Magdeburg l Die Tage werden länger, die Abende milder. Die Grillzeit naht. Und mit ihr leckere Würstchen und saftige Steaks. Die haben ordentlich Fett in sich, klar, sonst würden sie ja auch nicht schmecken. Und was gibt es Besseres nach einem reichhaltigen Schmaus als einen Verdauungsschnaps. Der hilft. Sagt ja schon der Name: Mit dem "Kurzen" wird das Fett gut verdaut. Haben wir jedenfalls lange gedacht.

Stimmt aber nicht. Die Wahrheit ist bitter und ernüchternd. Bier und Schnaps fressen kein Fett. Bier und Schnaps machen fett. Unser Körper verwandelt Alkohol in Acetat, das wiederum die Produktion von Triglyceriden ankurbelt. Dieser schwer auszusprechende Stoff ist nichts anderes als: FETT.

Alkohol steigert Blutfettwerte

Dieser Sachverhalt entspringt nicht einer spaßbremsenden Glaubenslehre, sondern wissenschaftlicher Erkenntnis. Der Vorgang wurde hundertfach gemessen. "Nach Alkoholgenuss steigen sofort die Fettwerte in Blut und Leber an", sagt Dr. Katrin Borucki, Ärztin für Fettstoffwechsel an der Uni Magdeburg.

"Der Verdauungsschnaps landet direkt an der Hüfte", pflichtet Ernährungsberater und Apotheker Hans Gerlach bei. Also: Das Schnäpschen danach ist in etwa so, als würden wir uns nach der Grillwurst noch ein Sahnetörtchen genehmigen - so zur besseren Verdauung.

Alkohol hat vier fiese Eigenschaften

Wir merken: Alkohol ist zwar gelegentlich ein Sanitäter. Er ist aber vor allem eines: Abnehmtöter. Daher raten Ernährungsberater, mal für einige Wochen selbst aufs geliebte Abend-Bierchen zu verzichten, wenn die Pfunde purzeln sollen. Abnehmen und Alkohol - das ist wie Feuer und Wasser. Dies liegt an diesen vier fiesen Eigenschaften:

 

    1. Alkohol ist sehr energiehaltig. In jedem Gramm stecken 7 Kilokalorien. Damit rangiert er nach Fett (9 kcal/g) auf Rang zwei und landet deutlich vor Zucker und Eiweißen (je 4 kcal/g).

 

    1. Unser Körper kann Alkohol nicht speichern. Das bedeutet: Alkohol hat beim Stoffwechsel immer Vorrang. Während er verdaut wird, gelangen die anderen Treibstoffe (Fett, Kohlenhydrate) nun bevorzugt in den Tank. Fett kommt in die Fettzellen; Zucker wird als Glykogen in Leber und anderen Zellen gespeichert.

 

    1. Alkohol macht Appetit. Normalerweise setzt die Leber Energie aus ihrem Tank frei. Alkohol hemmt diesen Prozess. Die Folge: Heißhunger.

 

    1. Alkohol ist wie fett essen - wie oben erklärt.

 


Bedenkt man die physiologische Wirkung beliebter Drinks wie Caipi oder Rum-Cola, so kann einem schon etwas schwummrig werden. In denen steckt ja nicht nur Alkohol, sondern auch eine Menge Zucker. Der süße Stoff lässt den Insulinspiegel im Blut hochschießen. Ist das der Fall, stellt unser Körper auf den Speichermodus um, und die Fettverbrennung wird erschwert oder gar blockiert. Und nun kommt der Alkohol dazu, der auch noch die Fettproduktion in der Leber anwirft.

Kleine Sünde ohne Strafe

Müssen wir nun abstinent leben? Nein. Der Tritt auf die Alkoholbremse gilt für die Phase des Abnehmens. "Haben Sie das Wunschgewicht erreicht, ist gegen einen maßvollen Alkoholkonsum nichts einzuwenden", meint Ernährungswissenschaftler Ronald Biemann von der Uniklinik Magdeburg. Im Gegenteil: Dem Tröpfchen wird bei Erwachsenen sogar eine gute Wirkung zugeschrieben.

Die empfohlene Obergrenze liegt für Frauen bei 12 Gramm, für Männer bei 24 Gramm. Pro Tag, versteht sich. Das hieße: ein kleines Glas Bier für sie und zwei für ihn. Oder ein Glas Rotwein für sie und zwei für ihn. In diesen kleinen Mengen gilt Alkohol als risikoarm; er kann sogar helfen, bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Allerdings erhöht er immer den Blutdruck. (Mehr dazu im Deutschen Ärzteblatt; www.aerzteblatt.de/archiv/23208)

Bei aller Strenge in den Tagen des Abnehmens: Auch hier keine Regel ohne Ausnahme. Sollten Sie zu einer Geburtstagsfeier eingeladen sein, müssen Sie nicht mit einem Glas Magermilch anstoßen und das Büffet verschmähen. Das wäre nicht nur unhöflich, sondern auch töricht. Denn: Eine kleine Sünde wird in diesem Fall nicht sofort bestraft. Vielmehr sind es die tagtäglichen, schlechten Gewohnheiten, die uns dick machen. Ernährungsberater Hans Gerlach rät: "Wenn Sie schon mal sündigen, dann richtig."

Sofern Sie nicht dreimal in der Woche feiern, passiert nichts Schlimmes. Kehren Sie aber schon am Tag nach der Sause auf den Pfad der Tugend zurück. Das heißt:

 

    • Zucker so sparsam wie ein Gewürz verwenden.

 

    • Viel Gemüse und Vollkornprodukte essen.

 

    • Täglich mindestens 1,5 Liter trinken. Am besten Wasser.

 

    • Mehr bewegen.

 


Wenn Sie die Regeln intus haben, können Sie stolz auf sich sein. Und dürfen darauf ruhig mal ein Gläschen trinken. Sie werden nicht wieder rund.

Bilder