Ambulante Pflegedienste: Wie findet man einen geeigneten Anbieter?

Auf dem Markt gibt es eine Fülle von Anbietern ambulanter Pflegeleistungen. Am besten ist es, vor Abschluss eines Vertrages mehrere Anbieter zu vergleichen.

Dazu sollten vorab folgende Fragen geklärt werden:

1. Hat der Pflegedienst eine Zulassung? Nur zugelassene Dienste dürfen ihre Leistungen bei der Pfl egekasse abrechnen.

2. Bietet der Pflegedienst vor Vertragsabschluss einen kostenlosen Hausbesuch an, bei dem beide Seiten alle Fragen detailliert erörtern können?

3. Ist der Pflegedienst beim ersten Kontakt bereit, Sie umfassend zu informieren und stellt er auch Unterlagen zur Verfügung?

4. Sind Leistungsangebot und Preise übersichtlich und wird deutlich, welche Leistungen die Pflegekasse übernimmt?

5. Liegt der Pflegedienst in Ihrer Nähe?

6. Lässt sich das Angebot des Pflegedienstes mit Ihren individuellen Gewohnheiten und Bedürfnissen vereinbaren?

7. Ist der Pflegedienst rund um die Uhr und auch nachts und an den Wochenenden erreichbar?

8. Können Sie möglichst von derselben Person bzw. Pflegeteam betreut werden?

9. Erstellt der Pflegedienst mit Ihnen und Ihren Angehörigen eine gemeinsame Pflegeplanung?

10. Gibt es eine Pflegedokumentation, die Sie jederzeit einsehen können?

11. Hilft der Dienst Ihren Angehörigen mit einer Pflegeanleitung und Tipps?

Quelle: www. aok/sa/Pflege

Magdeburg. Im Alter ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause führen, das wünschen sich die meisten Menschen. Die Alternative zum Heim ist die Pflege durch Angehörige oder professionelle Pfleger. In Sachsen-Anhalt bieten über 530 ambulante Pflegedienste ihre Hilfen an. Die Volksstimme begleitete den Krankenpfl eger Nico Günther-Gottschalg vom ambulanten Pflegedienst der Malteser in Magdeburg an einem ganz normalen Tag.

5.40 Uhr: Vorbesprechung im Büro des Malteser-Pflegedienstes in der Magdeburger Morgenstraße. Schwester Ludmilla, stellvertretende Pflegedienstleiterin, weist die Frühschicht auf Besonderheiten hin: Bei Frau F. ist der Blutdruck zu kontrollieren, für Frau W. liegt noch ein Rezept beim Arzt. Die 50 Pflegebedürftigen, die von den 13 Maltesern betreut werden, wohnen in unmittelbarer Nähe – in der Seniorenresidenz "Am Vogelsang". Eine kleine, gemütliche Wohnanlage im Norden der Landeshauptstadt mit 213 seniorengerechten Wohnungen.

Der 1999 gegründete ambulante Pflegedienst ist einer von bundesweit 32 des unter dem Dach der Caritas agierenden Wohlfahrtsverbandes. Vom Büro bis in die Wohnung der Senioren ist es nur ein Katzensprung. Jeder weiß an diesem Morgen, was zu tun ist. Noch schnell umgezogen und ein Griff zu den Umhängetaschen der Malteser, und schon geht es los.

Kurz nach 6 Uhr: Pfleger Nico Günther-Gottschalg schließt die Wohnung von Christa Z. auf. Die Pfleger verfügen – mit Einverständnis der Pfl egebedürftigen – über einen Schlüssel zu den Wohnungen. Er bringt der schwer kranken Frau, die unter anderem von Rheuma und Parkinson geplagt ist und das Gehen für sie eine große Kraftanstrengung bedeutet, die Zeitung mit hinauf. Die 79-Jährige ist schon im Bad, Nico unterstützt die zierliche Frau bei der Morgentoilette, begleitet sie aufs Sofa, zu dem sie nur noch mit dem Rollator kommt, und behandelt dort die Wunden am Bein. Die dünne Haut wird mit medizinischen Salben eingecremt, zur besseren Durchblutung legt der Pfl eger Kompressionsbinden an. Jedes Detail seines Dienstes am Patienten notiert der Pfleger. Bevor Nico, so wird er von den Senioren genannt, das Frühstück bereitet, hilft er Christa Z. beim Anziehen: Jede Bewegung, jeder kleine Handgriff kostet Christa Z. eine immense Kraft. Dennoch sagt sie: "In ein Heim will ich nicht. So lange es noch geht, bleibe ich hier", erzählt sie. Für die Schmerzen, die sie plagen, erhält sie ein Schmerzpflaster. Sie soll die Stärke der Schmerzen in einer Skala von 0 bis 10 einschätzen: Nico notiert Stärke 8 und hilft der alten Dame, sich hinzusetzen. Er bereitet das Frühstück, stellt es ihr auf den Tisch und wünscht guten Appetit.

