat", weiß er. Auch heute noch ist der Senior an den meisten Wochenenden im Einsatz. Denn: "Es gibt nichts Schöneres für Läufer, als mit anderen an den Start zu gehen und die Stimmung aufzusaugen. Der Begeisterung auf und neben den Strecken kann man sich nicht entziehen. Jeder ist Teil des Ganzen, schnell kommt man untereinander in Kontakt. Da spielt es keine Rolle, welchen Beruf man hat oder wie alt man ist."

Dies gilt auch für die Magdeburger Stadtrangliste, in der die acht Volksläufe der Stadt vereint sind. Diese Laufliga aus den 1980er Jahren erlebt vor sieben Jahren eine Wiedergeburt. Damals wie heute ist Joachim Engelhardt eine zentrale Figur. Geehrt wird jeder Magdeburger, der es auf mindestens vier Starts bringt, so das Prinzip. "Damit soll jedem, ob im Verein oder als Freizeitläufer aktiv, ein Anreiz gegeben werden, sich an den Läufen zu probieren", so Engelhardt. Und das tun die Läufer. 4700 Starts bei den acht Läufen stehen generationenübergreifend 2013 zu Buche. Wieder ein Rekord, der in diesem Jahr überboten wird.