6.55 Uhr: Die 95-jährige Irmgard Z. wartet schon auf Nico. Er begleitet sie ins Bad, hilft ihr bei der Morgentoilette. Zwischendurch macht er das Bett, lüftet und sucht ihr Hose und Pulli aus dem Schrank. "Ich muss mich jeden Tag neu auf die Menschen einstellen, es gibt immer wieder andere Probleme," erzählt der Pfleger. Die alte Dame, die schlecht sehen kann und herzkrank ist, erwartet an diesem Tag den Medizinischen Dienst der Krankenkassen und ist schon ein wenig aufgeregt. Es läuft ein Antrag auf Einstufung in die Pflegestufe II. Nico beruhigt sie. "Da brauchen Sie überhaupt keine Angst zu haben."

Nachdem er ihr die Kompressionsstrümpfe angezogen hat, bereitet er das Frühstück: Knäcke mit Marmelade und Graubrot mit Käse. "Aber nicht so dicke Butter!", ruft die Seniorin in die Küche. Nico kocht eine Tasse Tee und verabreicht ihr die Medizin.

7.45 Uhr: Herta B. wäscht sich gerade, als der Pfleger ihre Wohnung betritt. "Wie haben Sie geschlafen?", fragt der Pfl eger. Die 75-Jährige sitzt im Bad auf einem Stuhl und klagt: "Die Beine sind heute wie Pudding." Die Typ-IIDiabetikerin bekommt ihr Morgeninsulin. Der Pfleger hilft der Seniorin beim Anziehen und verabreicht ihr die Medizin.

Die Senioren haben mit den Maltesern einen Vertrag geschlossen. Sie sind praktisch die Arbeitgeber des Pflegedienstes: Die Pflegeleistungen, die sie benötigen, kaufen sie bei den Maltesern ein. Die Pfl egekasse überweist die Kosten, je nach Pflegestufe. Für Stufe I (384 Euro) bieten die Malteser beispielsweise täglich eine kleine Morgentoilette (Waschen unter Aufsicht), einmal wöchentlich Duschen, die tägliche Zubereitung des Frühstücks oder das tägliche Bettmachen an. Je nach Bedarf ist somit jeder Vertrag anders geregelt.

Wer mehr will, kann weitere Leistungen zukaufen. Wie umfangreich die Pflege in der eigenen Wohnung ist, hängt damit neben der Pflegestufe auch von den fi nanziellen Möglichkeiten ab. Zusätzliche Sicherheit gibt den Senioren der Hausnotruf. Viele der Bewohner tragen um den Hals eine kleine Kette. Im Notfall ist sofort jemand zur Stelle. In der Wohnanlage ist rund um die Uhr ein Malteser-Mitarbeiter anwesend.

8.10 Uhr: Ruth H. sitzt im Sessel, als Nico die Wohnung betritt. Die 87-Jährige ist fast blind. Als Diabetikerin muss sie gespritzt werden. Sie klagt ihr Leid: "Ich komme gar nicht mehr aus der Wohnung." Nico führt sie ins Bad zur Morgentoilette. Während sich die Seniorin wäscht, macht er das Bett, entleert den am Bett stehenden Toilettenstuhl und bereitet das Frühstück zu. Er tropft der Frau ein Medikament in die Augen und sagt dabei: "Die Leute denken, dass die Pflegebedürftigen nur gewaschen werden. Dass sehr viel mehr dranhängt, sehen viele gar nicht." Beispielsweise die medizinische Behandlungspfl ege, wie etwa die Versorgung von Wunden und die Verabreichung von Medikamenten auf ärztliche Anordnung. Beides sind Leistungen der Krankenkasse.

Aus seinem täglichen Kontakt weiß der examinierte Pfleger, der zuvor in einem Magdeburger Krankenhaus gearbeitet hatte, auch um die persönliche Situation der Kunden, wie die Pfl egebedürftigen genannt werden. Einfühlungsvermögen ist da gefragt. Viele Senioren leben allein, der Partner ist verstorben. Oftmals, so berichtet der Pfl eger, suchen die Angehörigen Kontakt zum Pflegedienst. Für sie ist es wichtig, aus berufenem Munde zu hören, wie es um die Mutter oder den Vater steht. Die Malteser betrachten es mit als ihre Aufgabe, mit Ratschlägen zu helfen.

8.45 Uhr: Adele K. wartet schon auf Nico. Die 84-Jährige wird gewaschen. Anschließend zieht ihr der Pfl eger Kompressionsstrümpfe an. Und schon geht es weiter. Obwohl der Weg zu den Patienten kurz ist, kommen am Tag einige Kilometer Fußweg zusammen. Für lange Schwätzchen bleibt keine Zeit – obwohl augenscheinlich zu spüren ist, dass das Bedürfnis groß ist. "Wenn wir uns an den Zeitplan nicht halten, müssten die nachfolgenden Senioren lange warten", erklärt der Pfleger. Dennoch, Hektik oder gar Stress sind nicht zu spüren.

9.05 Uhr: Nächste Station ist das Ehepaar Margrit und Martin R.: Der 87-Jährige hat eine komplizierte Knie-Operation hinter sich und kann sich kaum allein bewegen. Nico duscht den alten Mann. Seiner Frau klebt er auf den Rücken ein Schmerzpfl aster. "Ich kann nicht verstehen, warum mein Mann keine Pfl egestufe erhält", sagt sie. Das Ehepaar, das vor wenigen Monaten nach Magdeburg gezogen ist, bezahlt die Pflegeleistungen aus der eigenen Tasche.

9.30 Uhr: Waschen bei einer 86-jährigen Dame, bei der nächsten Patientin kontrolliert der Pfleger den Blutdruck.

9.50 Uhr: Bei Eva N. will nach einer kleinen Operation am Fuß die Wunde nicht heilen: Nico kommt zur Wundversorgung, legt einen neuen Verband an. Parallel kümmert er sich telefonisch bei der behandelnden Ärztin um ein neues Rezept, so dass die notwendige Weiterbehandlung erfolgen kann.

10.15 Uhr: Irmgard F. em pfängt freudig Nico, der die 81-Jährige zum Waschen ins Bad bringt, so wie bei den Pflegebedürftigen zuvor. Zwischendurch macht er das Bett und bereitet das Frühstück vor. Morgentoilette, Bettenmachen, das Frühstück vorbereiten – eine Prozedur, die sich immer wiederholt, die quasi Berufsalltag für den Krankenpfleger ist.

10.40 Uhr: Bei Anton S., der mit einem Katheter versorgt ist, steht ein Toilettengang an.

Kurze Frühstückspause im Gemeinschaftsraum des Malteser-Büros, zwischendurch klingelt – fast pausenlos – das Telefon. Da werden noch dringend Medikamente benötigt oder eine neue Verordnung für die medizinische Behandlung: Da Freitag ist und die Arztpraxen gegen Mittag schließen, ist Eile geboten.

11.40 Uhr: Den 80-jährigen Kurth B., der im Rollstuhl sitzt, begleitet Nico zur Toilette. Dann schaut er bei mehreren Patienten seiner Frührunde noch einmal herein, misst Blutdruck oder spritzt Insulin. Für eine Bewohnerin besorgt er das Mittag essen und bringt es ihr hinauf in die Wohnung: Keine Leistung des Pflegedienstes, mehr ein Gefallen des jungen Mannes.

Wenn der 30-Jährige gegen 12.30 Uhr seinen Rundgang beendet, sind seine Aufgaben noch lange nicht erledigt. Es gibt noch viel zu organisieren und zu notieren. Da gibt es für eine Patientin eine veränderte Medikation, die in den Unterlagen vermerkt werden muss. Für eine andere muss unbedingt noch ein Rezept in der Apotheke eingelöst werden – alles Dinge, die der Pflegedienst über seinen eigentlichen Auftrag hinaus mit erledigt.

Zu jedem Patienten gibt es eine umfangreiche Dokumentationsmappe: Festgehalten wird darin alles, was der Pfl eger erledigt; Informationen über den Patienten (Gewicht, körperlicher Zustand), die vom Arzt verordneten Medikamente, die Stärke von Schmerzen. Es gibt eine Pflegeplanung, mit der der Zustand des Pflegebedürftigen stabilisiert oder gar verbessert werden soll. Der Sinn mancher Vorschrift erschließt sich nicht immer. "Ich wünschte mir, es wäre weniger zu dokumentieren. Und wir könnten die Zeit für den Patienten verwenden", sagt Nico Günther-Gottschalg.

14 Uhr: Ende der Schicht und Übergabe an die nächste Kollegin. Der Pfleger weiß, was er getan hat: "Pflege ist richtig harte Arbeit", sagt Malteser-Pfl egedienstleiterin Doreen Bader. Eine Arbeit, die in der Öffentlichkeit oftmals wenig Anerkennung findet. Die Patienten sind jedenfalls sehr dankbar: "Wenn ich die Pfleger nicht hätte, würde gar nichts gehen. Da gibt sich jeder große Mühe", hatte die 79-jährige Christa Z. am Morgen gesagt. Und so denken sicher viele Senioren im "Vogelsang".